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Eine Warnung vorab: Der Soundcheck fällt heute in Teilen etwas unelektronisch aus (inbesondere bei dem Album mit der höchsten Punktzahl). Doch das muss für scheuklappenbefreite Hörer eben auch mal sein – und letztlich hat sich dann doch wieder so mancher Synthesizer eingeschlichen.

lonelady_hinterlandAber erst einmal ein Album, wo der elektronische Anteil noch recht markant ist. Womit wir bei der LoneLady Julie Campbell aus Manchester wären. Und die Erwähnung des Ortes Manchester ist hier mal wirklich von Bedeutung, denn wie schon auf ihrem Debütalbum atmet auch „Hinterland“ viel von der einst industriestaubigen Luft der nordenglischen Metropole.

Für diesen Eindruck sind natürlich alte Größen wie Joy Division verantwortlich zu machen, aber die sind ja immer eine gute Referenz und der düstere Look der Betonsilos, zwischen denen Campbell aufgewachsen ist, tut sein Übriges für die düsteren Sounds. Neben dem guten alten New Wave gibt es aber auch eine ordentliche Prise Funk auf „Hinterland“.

Neben dem Albumtitel und Titelsong haben wir gleich noch ein Beispiel für die anhaltende Begeisterung der Briten für die deutsche Sprache: „Bunkerpop“ – und dieses extrem eingängige Stück ist zugleich so ein bisschen der Hit des Albums. Wobei es bei aller coolen Düsternis noch einige poppige (und aufs Tanzbein zielende) Momente mehr gibt auf diesem schönen Album. – 7,5 von 10 Kindern der Eighties





12inch_recordjacketSchon auf ihrem letzten Album hatten Lower Dens sich vom ursprünglichen Shoegaze mehr in Richtung Dreampop entwickelt und mehr Synthesizer eingesetzt. Auch auf Album Nummer Drei mit dem fröhlichen Namen „Escape From Evil“ sorgt die Elektronik für ein gehöriges 80er-Feeling, ohne dass es sich um ein ödes Retroscheibchen handeln würde.

Dafür stehen Jana Hunter und ihre Männer zu sehr im Jetzt und Heute. Also singt Hunter, deren Stimme dieses Mal markanter in den Vordergrund gerückt ist, über diesen Kampf, der Leben heißt. Oder was es heißt, „To Die In L.A.“ – ein Songtitel, der kaum erahnen lässt, welch flotter Synthiepop sich dahinter verbirgt. Oft geht es aber träumerischer zu – und nicht nur die Single „Ondine“ erinnert stark an die benachbarten Kolleginnen und Kollegen von Beach House.

Überhaupt finden sich hier eine Menge gelungener Songs, die der durchweg stimmigen Atmosphäre (so ca. Düsternis kurz vor dem Sonnenaufgang) Flügel verleihen. Das fast leiernde „Your Heart Still Beating“, das kurz-knackig groovende „Non Grata“, das flott brummende „Company“ oder das von flirrenden Gitarren getragene Finale „Société Anonyme“. – 8 von 10 Traumsoundtracks


Lower Dens -To Die In L.A. (Official Video) von domino



sufjan_carrieÜber Sufjan Stevens müssten wir uns ja eigentlich mal gehörig beschweren. Da versprach das Riesentalent einst Veröffentlichungen zu allen Staaten der USA und brach das Ganze schon nach ein paar Teilen ab (es war ein Scherz, heißt es mittlerweile, und wir versprechen hiermit, bei zukünftigen Artikeln nicht weiter darauf einzugehen). Dann überraschte er uns mit immer umfangreicheren Arrangements und der Einbindung verrückter Elektronik – und kommt jetzt mit „Carrie & Lowell“ um die Ecke.

Ein Album, gewidmet den Eltern (der verstorbenen Mutter und dem Stiefvater), mit den Hauptthemen Tod, Schmerz und deren Verarbeitung – da war klar, das geht eher zurück zu den Graswurzeln. Sprich, zu zurückhaltendem Singer-/Songwritertum. Größtenteils nur Gitarre, Klavier, Stevens‘ Gesang und ein paar Stimmen im Background. Eigentlich gar nicht so meine Sache, dachte der Rezensent, hörte aber natürlich (auch) aus alter Verbundenheit hinein.

Tja, und dann erwischt es einen eben doch. Klein und einfach erscheinende Songs und großes, ganz großes Songwriting. Kein Brimborium, nur intensive Gefühle, die sich schnell auf den Hörer übertragen können, wenn dieser a) sich darauf einlassen möchte oder b) nicht aufpasst. Brillante Melodien und Harmonien von Ein- bis Ausgang. „We’re all gonna die“, singt der Sufjan. Was soll’s, wenigstens haben wir vorher gute Musik gehört! – 8,5 von 10 Lieblingskünstlern

P.S. Live hier: 15.09. Hamburg, 16.+17.09. Berlin, 19.09. Essen, 20.09. Genf




dcfc_kintsugiAch, was liebten wir „Transatlanticism“ von Death Cab For Cutie! Und was hofften wir (vergeblich) auf mehr als nur ein Album von Sänger Ben Gibbards Nebenprojekt The Postal Service! Doch man muss im Leben oft nehmen, was man bekommt – und es könnte schlimmer sein als „Kintsugi“, das tatsächlich schon achte Album von DCFC.

Es ist das erste Album, das Chris Walla nicht mehr produziert hat. Doch der mittlerweile ausgestiegene Walla hat noch aktiv an der Gitarre mitgewirkt, ein wesentlicher Bruch im Klang war daher nicht zu erwarten – ein Bruch, den so mancher in den letzten Jahren erhofft hatte, die Alben nach dem erwähnten Fan-Liebling und dem Chart-Durchbruch „Plans“ waren durchaus durchwachsen. „Kintsugi“ ist nun aber (noch?) kein neuer Anfang, eher eine Konzentration auf bandeigene Stärken mit sanften Justierungen im Feinklang.

Was bedeutet, dass es wieder hochmelodiöse, seelenstreichelnde Indiehymnen gibt, gelegentliche Ausflüge in die Postrock-Zone – und dass der verstärkte Elektronikanteil weiter ausgebaut wurde. Kein riesiger Aha-Effekt insgesamt, aber wer so grandiose Songs wie „No Room In Frame“, „Black Sun“ oder „Little Wanderer“ schreibt, ist immer ein Guter. – 7 von 10 Süßigkeitentaxis





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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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