Über neue Sounds, die zerstörerische Menschheit und wildgewordene Bässe

Foto: J. Konrad Schmidt
Foto: J. Konrad Schmidt

Heute erscheint „Wilderness“, das dritte Album der Hundreds. (Spoileralarm: Unser nächstes Album des Monats!) Sängerin Eva Milner gab uns vorab ein ausführliches Interview. Ihr Lieblingsalbum von Depeche Mode ist übrigens „Ultra“. Das kommt vom vielen Trip Hop.

depechemode.de: Wie geht’s euch, so kurz vor Albumveröffentlichung?

Eva: Ich bin froh, wenn wir dann auf Tour sind. Dann ist alles erledigt, was jetzt noch so unsichere Variablen sind. Wie das Bühnenkonzept, das gerade gebaut wird – diese ganzen Sachen, wo noch etwas schief gehen könnte. Das Album ist fertig, ich freue mich sehr darüber und bin total gespannt, wie es ankommt.

Ihr habt ja auch durchaus ein bisschen was verändert am Sound.

Ja, auf jeden Fall.

Zum letzten Album, sagte Philipp [Milner, Evas Bruder und die andere Hälfte der Hundreds, Anm. d. Red.] im Interview, war die Vorgabe, Songs zu schreiben, die erstmal nur mit Stimme und Harmonien funktionieren. Und sein Plan fürs nächste Album wäre, dann einmal mit den Klangideen die Songs zu bezwingen. Seid ihr bei diesem Plan geblieben, oder hat sich das zwischenzeitlich wieder geändert?

Das trifft es schon ganz gut. Wir sind von der Tour wiedergekommen und hatten uns überlegt, etwas Neues zu probieren. Wir haben schon den Anspruch an uns, dass wir uns mit jedem Album verändern wollen. Das machen auch viele meiner Lieblingskünstler. So bleibt man auch für sich selbst spannend. Und dann hatten wir uns überlegt, unsere zwei Sets, also das Akustik-Set (wobei da ja auch Synthies dabei sind) und das Electro-Set zu vereinen. Das hat jetzt nicht so ganz geklappt, wir sind eher noch weiter in die elektronische Richtung abgerutscht, aber das hat sich so entwickelt. Wir haben am Anfang beschlossen, dass wir erstmal einfach reinhauen wollen. Große Beats bauen, und uns auch so ein bisschen von dieser klassischen Popstruktur – also Strophe, Refrain, Bridge usw. – verabschieden. Wir wollten uns einfach mal führen lassen, wo die Melodie so hinwill, und wenn sie sich nicht wiederholt, ist es auch gut. So sind die ersten Songs entstanden. Der erste Song war „Wilderness“, und der ist ja genau das: Baut sich auf, ist sehr düster… Es ist jetzt auch kein Gute-Laune-Album geworden, aber das finde ich nicht schlimm, ich kriege da keine Beklemmungen oder so.

Das ist auch gut so.

Und dann haben wir das wirklich ausgereizt und so collagenartig gearbeitet. Es gibt zum Beispiel drei Songs, die eine Trilogie bilden. Musikalisch, nicht thematisch. „What Remains“ geht über in „Black Sea“, und das geht über in „Spotless“ – das ist immer die gleiche Klavierline. So etwas haben wir eben auch mal ausprobiert, und das finde ich total super, was da trotz der gleichen Line für unterschiedliche Songs herausgekommen sind.

Das Ziel, die Songstrukturen aufzubrechen – seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn es hier und da vielleicht woandershin geführt hat?

Auf jeden Fall. Wir sind sehr zufrieden, aber wir haben auch irgendwann gemerkt: Jetzt ist es auch mal gut, sonst überfordern wir alle komplett. Man will ja auch nicht nur solche Sphären schaffen, sondern wir mögen ja auch Pop und große Refrains. So haben wir dann am Ende das gemacht, was beim letzten Album am Anfang stand. Da waren die Popsongs am Anfang fertig, und später kam dann „Rabbits On The Roof“ und so etwas. Aber gerade vom Sound her, wie viele Synthies, Vocoder und so weiter wir da verwendet haben – das ist schon relativ neu für uns. Philipp ist ein großer Frickler, aber da hat er sich jetzt mal so richtig ausgetobt.

Jetzt fügt sich das alles ins Bild. Eurer Aussage, dass das neue Album sperriger ist, hätte ich ansonsten zum Teil widersprochen, denn das Album ist zwar anders und hat enorm vielseitige und unterschiedliche Sounds, aber letztendlich ist es dann doch auch recht zugänglich. Meine Frau meinte zum Beispiel beim ersten Hören: „Na wo ist denn jetzt das Sperrige?“

Das ist witzig. Ich hatte so ein paar Reaktionen auf „Wilderness“, der Song war ja als erster fertig, und da meinten die Leute schon so: „Uff, so gut geht es mir jetzt aber nicht danach.“

Es wird womöglich sehr unterschiedlich aufgefasst werden.

Genau. Für uns ist das Ergebnis komplett stimmig. Auch das Artwork und alles hat dann super gepasst.

Am auffälligsten bei den Sounds sind für mich – neben den ganzen elektronischen Elementen – die Drums. Die spielten auf den ersten beiden Alben ja nur vereinzelt („Our Past“) eine Rolle, sind jetzt aber sehr markant. War das so beabsichtigt, und hängt das auch damit zusammen, dass ihr mittlerweile immer einen Drummer dabei habt?

Ja, das war tatsächlich so geplant. Weil wir beim Schreiben dieses Mal mehr ans Livespielen gedacht haben. Der Beat sollte groß sein, das sollte live großartig klingen. Wir haben auch viel dickere Bässe dabei. Ich hoffe, dass das auf den Konzerten nicht zu grenzwertig wird [lacht], das muss unser Mischer dann irgendwie hinkriegen. Das war uns total wichtig, so: „Wir blasen jetzt mal alle um!“

Ja, den kräftigen Bassdruck merkt man, vor allem auch unter Kopfhörern.

Es ist sehr dynamisch geworden. Wir haben auch wirklich Volumefahrten innerhalb der Songs. Das ist in der heutigen Zeit relativ ungewöhnlich, weil viele ja diesen superkomprimierten Sound haben, der gleiche Soundbalken von vorne bis hinten, der Sänger schreit dich an, und alles ist auf dem selben Level. „What Remains“ fängt zum Beispiel nur mit der Klavierline an und wird dann nach hinten immer größer, und du musst dann tatsächlich auch ein bisschen mitregeln. Man hat als Hörer also auch etwas zu tun [kichert].

Der Hörer muss ja auch gefordert werden. Euer Co-Produzent ist Jochen Naaf. Mit dem hattet ihr „Our Past“ produziert – seid ihr dabei auf die Idee gekommen, dieses Mal das ganze Album mit ihm zu machen?

Er ist nicht bei jedem Song der Co-Produzent, sondern nur bei, ich glaube, drei Songs. Er hat aber darüber hinaus alle Songs gemischt. Er ist vor allem ein fantastischer Mischer! Und bei ein paar Songs, wo wir nicht mehr weiter wussten, haben wir ihn als Produzenten dazu genommen. Es war gut zu wissen, dass da jemand ist, dem wir vertrauen können, der ein gutes Ohr hat. Es ist ja schwierig, wenn man so einen Hitproduzenten an Hundreds-Songs setzt, aber er hat uns verstanden.

Gab es noch weitere Zusammenarbeiten?

Ich habe mit einem guten Freund getextet. Der hat Englisch studiert, wir hören sehr ähnliche Musik und kennen uns total lange. Er weiß genau, wie meine Gedankenwelt funktioniert. Ich hatte Lust darauf, die Texte ein bisschen zu öffnen oder auch mal neue Worte einfließen zu lassen. Ich bin ja kein native speaker, für manches habe ich dann eben kein oder nur ein Wort auf Englisch – und er hat dann eben noch sieben weitere. Und Philipp hat sich auch bei einem Freund Hilfe geholt, bei Julius Trautvetter, der ist Pianist. Der hat an „Un-Unify“ mitgeschrieben. Insofern haben wir uns schon ein wenig geöffnet, aber geschrieben und produziert haben wir den Löwenanteil schon selbst.

Das Thema Wald – woher kommt da die Faszination?

Der Wald war gar nicht so sehr Thema dieses Mal, eher bei „Aftermath“. Das grundlegende Thema, was mich schon sehr lange beschäftigt – was sehr schwierig ist, weil es sehr platt daherkommen kann, aber ich hatte das Gefühl, es muss jetzt raus, dann bin ich es auch mal los – ist, dass der Mensch ein Wesen ist, das sich selber abschafft oder sich selber die Lebensgrundlage entzieht. Was irgendwie sehr doof ist. Wie lebensfeindlich wir unsere Umwelt gestalten und zerstören. Die Verwunderung darüber habe ich versucht einzufangen. Es ist jetzt nicht der Rote Faden, es gibt ein paar Songs wie „Wilderness“ und „What Remains“, die sich damit beschäftigen. Es gibt auch persönliche Songs, aber es geht eben nicht nur um mein Innenleben wie auf den beiden Alben davor.

Bei „What Remains“ ist der Text auch sehr dunkel, nicht wirklich optimistisch. Es steckt zwar schon noch irgendwo ein Hoffnungsschimmer drin, aber er kommt schon mit einer recht harten Grundaussage daher.

Genau. Im Prinzip ist es aus der Sicht von Mutter Natur, die zur Menschheit sagt: „Also ich habe echt schon schlimmere Sachen als euch überlebt.“ Es gibt da diesen Cartoon, wo ein Planet den anderen trifft und zu ihm sagt: „Du siehst echt nicht gut aus, was hast du denn?“ – „Ich habe Mensch.“ – „Oh, hatte ich auch schon. Geht aber vorbei.“ Aus diesem Blickwinkel ist das. Weil wir uns selber auch so wichtig nehmen und dabei alles kaputt machen. Völlig irre.

Das Haus, das ihr im Wendland bezogen habt und wo ihr auch aufgenommen habt – seid ihr beide gleichzeitig auf die Idee mit der Stadtflucht gekommen?

Nee, das war Philipp, der hatte irgendwann die Nase voll von Hamburg. Das lag aber jetzt nicht unbedingt an Hamburg, sondern ihm hat einfach die Stadt gereicht. Ich hatte immer mal so Tendenzen, aber das hatte nie dazu gereicht wegzuziehen. Bei „Aftermath“ bin ich gependelt, unter der Woche war ich mit Philipp im Studio und am Wochenende zu Hause in Hamburg. Philipp und seine Familie haben dort erst zur Miete gewohnt, und dann haben sie sich einen alten Hof gekauft, da ist sehr viel Platz. Und dann haben wir angefangen, am Album zu arbeiten, ich hatte meine Wohnung in Hamburg untervermietet und habe irgendwann gedacht, ach, ist doch eigentlich ganz schön hier. Hier kann man auch intensiver arbeiten, da bleibe ich mal hier. Dass dann am Ende daraus zwei Jahre geworden sind… mittlerweile habe ich meine Wohnung gekündigt. Ich werde dort jetzt nicht dauerhaft wohnen, aber fürs Album war es perfekt. Es ist ein sehr schöner alter Hof, mit einem großen Garten und alten Apfel- und Walnussbäumen und ganz viel Platz für jegliches Garten- oder Studiogerät. Es ist eben auch das Problem, dass das in Hamburg nicht möglich ist, es sei denn, du bist richtig, richtig reich. Das ist auch schade, denn die Stadt hat ja auch eine inspirierende Wirkung.

Ja, Berlin entwickelt sich auch in diese Richtung. Es geht dahin, dass die Künstler aus den Städten verdrängt werden.

Alleine schon Wohnung plus Proberaum sind kaum noch zu stemmen.

Und die Verdienste der Künstler heutzutage sind ja auch problematisch. Wie steht ihr in dem Zusammenhang zum Thema Streaming?

Es führt halt kein Weg dran vorbei. Der Kuchen ist gegessen.

Man muss es halt mitmachen.

Ja, wir machen da jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Spotify. Es bringt halt auch total viel, wenn du in solchen Playlisten unterkommst. Es ist einfach die Zukunft bzw. die Gegenwart, und da haben eben auch viele einfach geschlafen, als das aufkam. Allein von den Plattenverkäufen zwischen 2010 und 2014 hat man gemerkt, aha, in der Zwischenzeit kam Spotify. Mal sehen, wo das hinführt.

Es gibt ja eigentlich auch nur ein paar große Namen, die das verweigern.

Ja, Thom Yorke zum Beispiel. Aber das musst du dir eben auch leisten können.

Nun zum Thema Sound des Albums. Ich hatte das Gefühl, dass ihr hier und da auch die Stimme bearbeitet habt. Bei „Wilderness“ zum Beispiel…

Da bin ich ein Chor, mehrmals eingesungen und übereinander gelegt.

Ganz eindeutig ist es dann bei „Unfolded“.

Ganz klar, das ist ein Vocoder.

Der Track fällt ja auch ein bisschen raus, in die experimentelle Ecke des Albums.

[lacht] Ja, auf jeden Fall. Wir hatten schon jahrelang die Idee, das mal zu machen, haben aber nie den passenden Vocoder gefunden, der dann auch live funktioniert. Wenn du es auf dem Album hast, willst du das natürlich auch live machen, aber die Dinger sind so empfindlich, wenn es dann laut wird. Jetzt haben wir aber den Richtigen gefunden. Wir haben das ausprobiert, und Philipp hat total gefeiert. Ich habe lange gezweifelt, als Sängerin denkt man ja dann so: „Hm, man erkennt meine Stimme ja gar nicht mehr!“ Aber am Ende hatten wir superviel Spaß an dem Song, weil er so verrückt ist. Live ist es jetzt so, dass ich ihn normal singe, und Philipp macht den Vocoderpart und begleitet mich singend hintendran.

Bei diesem und noch mindestens zwei weiteren Songs ist mir aufgefallen, was beim letzten Album schon vereinzelt zu hören war: die Songübergänge. Sehr markant und auch fließend. Von „Un-Unify“ zu „Unfolded“, später von „Black Sea“ zu „Spotless“ und am Albumende. Hattet ihr die Tracklist schon vorher im Kopf?

Ja. Die ersten feststehenden Stücke waren da die drei vorhin schon erwähnten, die auf einer Line basierten. Das fanden wir dann gut und haben das bei einigen anderen Songs auch noch hingekriegt. Und so kam die Tracklist dann zustande.

Beim letzten Album sagte Philipp nämlich noch, dass das Management so ein bisschen die Tracklist vorgeschlagen hatte.

Ja, stimmt.

Dieses Mal habt ihr das alles selbst bestimmt.

Genau.

Es gibt ja noch zwei weitere Tracks auf der Deluxe Version, plus Remixe. Sind noch mehr Stücke übrig geblieben?

Auf jeden Fall. Dieses Mal ist Einiges übrig geblieben. Wir haben wirklich viel geschrieben. Letztes Mal waren es genau die Songs und nicht mehr, dieses Mal war der Output größer. Die Bonustracks… „Give In Get Out“ ist jetzt einfach nur ein Instrumental, den machen wir aber bestimmt noch mal [weiter], den finden wir total schön. Und „State Of Luck“ ist so ein Entwurf, nur Klavier und Stimme. Superschön, aber wirklich nur ganz roh. So zwei, drei gute Stücke sind noch übrig, mal sehen, was wir mit denen noch machen.

Habt ihr die Remixer ausgewählt oder kamen da Anfragen?

Mit Robot Koch wollten wir schon lange was machen. Den habe ich vor drei Jahren in Los Angeles auf einer Dachterrasse getroffen…

Wie das so ist.

[lacht] Da haben wir auf einem Festival gespielt, und da war so eine Party von einem Verlag. Er ist ja auch Deutscher, wir haben uns unterhalten und gegenseitig ein bisschen gelobt, so kam das zustande. Foxos finde ich großartig, der kommt aus Hannover und studiert gerade in London an dieser Schule, wo auch James Blake war. Der ist ein unfassbarer Sänger und toller Songwriter, aus dem wird noch etwas Großes werden. Mit dem haben wir an seiner Uni so einen Workshop gemacht. Florian, unser Schlagzeuger, hat noch einen Remix gemacht, der ist sehr gut geworden. Der von den Vacation Boys ist auch gut – die kannten wir aber vorher nicht, das kam übers Label. Und es kommen in den nächsten Monaten noch einige Remixe – auch von großen Namen –, die ich jetzt aber noch nicht verraten möchte.

Zur Live-Umsetzung: Du sagtest ja schon, dass ihr so eine Mischung aus dem akustischeren Ansatz der „Tame The Noise“-Konzerte und der electropoppigen Seite finden wolltet. Wo wird es auf der Tour hingehen?

Es wird auf jeden Fall sehr nach vorne gehen, sehr brachial. Heftige Bässe, dicke Beats. Es wird auch neue Visuals und ein neues Lichtkonzept geben. Wir haben uns jetzt nicht unbedingt von den Bühnen her vergrößert, aber haben eben geschaut, dass wir auch hier etwas Neues einbinden. Und in unserer Klasse kannst du eben noch nicht damit anfangen mit Sachen wie „Der Schlagzeuger dreht sich auf dem Kopf“ oder solchen Effekten [lacht]. Wobei ich das schon schön finden würde, irgendwann mal so viel Geld zu verdienen, dass wir eine richtig dicke Show auf die Bühne stellen könnten. Aber da sind wir noch ein bisschen von entfernt.

Wir drücken die Daumen. Nochmal zu ein paar einzelnen Songs auf dem Album. Es gibt da so drei, vier Singlekandidaten. Der erste, der einen anspringt, ist „Spotless“. Der ist ja – wie sage ich das jetzt, ohne dass es falsch rüberkommt – hart an der Grenze zur Massentauglichkeit.

Dann warte auf das Video! Das ist sehr, sehr gut geworden [kichert]. Aber ja, das stimmt. Wir haben mit dem Song ganz lange gekämpft, er wollte aber diesen Refrain haben. Wir haben fünf Monate lang ungefähr 20 verschiedene Refrains ausprobiert. Das hat alles nicht geklappt, er wollte genau diesen – es war der allererste – Refrain. Hart an der Grenze zur Massentauglichkeit, da hast du Recht, aber ich glaube, er wird doch auf keinem Sender gespielt werden. Die spielen so was nicht, dafür ist der Text auch zu strange. Aber wir hatten total viel Spaß an dem Song, das ist ja auch eine Seite von uns, siehe „Happy Virus“.

Das war ja auch keineswegs negativ gemeint. Ein anderer Singlekandidat wäre für mich „Un-Unify“.

Das wird die zweite Single.

Na also. Da ragen ja wieder so ein wenig die Drums heraus, der ist so getrieben.

Stimmt. Der hieß auch ganz lange „Wildgewordene Bass-Station“. Da gab es auch ungefähr 80 Versionen, du siehst, mit den Singles haben wir uns dieses Mal schwer getan. Aber es waren immer dieser Beat und diese Bassline drunter. Ich freue mich auch sehr darauf, den live zu spielen.

Bei „Bearer & Dancer“ – technische Frage – sind das Samples oder Streicher?

Wir haben mit einer Cellistin die Sounds aufgenommen. Alle Streicher auf dem Album sind echte Streicher. Einmal Bratsche und einmal Cello.

Der Song „Wilderness“ erinnert so ein bisschen an The Knife.

Ja? Das kann gut sein. Wir sind große Fans von The Knife. Deren letztes Album habe ich jetzt nicht mehr so viel gehört (Philipp, glaube ich, auch nicht). Ich habe es zwar gekauft, aber die davor fand ich stärker. Ich war auch auf der Liveshow und dachte, was passiert denn hier? Machen die das jetzt wirklich? Die Reaktionen im Publikum waren auch spannend. Ich war die erste halbe Stunde wirklich enttäuscht. Ich habe (wie die meisten Leute bestimmt) so eine Liste an Bands, die ich unbedingt mal live gesehen haben muss…

Deswegen kann ich heute Abend auch nicht zu euch [Hundreds gaben am 18.10. ein Warmup-Konzert im Berliner Fluxbau], sondern muss unbedingt zu der Band auf der anderen Flussseite.

Zu The Cure? Klar, verstehe ich völlig, da wäre ich sonst auch. Die stehen auch auf meiner Liste. Ich wollte also The Knife live spielen und auch singen sehen, und dann war das da so ein Verwirrspiel. Die erste halbe Stunde war ich also echt angepisst und dachte, ich gehe jetzt. Doch dann habe ich mich drauf eingelassen, dachte, okay, die tanzen cool und die Lichtshow ist geil. Und am Ende war ich total dabei. Ich habe mir dann am nächsten Tag die Facebook-Kommentare angeguckt, und die Leute haben sich ja sooo aufgeregt.

Wie reagiert ihr so auf Facebook-Kommentare, ihr bekommt ja vielleicht auch hier und da mal ein paar unfreundliche?

Eigentlich eher nicht. Wir haben letztes Jahr eine Kampagne von „Pro Asyl“ unterstützt. Da gab es das einzige Mal so etwas wie… „Ihr dreckigen Pornoschlampen“ oder so ähnlich, aber da ist ja dann auch klar, wo es herkommt. Das war es aber auch. Ich glaube, je politischer man sich äußert, desto mehr Potential hat es. Und auch, je mehr Jugendkultur du ansprichst. Bei Casper auf der Seite sind bestimmt mehr solche Sachen los. Ist aber auch nicht schlimm. Wir haben ja eher so ein gemischtes Publikum, von 20 bis 60 ist da alles dabei. Viele davon haben auch gar kein Facebook, denke ich.

Zurück zu den Einflüssen: Wer sind so diese bewussten Bands?

The Knife, wie erwähnt. Und dann so die üblichen Verdächtigen wie Björk, Radiohead, The Notwist. Im Moment tatsächlich auch Kanye West. Nicht von den Texten her, aber die Sounds sind schon großartig. Ich weiß nicht, inwieweit er die selber macht oder ob er da ein geiles Team am Start hat, aber das ist einfach innovativ und spannend. Ich bin auch totaler Moderat-Fan. Letztes Jahr haben wir Tame Impala abgefeiert, auch die Videos. Eine sehr spannende Band. Auch an der Grenze zur Massentauglichkeit, aber noch nicht ganz. Schöne, dichte Sounds, schönes Songwriting, schöne Stimme. Und bei mir kommt von früher noch das ganze Trip-Hop-Zeug dazu, also Portishead, Lamb, Massive Attack.

Die Trip-Hop-Einflüsse hört man aber dieses Mal eher nicht so heraus. Die Beats an sich sind zwar sehr massiv und gehen im weitesten Sinne in diese Richtung, aber auf dem letzten Album gab es noch mindestens zwei Songs, die auch wirklich Trip Hop waren.

Genau, die haben wir dieses Mal nicht dabei. Vielleicht ist es ja „New Trip Hop“ [grinst].

Die letzte Frage, die ich normalerweise stelle, ist die Tourbusfrage. Also was bei euch da gerade so im Player rotiert.

Nix. Wir sind eher nachts mit dem Tourbus unterwegs, und da schlafen wir. Wir sind auf Tour tatsächlich eine sehr ruhige Band. Was wir uns um die Ohren pusten werden, sind unsere Vorbands. Wir haben coole Vorbands dabei. Einmal eine Band von unserem vorigen Label Sinnbus, die heißen Odd Beholder und kommen aus der Schweiz.

Da habe ich gerade die EP gehört [die Band stellen wir euch in Kürze näher vor].

Dieser eine Song, „Landscape Escape“, der ist so gut! Dann haben wir von unserem jetzigen Label das Duo Keøma dabei.

Ah, sehr gut. Kat Frankie hat eine sensationelle Stimme.

Unfassbar! Und dann noch ein befreundeter Musiker aus dem Analogsoul-Kollektiv aus Leipzig, der heißt Arpen. Auch sehr hörenswert, der hat gerade ein Album rausgebracht. Sehr ungewöhnlich, kannst ja mal reinhören.

Vielen Dank für das Gespräch!

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P.S. Die Tourdaten:
04.11.2016 Leipzig | UT Connewitz (ausverkauft)
05.11.2016 Rostock | Peter Weiss Haus
07.11.2016 Hannover | Kulturzentrum Faust
08.11.2016 Köln | Stadtgarten
09.11.2016 München | Ampere
10.11.2016 Stuttgart | Im Wizemann
11.11.2016 CH-Zürich | Papiersaal
12.11.2016 Frankfurt | Zoom
14.11.2016 Dresden | Beatpol
15.11.2016 Berlin | Columbia Theater (ausverkauft)
16.11.2016 Hamburg | Grünspan
17.11.2016 Bremen | Lagerhaus
22.03.2017 Berlin | Astra
24.03.2017 Leipzig | Täubchenthal

www.hundredsmusic.com
www.facebook.com/hundredsmusic

Fotocredit: J. Konrad Schmidt

Letzte Aktualisierung: 20.11.2016 (c) depechemode.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. 21.11.2016 - 15:36 Uhr

    15.3.17 Freiburg, Jazzhaus

    …..fehlt. :-)
    Da geh ICH nämlich hin.
    Yeah.

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