Mit seinem neuen Album „In My Blood“ hat der Kölner Dance-Produzent Sharam Jey eindrucksvoll bewiesen, das ‚Dance‘ nicht immer nach Schema 08/15 ablaufen muss, sondern durchaus interessant und innovativ klingen kann. Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und ihm ein paar Fragen zum neuen Album und seinen musikalischen Vorlieben gestellt. Was Sharam Jey so zu erzählen hat, lest selbst!

Gerade ist Dein neues Album „In My Blood“ erschienen. Was für Gefühle verbindest du mit dem Album und der Veröffentlichung?

Ich war einfach froh, als ich fertig war. Ich hatte 30 Songs mit denen ich rundum zufrieden war. Ich hatte mich überhaupt nicht davon beeinflussen lassen, welche Clubtracks gerade ‚In‘ sind, sondern habe einfach meinem Gespür vertraut. Ich denke, das gute Songs, die auf einer starken Produktion beruhen, man auch Jahre später rausbringen kann und sie sich bewähren und immer noch frisch klingen.
Ich musste diese 30 Songs dann auf 13 runterkürzen und das war auch der Punkt, wo man eventuell ein bisschen Sorge hat, dass man die richtigen Tracks nimmt und nicht vielleicht doch den anderen hätte dabei lassen sollen. Aber ich denke schon, dass das jetzt die perfekte Auswahl ist.
Wenn das ganze dann veröffentlicht ist, ist man einfach froh und gespannt wo es dann mit den Songs hingeht.

Dir ist es stets wichtig, Genregrenzen zu überschreiten und nicht einseitig zu klingen – was man auf dem neuen Album auch deutlich heraushört. Was inspiriert dich und beeinflusst Deine Produktionen?

Für mich war es immer wichtig, die unterschiedlichsten Stile, vor allem mit denen ich in den 80ern groß geworden bin, als Inspiration zu verstehen. Damals gab es großartige Popmusik, Rock und Hip-Hop, eletronische Musik war neu und innovativ. Diese Musik begeistert mich noch immer und ich finde, dass sie genauso frisch klingt wie damals. Deshalb war für mich schnell klar, dass ich ein Album machen möchte, dass all diese Styles integriert und es sich auch anhören sollte wie ein Album und nicht wie eine Mix-Compilation, es sollte song-orientiert sein.
Ich habe in den letzen 15 Jahren über 100 Releases, Mixe und DJ-Tools veröffentlicht und ich wollte in dieses Album meine ganze musikalische Erfahrung mit einfließen lassen. Ich verstehe „In My Blood“ wie eine Visitenkarte: Leute sollen das Album hören und denken „Das ist er, das macht er“.
In dieses, meinem 2. Album, habe ich wirklich auch ein ganzes Stück Arbeit reingesteckt. Aber es hat natürlich auch wahnsinnig viel Freude und Spaß gemacht und den sollte man immer haben bei dem was man tut, dann kommt eigentlich alles andere von alleine.
Inspirieren lass ich mich von allem. Sei es von Orten auf Reisen, von Menschen, Sounds oder von meiner Inspirationskiste, meinem Rechner. In dem alte Ideen schlummern. Für dieses Album z.B. habe ich endlich einen Song fertig gestellt, den ich vor 10 Jahren angefangen habe.

Würdest Du sagen, dass bei Dir in der Zeitspanne zwischen älteren Tracks bin hin zu „In My Blood“ eine deutliche Entwicklung stattgefunden hat? Spielt da nur die musikalische oder auch private Ebene eine Rolle?

Natürlich entwickelt man sich als Künstler auf beiden Ebenen weiter, oder sollte es zumindest. Davon lebt doch jegliche Kreativität, sei es als Künstler, Designer oder eben Musiker. Ich persönlich sehe diese Entwicklung in den 4 Jahren nach meinem ersten Album auch darin, dass zu diesem Projekt so viele talentierte Musiker ihren Beitrag geleistet haben, denen ich im Großen und Ganzen ihre Freiheiten gelassen und nur den umfassenden Rahmen vorgegeben habe.
Und es ist ein tolles Gefühl nach so vielen Jahren immer noch diese Begeisterung für das zu spüren was man tut. Und man auch stolz ist auf das Resultat.

Auf Deinem neuen Album sind einige namhafte Feature Gäste zu hören. Wer ist dabei und wie hat sich das angebahnt?

Ursprünglich war die Idee genau konträr: ein Album mit weniger Gästen. Aber dann habe ich zu so vielen Künstlern Kontakt gehabt, wie Nik Valentino von der australischen Indieband Lost Valentinos, die gerade das Album of the year 2009 in ihrer Heimat abgeliefert habe. Die hatte ich auf der Tour kennen gelernt und das Management hatte mich angesprochen, ob ich deren Album produzieren wolle. Da habe ich aber dann abgelehnt, da ich von dem Sound der Band so begeistert war, dass ich dachte, die kann ich durch keine elektronischen Sounds besser machen.
Aber dadurch kam die Zusammenarbeit zustande. Bei Princess Superstar war es so, dass wir uns immer wieder beim Auflegen trafen und sie mir irgendwann sagte wie toll sie den Track „Monday Morning“, der damals schon als instrumentale Clubversion draußen war, findet. Sie hatte die Idee Vocals drauf zu packen. Mit Tommie Sunshine habe ich eigentlich die letzten 2-3 Jahre immer wieder über eine Kollaboration gesprochen. Als er dann mit der Idee kam einen Sog zu singen, war ich erst etwas skeptisch. Aber das Resultat hat mich mehr als überzeugt. Und Cornelia habe ich durch MySpace kennen gelernt. Wir haben uns dann bei einem Rock-Festival in Schweden, wo sie als Journalistin unterwegs war und ich aufgelegt habe, richtig kennen gelernt. Da war ich der einzige DJ unter Rockbands wie The Strokes oder Babyshambles.

Welcher Track ist dein persönlicher Favorit auf dem Album?

Ich muss sagen, dass ich mich schon so intensiv mit den Songs beschäftigt habe, vor allem weil ich aus 30 fertigen 13 auswählen musste, dass es schwer ist objektiv zu sein. Diese Auswahl war wirklich hart, da ich alle Songs sehr mochte. Wenn ich zwei herausstellen sollte, dann würde ich mich wohl zum einen für den Titelsong „In My Blood“ entscheiden, da er die Stimmung und das Feeling des Albums ganz gut rüber bringt und zum andern für „Dear Valentine“, ein Track der sehr melodiös ist und doch treibend nach vorne geht. Aber auch die nächste Single „Hearts Of Stone“ liegt mir sehr am Herzen, ein düsterer, treibender Song.

Deiner Bio kann man entnehmen, dass Du in einer Rockband die ersten musikalischen Anfänge hattest und Dich dann immer mehr für die deutsche House und Techno Szene begeistert hast. Wie kam es dazu?

Das stimmt, ich habe mich bereits in jungen Jahren fürs Musikmachen interessiert, so mit 13-14. Dann war ich in einer Band. Dort habe ich mich als Sänger und Songwriter versucht und nebenbei angefangen mich mit elektronischer Musik zu befassen, das war die Musik, die die 80er geprägt hat. Dann habe ich mich durch Zufall als DJ versucht, weil ich immer dachte das kann ich besser als die da. Dann Ende der 80er kam die House Music und die hat mich total gepackt. Und dann habe ich mich ganz dem Djing verschrieben.

Wie beschreibst Du Deinen musikalischen Style?

Ganz einfach; da ich mit Musik der 80er großgeworden bin, ist meine Musik auch durchzogen mit Einflüssen dieser Ära. Außerdem würde ich meinen Stil als elektronisch tanzbar beschreiben, der die Leute in Bewegung bringt.

Wie schätzt du die aktuelle Situation der elektronischen Musik in Deutschland ein?

Hm, nur für Deutschland finde ich das schwer zu sagen, da ich doch größtenteils im Ausland unterwegs bin und auflege. Jetzt für die neue Tour haben wir aber auch ne Menge Gigs hier anvisiert. Was mir allerdings aufgefallen war, ist das man hierzulande doch eine ganz Zeit sehr auf diesen Minimal-Sound fixiert war. Egal wo man hinkam, es wurde die gleiche Musik und dieselben Platten gespielt. Es ist schön, dass hier langsam auch eher schön groovende Tracks mit netter Melodielinie Anklang finden. Ich denke, das die Leute doch einfach Spaß und Party haben wollen und das mit einem variantenreicheren Sound einfach besser klappt. Außerdem ist Wandel immer gut.

Was steht 2010 außer der Albumveröffentlichung noch alles bei Dir an?

Auch hier muss ich sagen, dass 2010 von dem Album bestimmt sein wird. Und von den Singles daraus. Und wie gesagt wird ein Großteil der Zeit aufs Touren entfallen. Zusätzlich arbeite ich zur Zeit an 2 neuen Projekten, die noch bandlastiger sein werden. Da wird aber noch nichts Näheres verraten.

„Sharam Jey – In My Blood“ bestellen bei:

bestellen bei amazon

www.myspace.com/sharamjey

Zur Startseite

Der Kommentarbereich ist zurzeit geschlossen.