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Und wieder stellen sich vier Kandidaten den Prüfungen der Zehn-Punkte-Skala. Verschiedenste Stile bewerben sich um Aufmerksamkeit, von Autorentechno über pornösen Indiepop, baskische Gute-Laune-Musik bis hin zu mächtigen Orgelklängen im gelungenen Popkontext. Ohren auf!

Später im Jahr wird es ja noch das neue Trentemøller-Album geben. Doch während der Däne sich mittlerweile vom intelligenten Techno ein ganzes Ende weg bewegt hat, ist der Londoner Jon Hopkins mittendrin. Über die Jahre hat der Produzent elektronischer Musik sich zahlreiche Fans und Freunde erarbeitet. Sei es, durch Arbeiten für Coldplay (an „Viva La Vida“) oder mit Brian Eno, sei es als Soundtrack-Komponist für kunstvolle Science Fiction, wie im Film „Monsters“.

Doch jetzt kommt die persönliche Ernte, indem er für „Immunity“ verdiente Lorbeeren einfährt. Album des Monats im Musikexpress, Höchstnoten überall – und zwar verdient. Auf diesen acht Tracks nimmt Hopkins uns auf einen unvergleichlichen Trip mit. Vom anfänglichen Knuspern in „We Disappear“, aus dem sich langsam ein knackiger Beat schält, schiebt das Album mit der Single „Open Eye Signal“ erstmal auf die Tanzflächen der Clubs. Ein perfekt strukturierter, sich aufbauender Track, der schließlich vor lauter Kraft explodiert.

So ist es hier häufiger, am Anfang eines Stückes hat man keine Ahnung, wohin es einen führt. Ob in knisternd, knackend, atmosphärische, fast ambiente Flächenwelten oder doch auf satte Beatberge. Ein Album, das es schafft, viele Zwecke zu erfüllen – es kann (an einzelnen Stellen) im Club die Wände wackeln lassen, es kann aber (häufiger) auch zu Hause unter Kopfhörern Gänsehaut entfalten. – 8,5 von 10 ziselierten Soundskulpturen





Jetzt aber zu etwas, nun ja, Gewöhnlicherem. Is Tropical, auch aus London, beackern auf „I’m Leaving“ zum zweiten Mal das schon ziemlich zerpflügte Feld des Indie-Electro. Das Debütalbum schaffte es vor zwei Jahren, mit ein paar Hitsingles positiv aufzufallen. Mittlerweile ist die auf dem Kitsuné-Label veröffentlichende Band jedoch fast bekannter für ihre Musikvideos als für die Musik an sich. Damals ballerten sich kleine Jungs durch den spektakulären Clip zu „The Greeks“, eines der Videos des Jahres 2011.

Im Jahre 2013 sind die Stilmittel vergleichbar geblieben. Gleich zwei Videos sorgen für Aufsehen (und Zensur auf diversen Kanälen). Erst knattert sich ein jugendlicher Housesitter zur fluffigen Vorabsingle „Dancing Anymore“ mit grenzwertig animierten Pornoladies durchs ganze Haus, im aktuellen Video zum gitarrenlastigeren (und sich freimütig an Joy Division bzw. New Order anlehnenden) „Lover’s Cave“ gerät eine Wohnzimmerparty, bzw. die Bekleidung der zahlreichen weiblichen Gäste außer Kontrolle. Hui, Sex!

Allerdings muss man eben auch sagen, dass das Drumherum tatsächlich interessanter ist als so mancher Song. Die sind zwar alle nicht schlecht, Gitarre hier, Synthie da, New Wave, Postpunk, Indie, aber es sorgt nichts für richtige Aha-Effekte. Ordentliches Album, aus guter Laune und weil uns das künstlerische Gesamtpaket so gut unterhält gibt es: 6,5 von 10 audiovisuellen Gesamtpaketen





Wir bleiben in Indiepopland, erweitern aber die Soundpalette. Denn es geht nun um „Cave Rave“, das zweite Album der Crystal Fighters. Die haben sich Anfang 2011 mit ihrem Debüt die Bezeichnung „diese verrückten Basken“ erarbeitet – und das, obwohl nur Teile der Band von da stammen. Aber macht nix, der Nachfolger wurde schließlich auch genau dort, in den Bergen, aufgenommen. Von den fünf festen Mitgliedern sind nur die drei männlichen übrig geblieben, Damen gibt es nur als Gäste an den Persussions und reichlich im Background.

Während das Debüt alle möglichen Stilrichtungen zuließ – da konnte schon Crossover-Gebratze auf Folkloreeinflüsse und knallige Technosounds treffen – hat man nun versucht, das Ganze etwas kontrollierter auf Konserve zu bannen. Ja, es werden immer noch seltene Instrumente wie Txalaparta oder Txistu verwendet, und ja, die Band ist immer noch in der Lage zu wilden Stilwechseln, aber etwas geordneter bitte.

Das kann man schade finden, weil das Ungewöhnliche und Packende des Debüts hier nicht erreicht wird und der „Cave Rave“ weniger wild ausfällt als erhofft. Aber da so herrliche Sommerhits wie „You And I“ ein Grinsen ins Gesicht zaubern, die Beats von „Separator“ Anhänger des Debüts zufriedenstellen dürften und generell immer wieder feine Melodien in den Songs zu entdecken sind, behalten wir die Band auf dem Schirm. – 7 von 10 Baskenmützen (sorry)





Zum Ende jetzt noch etwas wirklich Ausgefallenes. Wie wäre es mit gewaltigen Orgelsounds? Ja, wir meinen so eine pompös gewaltige Kirchenorgel. Denn jene wird von der Schwedin Anna von Hausswolff auf „Ceremony“, ihrem zweiten Album, in beeindruckender Manier traktiert. In der Heimat ist die Dame, auch dank Supportauftritten für die wunderbare Lykke Li, schon ein bekannter Name, dies darf sich nun gern auch zu uns ausdehnen.

„Ceremony“ trifft es ziemlich gut, denn es hat schon etwas Zeremonielles, zudem passt auch der Verweis auf Joy Division, zumindest was das Morbide im Sound angeht. Musikalisch dürfen eher große Damen wie Tori Amos, Kate Bush oder Bat For Lashes herhalten. Schwere Akkorde hallen durch den Raum, gelegentlich ergänzt durch den hellen und dadurch Kontrast bietenden Gesang von Hausswolffs. Doch das ist nicht alles

Denn die Künstlerin findet den richtigen Weg zwischen Schwere und Leichtigkeit. Nach zwei großartig arrangierten Dramen zu Beginn, lockert „Mountains Crave“ plötzlich mit elektronischen Sounds und eingängiger Melodie die Stimmung auf. Und so gelingt der oft beschworene und vor allem hierzulande oft gefürchtete Spagat zwischen Kunst und Kommerz vortrefflich und beschert uns einen echten Geheimtipp. – 8 von 10 gut gestimmten Orgelpfeifen





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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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