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Orson Welles, Howard Hughes, Carl Craig, Banana Ripple (das Eis), China (das Land), Japan (die Band). Das sind die Assoziationen, die die Junior Boys mit diesem Album verbinden. Muss man gar nicht alles nachvollziehen können oder wollen. Wichtiger: Ihre ganz eigene Version elektronischer Popmusik funktioniert mit und ohne Hintergrundwissen bestens.

Jeremy Greenspan und Matt Didemus, das Duo aus Ontario, Kanada, erschien 2004 mit dem Debüt „Last Exit“ und einem ziemlichen Knall auf der elektronischen Bildfläche. Mit diesem starken Debüt und den beiden Nachfolgern erspielten sie sich eine treue Fangemeinde, ohne dass sie jedoch über den Status des allseits bekannten Geheimtipps hinauskamen.

Ob „It’s All True“ das ändern wird, ist sicher fraglich. Denn erstens ist das Feld der elektronischen Popmusik schon sehr reichhaltig bestellt, und zweitens biedern sich die Junior Boys auch weiterhin keinerlei Trends an. Stattdessen verfeinern sie ihre spezielle Mixtur aus (analogem) Synthesizerpop, House, Electro, Funk, R’n’B, Soul und mehr. Eingängige Melodien, die sanfte Stimme Greenspans und überall detailverliebte Kleinigkeiten sind ihr Stil.

Die oben erwähnten Namen lassen sich zwar alle erklären (Welles und seine Filme – insbesondere „F wie Fälschung“ – als Inspiration des Albumkonzepts, Hughes für seine Liebe zu genannter Eissorte, die einen Song beeinflusste, Techno-Guru Craig schlicht wegen seiner Musik, Japan wegen ihres kunstvollen Synthiepops und China, weil man dort längere Zeit weilte und die künstlerischen Batterien auflud), sind aber nicht unbedingt wesentlich für den Hörgenuss.

Dort würden eher Namen wie Hot Chip, Metronomy, Cut Copy, Erlend Øye oder Morgan Geist passen. Letzterer produzierte auch das erste Stück „Itchy Fingers“ und liefert damit gleich einen Höhepunkt ab. Ganz viele Soundideen in nur einem Track, die sich zu einem mitreißenden Feger zusammenfügen. Dass es nicht so rasant bleiben wird, macht sofort im Anschluss „Playtime“ klar, das sich fast sieben Minuten lang minimalistisch dahinschleppt und doch immer wieder mit Feinheiten im Sound aufhorchen lässt. Ähnlich clever reduziert gelingt das später noch einmal in „The Reservoir“.

Doch mit „You’ll Improve Me“ geht es erst einmal wieder direkter zur Sache. Ein entspannt groovendes Stück, das immer kurz vor dem großen Ausbruch zu stehen scheint, diesen aber konsequent verweigert. „Second Chance“ ist etwas für Freunde guter Basslines und cooler Synthies, während „Kick The Cans“ das Tempo erhöht und House mit Popsounds inszeniert.

Zum Finale wird dann noch das „Banana Ripple“ verspeist, eine schmackhafte Tanznummer, die das Fazit bestätigt, dass den Junior Boys eine elektronische Platte für Herz und Beine gelungen ist – und damit ihr wohl bestes Album seit dem Debüt.

(Addison)

P.S. Live hier: 27.11. Leipzig, 06.12. Berlin, 07.12. Stuttgart, 15.12. Offenbach, 16.12. Basel, 17.12. Lausanne

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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