braids_flourishDieses Mal ist die Mischung in unserem Testlabor sehr vielseitig. R’n’B-Electro von The Weeknd, moderne Manchestermusik von No Ceremony///, ätherischer Traumpop von Braids und atmosphärischer Synthiepop von Clarence + Napoleon. Bitte treten sie näher, es gibt etwas zu hören!

weeknd_kissWenn einer vor seinem eigentlichen Debütalbum bereits ein Triple-Album mit den bisher veröffentlichten Stücken herausbringt, dann ist das sowohl seltsam, als auch bemerkenswert. Doch genau so läuft das bei Abel Tesfaye alias The Weeknd. Der versammelte letztes Jahr auf seiner dicken „Trilogy“ seine bisherigen Mixtapes und weitere Tracks, eine wahre Flut von Talent, Samples und Sounds. Und schiebt jetzt mit „Kiss Land“ das nach eigenem Bekunden erste „richtige“ Album nach.

Ob die ewigen Vergleiche mit Michael Jackson ihn mittlerweile nerven, man weiß es nicht. Was soll man machen, die Stimmähnlichkeit ist nun mal unverkennbar. Doch wichtiger ist, dass Tesfaye musikalisch weiterhin seinen ganz eigenen Film fährt. Apropos Film: Er hält ja das Album für eine Art Horrorfilm – was auch im packenden Video zur Single „Belong To The World“ zu erkennen ist. Gekonnt wird hier Portisheads „Machine Gun“ verarbeitet (komisch allerdings, dass diese Quelle im Gegensatz zu anderen in den Credits verschwiegen wird…), wie überhaupt wieder zahlreiche Einflüsse zu hören sind: In „Professional“ zeigt der Mann Fachkenntnis, indem er bei der großartigen Emika borgt, später gibt es noch Zitate von The Police, Sebastien Tellier und, man höre und staune, Fox The Fox, deren 1984er-Hit „Precious Little Diamond“ hier in „Wanderlust“ ein gelungenes Update erfährt.

Man sieht also schnell, der Stile sind viele. Und R’n’B ist eigentlich nur durch den Gesang vertreten, ansonsten wühlt man sich durch ein dick produziertes Gebräu aus Sex, Drugs & Electro, das von enormem Talent zeugt – und doch die Highlights der vorgenannten Trilogie nicht ganz erreichen kann. Der Mann kann das garantiert noch besser, wir werden sehen. – 7,5 von 10 elektrifizierten Moonwalks





no_ceremonyKein Gewese um sich zu machen, das ist nicht nur am Bandnamen als eine Art Motto von No Ceremony/// aus Manchester zu erkennen. Man erfährt nicht nur relativ wenig über das Trio, das dahinter steckt, es passt auch zur minimalistischen Musik dieses Trios. Auf einem Debüt namens „No Ceremony///“ – siehe da, kein besonderer Albumtitel, passend dazu spartanisches Artwork, New Order wären stolz.

Woraus besteht nun der typische Sound? Auf dem Album befinden sich neun melancholische, mitunter trotzdem gut tanzbare Songs, klanglich sind hauptsächlich Synthesizer, Pianoklänge, Drumbeats und die Stimme von Sängerin Victoria zu hören. Jene wird allerdings auf verschiedenartigste Weise modifiziert. Vocoder, Verzerrer und andere technische Instrumente werden hier als Stilmittel eingesetzt, was den kühlen, etwas fremdartigen Sound – der aber durchaus Elemente von Wave und Rave (→ Manchester) enthält – unterstreicht.

Ein ganz großer Pluspunkt des Albums ist darüber hinaus das Talent der Band zur Popmelodie – und der Hang, diese zwischen den eigenwilligen Sounds zu verstecken. Das könnte der Langzeittauglichkeit entgegen kommen. Jedenfalls haben sich beim Rezensenten Stücke wie „Hurtlove“, „Feelsolow“, „Partofme“ oder „Heavyhour“ schnell im Gedächtnis eingenistet. – 8 von 10 Zeremonienmeistern





braids_flourishLetztens beim First We Take Berlin Showcase Festival: Bands entdecken gewesen (mehr dazu in Kürze an anderer Stelle). Eine dieser Entdeckungen waren die Braids aus Montreal. Ein volles Lido und kaum tanzende Menschen. Dafür, wenn man sich umsah, überall entrückte Gesichtsausdrücke. Dann darf man die Musik des Trios sehr wohl ätherisch und verträumt nennen.

Das Debüt wurde vor zwei Jahren bereits von vielen gelobt und in die Nähe von Bands wie Broken Social Scene gerückt, auf „Flourish//Perish“ hat sich der Sound der Band jedoch deutlich weiterentwickelt. Es gibt vor allem viel mehr elektronische Elemente rund um die eindrucksvolle Stimme von Sängerin Raphaelle Standell-Preston (die hin und wieder zu Björk-Vergleichen führen kann). Es plickert und plongt von allen Ecken des Raumes, die Stücke fasern mitunter fast in elektronische Jams aus.

Doch auch wenn das eine oder andere Stück zunächst nicht richtig greifbar wirkt – irgendwann kriegen einen die Songs, denn stets steckt eine Schönheit in ihnen, die den Hörer früher oder später ergreift. Man probehöre nur einmal das hypnotische „Amends“, das klackende „Victoria“ und das druckvolle Finale „In Kind“ . Manchmal fast zu kunstvoll, aber schön. – 7,5 von 10 Hanfkleidern





clarence_silenceClarence + Napoleon klingt eindeutig besser als Anna und Arne. Damit wäre das schon mal geklärt. Die beiden – sie aus einer multinationalen Künstlerfamilie stammend und an Klavier und Saxophon geübt, er ebenfalls seit der Kindheit mit Musik im Blut und Fertigkeiten an Klavier, Bass und weiteren Instrumenten – trafen sich 2008 in Hamburg, es klickte und man begann an gemeinsamen Songs zu arbeiten.

Nun liegt mit „Breaking The Silence“ das Debüt vor, kompetent produziert von Swen Meyer, und man versucht es einzuordnen. Im Intro schrieben wir von atmosphärischem Synthiepop, was heißt, das Arne Straube sich mit dem Gerätepark im Hintergrund hält, während Anna Bauer die Stimme liefert. Eine klassische Konstellation also, und auch hier funktioniert sie. Bei guten Songs wie dem stimmungsvollen Titelstück, auch bei Tanzflächenkandidaten wie „Do That Thing“ oder „Angels“. Und bei Überraschendem wie dem kaum wiederzuerkennenden Danzig(!)-Cover „Mother“.

Darüber hinaus gibt es aber auch ein paar ereignislosere Stücke, denen so ein wenig der Pfiff fehlt – und bei denen der Gesang auch ein bisschen zu beliebig wirkt. Außerdem geht dem Album in der zweiten Hälfte sichtlich die Puste aus. Schade, wir behalten die beiden trotzdem im Auge. – 6 von 10 Pianotasten





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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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