Toby Hartwig (links) und Uwe Kallenbach (rechts) haben ihre Band SYNTEC nie offiziell aufgelöst.
Toby Hartwig (links) und Uwe Kallenbach (rechts) haben ihre Band SYNTEC nie offiziell aufgelöst.

Vor etwas über einer Woche haben SYNTEC noch auf dem E-Only Festival in Leipzig gemeinsam mit COVENANT und anderen Bands aus der Szene gespielt. Heute haben wir Toby Hartwig, seines Zeichens Sänger der Band, für unsere Interviewsektion gewinnen können und dem Synthiemusiker einige Fragen zu Electrobands in Anzügen, einem neuen SYNTEC-Album und seinen bisherigen Konzerterlebnissen gefragt. Geantwortet hat er vornehmlich kurz und bündig und noch dazu verraten, was in seinen Augen einen guten Song ausmacht.

Hallo Toby, wie geht es dir denn so?

Ausgesprochen gut.

Ich glaube die Musikwelt hat schon ewig nichts mehr von dir und SYNTEC gehört. Viele haben sich wirklich gefreut, dass du letztes Jahr gemeinsam mit SOLITARY EXPERIMENTS aufgetreten bist. Wie war es für dich wieder auf der Bühne zu stehen?

Hintergrund dieses Auftritts war ja die Bandfreundschaft, die uns mit SOLITARY EXPERIMENTS verbindet und die dazu geführt hat, dass Uwe einen Remix von „Land of Tomorrow“ produziert hat. Von daher war es die logische Konsequenz, dass Uwe und ich bei diesem Jubiläum gemeinsam mit SOLITARY EXPERIMENTS auf die Bühne gehen. Es hat riesig Spaß gemacht, auf und hinter der Bühne. Die Jungs sind echt tolle Kollegen!

Nun seid ihr ja nicht nur 2014 ein bisschen unterwegs gewesen, sonder auch dieses Jahr unterwegs und gebt Songs zum Besten. Wo geht es denn überall hin?

Wir lassen es noch ruhig angehen. Wir haben ja am 14.02. auf dem großartigen E-Only Festival in Leipzig gespielt. Am 22.08. spielen wir noch auf dem „Pool of Darkness“-Festival, gemeinsam mit SITD. Ansonsten setzen wir die Schwerpunkte derzeit darauf, das neue Album fertig zu stellen.

Auf die Sache mit dem neuen Album komme ich nachher nochmal zurück. Erstmal Stichwort E-Only: Auch ihr wart ja am Valentinstag in Leipzig und habt als zweite Band an diesem Abend gespielt. Wie groß war die Vorfreude nach einiger Zeit der Bühnenabstinenz?

Das Festival ist schon etwas Besonderes, daher waren wir in der Tat voller Vorfreude. Die Location, die Organisation und vor allem der Veranstalter und sein Team… Das sind Leute, die das aus Überzeugung und Liebe zur Musik machen. Wir haben uns sehr, sehr wohl gefühlt.

Du bist ja André Steinigens Wunsch nach „Angel“ nachgekommen. Hat er dich wenigstens gedrückt?

Ich kann mich nicht erinnern! (lacht) Aber ich weiß noch, dass wir nach der Show angestoßen haben.

Ich glaube mich zu erinnern, dass ihr auch neue Stücke spielen wolltet. Wann gibt’s denn nun ein neues SYNTEC-Album und wie wird das klingen?

Haben wir ja auch. Zum Album kann ich nur sagen: Dieses Jahr! Wann das Album genau erscheint, steht noch nicht fest. Tja, wie wird es klingen? Wir hatten ja schon auf „Upper World“ eine Mischung aus Synthie-Pop und Elektronummern. Diesen Stil haben wir weiterentwickelt und sind wirklich zufrieden mit dem Resultat. Ein paar Tracks haben wir bereits live zum Besten gegeben und hatten das Gefühl, dass sie gut angekommen sind.

Im vergangen Jahr warst du mit Dennis Schober beim SOLITARY EXPERIMENTS Jubiläum auf der Bühne, am Valentinstag hat er dich auf der Bühen in Leipzig unterstüzt. Wie hast du ihn denn überreden können mit auf die Bühne zu kommen?

Vielleicht musste ich ihn gar nicht überreden? (lacht) Wie gesagt: uns verbindet eine Freundschaft und ich habe mich riesig gefreut, dass er „It Takes a Word“ mit uns performt hat. Ich finde solche Aktionen toll, weil sie Individualität in die Konzerte bringen und man nie weiß, was so alles passiert. (lacht). Ich will unbedingt mit denen nochmal auf die Bühne!

Ihr könnt euch ja jetzt immer gegenseitig auf der Bühne abwechselnd unterstützen oder auch mal gemeinsam an etwas arbeiten. Ich glaube, das fänden einige Leute da draußen gar nicht mal so uninteressant. Musiker sein ist eine interessante Sache – aber stell dir mal vor, du könntest für einen Tag jemand anderes sein. Wer wäre das und warum?

Als begeisterter Sportflieger sage ich: Matthias Dolderer. Das ist ein Kunstflieger, der Sachen mit seiner Maschine macht, die an die Grenzen der Physik gehen.

Was würdest du an dem Tag im Körper einer anderen Person unbedingt machen wollen?

Ein Red Bull Air Race gewinnen!!!

Sportlich, sportlich, Toby! Jeder hat ja so seinen Lieblingsgegenstand ohne den der Tag nur halb so schön ist, den man überall mit hin schleppt oder der einem den Alltag sehr vereinfacht. Bei mir ist das mein MP3-Player. Ohne den gehe ich keinen Meter vor die Tür. Ohne welchen Gegenstand könntest du denn nicht überleben?

Ich befürchte, das ist mein I-Phone. Wie hat man bloß früher sein Leben geregelt?

Früher hatte man einen Terminplaner (lacht). Hatte ich auch mal. Hat aber nur halb so gut funktioniert mich an alles zu erinnern wie ein Smartphone. Ich verstehe dich also total. Für manchen da draußen ist ja der Verlust des Smartphones sowas wie ein privater Horrofilm: Guckst du eigentlich Horrorfilme oder ist das nichts für dich?

Da muss ich gestehen, dass ich noch nie einen gesehen habe. Ist nicht mein Thema.

Solltest du dringend mal nachholen. Ich bin ja ein großer Fan vom Zombie-Apokalypsen-Szenario. Was wäre deine Waffe im Fall einer Zombieüberflutung?

Der Verstand!

Ich habe mir schon viele schwachsinnige Horrorfilme in dem Genre angesehen. Das schlimmste war ein griechischer Zombiefilm mit unsagbar schlechtem technomäßigem Soundtrack. Was war der schlechteste Film, den du jemals gesehen hast?

Horrorfilme habe ich noch nie gesehen, schlechte Filme sicherlich. Aber sofort wieder vergessen.

Zurück zur Musik: Sind SYNTEC heute besser als früher oder einfach nur anders?

Das würden wir gerne die Hörer beurteilen lassen. Wir sind jedenfalls mit dem neuen Material sehr zufrieden.

Warum seid ihr denn damals „von der Bildfläche“ verschwunden?

Nach der Veröffentlichung in den USA hatten wir 2000 einen Vorvertrag mit einem Majorlabel unterschrieben. Nach einem personellen Wechsel dort wurde das Projekt abgebrochen. Das hat uns sehr frustriert. Gleichzeitig nahmen uns unsere Berufe mehr in Anspruch und Syntec hat sich einfach im Sande verlaufen. Wir hatten uns ja nie offiziell aufgelöst.

Hat dir das Musik machen gefehlt?

Ja, sehr.

Hat man so als „grundlegende Electroband“ eigentlich Vorbilder?

Da lassen sich sicher zunächst die üblichen Verdächtigen nennen: KRAFTWERK, DEPECHE MODE und so. Die Pioniere eben. Als Uwe angefangen hatte, Musik zu machen, war das Genre ja noch eher dünn besetzt. Ich hatte letzten Herbst die Gelegenheit, KRAFTWERK live zu sehen. Was für Visionäre! Wir haben in den letzten Monaten häufig erfahren, dass wir andere Bands inspiriert haben, selbst Vorbilder waren. Angeblich haben wir das Genre des „Future-Pop“ begründet. Ob das wirklich so ist, wissen wir gar nicht. Aber schmeichelhaft ist das in jedem Fall. Wir fühlen uns sehr geehrt. Aber wie spannend waren früher die Charts?! Da gab es jede Menge richtige Künstler aus den verschiedensten Sparten. Heutzutage finde ich mich dort nicht wieder, leider.

Was macht deiner Meinung nach einen guten Song aus?

Dass der Song an sich gelungen ist und in vielen Musikrichtungen produziert werden könnte. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Martin Gore auf der Gitarre komponiert. Und daraus wird dann beispielsweise eine Elektro-Nummer. Die besten Songs sind nach unserer Einschätzung schlicht gehalten und nicht überladen.

Du zählst ja auch zu denen, die auf der Bühne einen Anzug tragen. Jetzt mal ehrlich: Warum sehen Männer in Anzügen eigentlich immer gut aus?

Weiß nicht. Sag Du es mir!

Wenn ich es wüsste, würde ich dich nicht fragen (lacht). Bleiben wir mal bei der Hypothese, dass es so ist. Tragen deshalb so viele Electromusiker einen Anzug?

Ist das so?

Ich kann dir spontan 5 Bands nennen, bei denen das so ist. Um mal von Herrenkleidung weg zu kommen: Wenn du einen Song deiner Wahl covern könntest, welcher wäre das?

Aktuell wäre das sicher „One“ von Ed Sheeran. Was für ein Song!

Jeder, den ich interviewe, darf sich jemanden aussuchen, den ich noch interviewen soll. Hier ist Platz für deinen Wunsch.

Ich schlage jetzt mal keinen Künstler vor, sondern den Holger Troisch. Das ist der Veranstalter z.B. vom NCN und dem E-ONLY Festival. Es wäre sicher mal interessant, etwas über seine Beweggründe und Arbeitsweisen zu erfahren, zumal sich alle Szenegrößen auf seinen Events die Klinke in die Hand geben.

Mehr Informationen zu SYNTEC gibt es hier:
https://www.facebook.com/syntec.official
http://www.syntec-band.de

 Josie Leopold
Ich bin die kleine Schnatterschnute vom Dienst: bunt, glitzernd, voller verrückter Ideen. Wenn ich nicht gerade Interviews führe, Beiträge verfasse oder versuche Wordpress davon zu überzeugen doch bitte nett mit mir zu sein, versuche ich die Welt ein bisschen besser und bunter zu machen.

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Kommentar

  1. daniel
    1
    23.2.2015 - 18:59 Uhr

    Schön das sie wieder Musik machen!
    Habe ihr Album von 1993 :“the total immersion“
    Welches auf dem legendären Machinery Label
    erschienerschien ,sehr gerne gehoert und es ist ein
    Meilenstein für die Elektroszene gewesen und immer noch eines meiner lieblings electro alben bis
    Heute!
    Es hat meinen musikgeschmack mitgepraegt und undist wie einige andere machinery acts von damals längst Kult !:)