casablancas_phrazes Der Autor dieser Zeilen ist ein großer Anhänger des Indierock der 00er Jahre. Trotzdem fand er die Strokes immer ziemlich überschätzt. Eine Band, die den Weg für viele andere, tolle(re) Bands bereitete, unbestritten. Aber vielleicht auch einer dieser Fälle, wo der historische Einfluss größer ist als die eigentliche Qualität. Daher wurde jener Autor völlig überraschend von der ersten Solo-Single des Strokes-Sängers hinweggerafft.

Äh, also nicht schweinegrippenmäßig. Sondern von Begeisterung. Denn während die Welt auf das laaange fällige vierte Strokes-Album wartet und die einzelnen Bandmitglieder auf ihren diversen Solopfaden nur streckenweise überzeugen konnten, gelang Julian Casablancas mit „11th Dimension“ ein absolut brillanter Ohrwurm – der mit flottem Synthiepop-Sound irgendwo zwischen Pet Shop Boys und New Order geradewegs mitten aus den 80ern entsprungen zu sein scheint. Unbedingter Anspiel- und Kauftipp!

Aber was taugt das dazugehörige Album? Nun, dies ist eine etwas kniffligere Geschichte. Zunächst die Quantität: Acht Songs sind jetzt nicht so viel für ein Album. Okay, die Stücke sind alle um die 5 Minuten lang, so dass am Ende immerhin 40 Minuten stehen. Diese 40 Minuten sind nun mit so vielen Stilen vollgepackt, dass für fast jeden etwas dabei ist, aber kaum jedem alles gefallen wird. Es scheint, dass Casablancas alles ausprobiert hat, was er schon immer probieren wollte. So etwas geht halt meistens nicht vollständig gut. Und so müssen wir dringend vom Genuss von Song Nr. 4, „4 Chords Of The Apocalypse“ abraten, dieser ist leider eine furchtbar schmalzige Schlagerballade geworden. Auch das countryeske „Ludlow St.“ ist etwas eigenartig.

Doch die besseren Stücke überwiegen dann doch. Neben der erwähnten Single stellen der geradlinige Popsong „Out Of The Blue“ und das hektische und herausragend instrumentierte „River Of Brakelights“ die absoluten Höhepunkte dar, auch das flotte „Left & Right In The Dark“, die zarte Synthieballade „Glass“ und das trompetenverstärkte „Tourist“ gefallen gut.

Alles in allem ein überraschendes und erdtaunlich poppiges Album mit vielen Einfällen, bei dem man in Zeiten von Einzeltrackeinkäufen zumindest den Kauf von 3 (mindestens) bis 6 Songs empfehlen muss.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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