hooverphonic_lsd Die Belgier von Hooverphonic gibt es nun auch schon seit 13 Jahren. In ihrem Heimatland sind sie Stars, im Rest der Welt eher ein ewiger Underground-Tipp von Leuten mit einem guten Musikgeschmack. Vielen unserer Leser sind sie vielleicht am ehesten durch ihre tolle Coverversion von „Shake The Disease“ aus dem Jahre 1998 bekannt. Jetzt, kurz vor dem weltweit gespannt erwarteten neuen Portishead-Album, darf auch der Vergleich mit jenen, Massive Attack und Moloko nicht fehlen, denn Hooverphonic galten zumindest anfangs als ein weiterer Vertreter der TripHop-Welle. Und der gemeine Fußballfan erinnert sich möglicherweise an den Song zur Fußball-EM 2000. Doch was gibt’s Neues?

Nun, endlich ein neues Album. Nach der 2006er Best Of, die Einsteigern vorbehaltlos zu empfehlen ist, heißt es in 2008 recht rätselhaft: „The President Of The LSD Golf Club„. Gründer und Bandchef Alex Callier hat alle Songs geschrieben und produziert und steuert auch einen kleinen Teil der Vocals bei, die ansonsten wieder überwiegend von der wunderbaren Stimme Geike Arnaerts gesungen werden. Vom frühen TripHop ist nichts mehr zu spüren, mittlerweile hat man sich eher zu einer ganz eigenen Interpretation von Popmusik hinentwickelt, die zudem einen charmanten Sixties-Einschlag erkennen lässt. Das ist auch an der überaus organischen Instrumentierung abzulesen: Gitarre, Bass, Schlagzeug – klar, dazu aber Piano, Rhodes, Mellotron, Harpsichord, Farfisa etc.. Ein gutes altes Moog sorgt für die feinen elektronischen Spritzer dazwischen.

Die Songs schweben allesamt irgendwie entspannt dahin, hin und wieder mit einer Spur Melancholie versehen, aber doch meist eher optimistisch, was insbesondere durch die wandlungsfähige, wunderbare Stimme von Geike Arnaert erreicht wird. Gleich der Opener „Stranger“ – mit einem tollen Piano – gibt das Tempo vor, das sich überwiegend im mittleren Bereich bewegt. Während „50 Watt“ an lässiges europäisches Kino der 60er und frühen 70er Jahre erinnert, rockt die Single „Expedition Impossible“ dann etwas mehr voran, mit Orgel und Handclaps. Es folgt das getragene „Circles„, das in der Strophe traurig klingt, mit dem Refrain dann aber gleich wieder Hoffnung spendet und zum Ende hin immer mehr Kraft schöpft. Eine tatsächlich radiotaugliche Single beschließt die erste Hälfte, das streicherveredelte „Gentle Storm“ hat mit seiner Ohrwurmmelodie das Zeug zum Hit.

Danach wird es chilliger, die nächsten beiden Stücke klingen wieder eher „alt“ (oder retro, aber eben weit vor den 80ern), bevor einem das epische „Black Marble Tiles“ fast das Herz bricht. Erwähnte ich schon die wunderbare Stimme von Geike Arnaert? Ja? Aber nur einmal pro Absatz, oder? Dann erneut ein soundtrackartiger Song, und wir sind beim Schlusssong angelangt. „Bohemian Laughter“ bietet neben spukigen Hintergrundsounds noch einmal etwas mehr modernen Rock.

Wer der Präsident des LSD Golfclubs ist, wurde (noch) nicht herausgefunden, aber das macht nichts. Dafür steht fest, dass Hooverphonic ein ausgezeichnetes neues Album vorgelegt haben, einfallsreiche, organische, intelligente Popmusik. Könnte sich ruhig auch außerhalb Belgiens mehr herumsprechen. Und dann wäre da noch die wunderbare Stimme… Ist ja schon gut!

(Addison)

Hooverphonic live: 08.05. Berlin – 14.05. Wien – 15.05. Salzburg – 16.05. Innsbruck – 22.05. Zürich – 24.05. Lausanne – 25.05. Köln

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www.hooverphonic.com

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Thom
    1
    12.4.2008 - 16:53 Uhr

    Tolles Album…