juanmaclean_futureHaben wir hier eigentlich schon einmal eine ausdrückliche Lanze für die großartigen Human League gebrochen? Nein? Dann wird es aber Zeit! Doch halt, da kommt ein muskulöser junger Mann aus New York des Weges, der möchte uns die Arbeit abnehmen. Na dann machen Sie mal, Mr. Juan MacLean!

Juan MacLean ist auf dem Vorzeigelabel DFA zu Hause, welches bislang vor allem mit den Veröffentlichungen von James Murphy und seinem LCD Soundsystem weltweit Erfolge und Kritikerlob einheimste. Doch auch Juan MacLean ist kein Neuling, eine erste Single erschien bereits 2002, das Debütalbum („Less Than Human“) folgte 2005, später noch ein Remix-Album und überhaupt so einige Remixe, u.a. für Air, Daft Punk und „unseren“ Dave Gahan.

Was uns nunmehr zu The Human League führt. MacLean gibt offen zu, dass diese für dieses Album die eindeutigen Vorbilder waren. Und zwar die Human League aus den frühen 80ern, speziell ihr Meisterwerk „Dare“. Was braucht man für ein typisches Human-League-Feeling? Richtig, den Frau-Mann-Wechselgesang. Den Phil Oakey markiert MacLean selbst und das sehr überzeugend und durchaus ähnlich in der Stimmlage. Für den weiblichen Part holte er sich Nancy Whang dazu, Labelmitarbeiterin und regelmäßige Gesangsunterstützung beim LCD Soundsystem. Wenn man nun den zauberhaften Ohrwurm „One Day“ hört, muss man in der Tat an Klassiker wie „Don’t You Want Me“ denken. Mission erfüllt!

Dass das Album bei aller Nostalgie nicht altbacken klingt, ist einerseits DFA-besonderen modernen Studiosounds zu verdanken (ja, auch die Trademark-Kuhglocken sind dabei) und andererseits der Tatsache, dass eine richtige Band den feinen Synthie-Pop unterstützt.

Seinen Karriereplan als The Juan MacLean erklärt der Meister übrigens so: Zu Beginn genügen Dance-Tracks und Instrumentale, doch irgendwann sollen es klassische Dreieinhalb-Minuten-Popsingles sein. Derzeit betrachtet er sich auf diesem Weg als etwa in der Mitte angekommen, was das Album bestätigt.

Den Rahmen bilden zwei Dance-Singles, die bereits vorab für Furore gesorgt haben. „The Simple Life“ knallt saftige Sequencer-Sounds auf die Tanzfläche und lässt sich vier Minuten Zeit bis zum Gesangseinsatz (und nochmal vier bis zum Ende). „Happy House“ lässt die Leute gar über 12 Minuten nicht verschnaufen und schafft das Kunststück, sich nach 10 Minuten noch zu steigern, inklusive Handclaps und House-Verweisen. Dazu thronen im Zentrum die 10 Minuten von „Tonight“, die viel frühe Pet Shop Boys mit ein wenig Acid paaren. Die übrigen Stücke fallen dagegen schon viel kürzer aus und nähern sich dem klassischen Popsong clever an. Siehe „No Time“ (nochmal: Human League!) und das kühl-melancholische „The Station“. Und an einer Stelle lässt man die Beats gar ganz weg und beeindruckt mit dem verzweifelt klagenden „Human Disaster“.

Wir fassen zusammen: Eine fantastische Platte für 80er-Fans und Clubgänger, intelligent, rückwärtsbewusst und zukunftsgewandt. Ein Album des Monats!

(Addison)

P.S. Von The Human League selbst würden wir aber auch gern Neues hören. Ihr letztes Werk, das 2001er „Secrets“ ist eine vielfach unterschätzte Perle des Genres!

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http://www.thejuanmaclean.com
http://www.myspace.com/thejuanmaclean

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. testcase
    1
    13.5.2009 - 22:48 Uhr

    wow, ich liebs total! Danke mal wieder fürs entdecken! :)