sonlux_lanternsWir haben da noch eine ganze Menge Alben zu besprechen, bevor 2013 den Löffel abgibt. Wer also noch Geschenke sucht – heute haben wir mal wieder ein größtenteils elektronisches Päckchen geschnürt. Bitte binden Sie Ihre Schleifchen um folgende Güter:

holyghost_dynamicsIm Jahre 2010 sah der Rezensent Holy Ghost! live beim Melt! Festival und war begeistert von dem eingängigen Synthiepop mit einem ordentlichen Schlag Funk in der Hüfte. Das im Jahr darauf folgende Debütalbum hielt dieses Versprechen ein und passte obendrein perfekt ins Labelraster von DFA (LCD Soundsystem, The Juan MacLean u.v.a.).

Nun haben Alex Frankel und Nick Millhiser mit „Dynamics“ endlich ihre zweite Langspielplatte (dieses schöne Wort muss ja auch mal ausgeschrieben werden) veröffentlicht und die Kritiken sind etwas gemischt. Warum eigentlich? Wenn man die ersten beiden Stücke – „Okay“ mit seinem umwerfend eingängigen Electropop und „Dumb Disco Ideas“ mit diesem DFA-typischen lässigen Disco-Funk – gehört hat, ist man jedenfalls allerschwerst begeistert.

Nun gut, man könnte kritisieren, dass die Herren bei ihren Bemühungen, perfekte Popsongs zu schmieden, einige ihrer Kanten verloren haben. Oder dass sie sich gelegentlich im Vorführen der Möglichkeiten all der schönen Sounds aus den Maschinen (808, DX7, CS80, Jupiter 8, MS20 und wie sie alle heißen, im Booklet wird detailliert aufgelistet) verlieren. Aber am Ende steht doch trotzdem eine erstklassige Ansammlung schick glänzender elektronischer Popmomente, und das fetzt. So! – 7,5 von 10 Discokugeln





sonlux_lanternsRyan Lott ist als Komponist und Produzent ein vielbeschäftigter Mann. Das verdankt er der so rätselhaften wie hochinteressanten Soundmixtur, die er unter seinem künstlerischen Alter Ego Son Lux fabriziert. Das führte nach seinem zweiten Album, dem hochgelobten „We Are Rising“, unter anderem zu reichlich Aufträgen aus der Film- und Fernsehindustrie (er komponierte Musik für den großartigen Science-Fiction-Film „Looper“, Songs wurden in Serien wie „American Horror Story“ oder „Parks And Recreation“ verwendet), und auch die Werbung steht Schlange.

Wie das denn nun klingt? Dazu sollte man sich sein aktuelles Album „Lanterns“ in Ruhe und aufmerksam anhören. Hier führt er seinen stilistischen Weg konsequent weiter. Zwischen vielschichtigen elektronischen Sounds tauchen oft unvermittelt allerlei akustische Instrumente auf, mal vereinzelt, mal in orchestraler Stärke, seltsame Chöre schweben durch den Raum und es passiert mitunter so viel gleichzeitig, dass man fast den Überblick verliert.

Aber nur fast, denn Lott fängt die wilden Arrangements stets rechtzeitig auf, so dass man dann doch wieder den guten Song darunter erkennen kann. Dass er letztens mit Sufjan Stevens gearbeitet hat, merkt und versteht man, da haben sich genialische Brüder im Geiste gefunden. Ein Genuss für verschiedenste Anlässe und -sprüche. – 8 von 10 Blechbläsern unter Strom

P.S. Son lux live: 14.01. Berlin, 15.01. Köln, 16.01. St. Gallen





morcheeba_headMorcheeba haben den Rat befolgt, den sicherlich nicht nur wir ihnen nach dem letzten Album „Blood Like Lemonade“ (2010) gegeben hatten. Sie sind in ihrer Erfolgsbesetzung zusammen geblieben, die Godfrey-Brüder haben Skye Edwards, die Stimme der Band, nicht wieder verscheucht. Das ist auch auf ihrem neuen Album, „Head Up High“ einer der größten Trümpfe.

Die großen Erfolge der Band fielen ja mit der Spätphase der ersten großen Trip-Hop-Welle zusammen. An den großen Hits von damals wird man natürlich immer gemessen und kann eigentlich nur verlieren. Aber die Band spielt ihre Stärken aus und kümmert sich nicht weiter. Also gibt es wieder gut abgehangene, schlurfende Beats. Wobei Morcheeba stets zu den eher fröhlicheren Trip-Hop-Sounds neigten, so auch hier. Macht ja auch nix, für die düstere Tiefe sind eh andere besser geeignet (siehe u.a. auch weiter unten).

Dafür haben sie den Groove immer noch drauf, und wenn die Sounds doch mal zu altbacken wirken (denn Innovation findet man hier nun wirklich nicht), reißt es Skyes butterweiche Stimme heraus. Und die vier Tracks, bei denen diverse Gastrapper ihre Duftmarken setzen, lockern das Ganze zusätzlich auf. Gefällig. – 7 von 10 Entspannungstherapien





polica_shulamithUiuiui, das zweite Album wurde nach einer Feministin benannt. Da scheinen Poliça aber ganz hohe Ziele mit „Shulamith“ (Shulamith Firestone hieß die jüngst leider verstorbene Namensgeberin, falls Sie das mal historisch nachschlagen mögen) zu verfolgen. Mal sehen, wie das mit der ohnehin nicht unkomplexen Musik der Band um Channy Leanagh harmoniert.

Das passt schon und man bricht sich auch nicht gleich das Hirn, keine Sorge. Musikalisch wird der für zweite Alben immer recht empfehlenswerte Gang der leichten Weiterentwicklung genommen. Die Mischung aus eigenwilliger Elektronik mit Elementen aus Trip Hop und R’n’B ist sofort wiederzuerkennen, auch die absichtlich umfängliche Verwendung von Autotune auf der eigentlich auch ohne Effekte guten Stimme Leanaghs.

Nun die (leichten) Veränderungen: Die Stimme kommt doch häufiger mal natürlicher daher, die beiden Schlagzeuger drücken dem Sound ihren Stempel kräftiger auf, der Anspruch ist etwas größer geworden, die Songs sind verschlungener gebaut und (noch) weniger auf Hits ausgerichtet (und es finden sich dann doch einige), alles wirkt ein bisschen düsterer. Was bleibt, ist der eigene Stil und generell die Klasse dieser weiterhin äußerst empfehlenswerten Band. – 8,5 von 10 zensierten Albumcovern

P.S. Poliça live: 25.01. Hamburg, 27.01. Berlin, 28.01. Köln, 01.02. Lausanne, 02.02. Baden (Schweiz)





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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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