hercules The Return of Disco. Mal wieder und mit gehörigem House-Einschlag, aber so gut wie nie zuvor. Ein 29-jähriger New Yorker schart befreundete Künstler um sich, gewinnt mit DFA (LCD Soundsystem) eines der derzeit weltweit innovativsten Labels und feiert auf seinem Debütalbum eine hedonistisch-melancholische Party, die ihresgleichen sucht.

Andrew Butler heißt das späte Wunderkind. Die erwähnten Freunde sind Tim Goldsworthy (eben von DFA), Nomi (Sängerin und Performerin und offensichtliche Anhängerin des großen Künstlers Klaus Nomi), Kim Ann (singende House-DJane) und insbesondere Antony Hegarty, die unvergleichliche Stimme von Antony & The Johnsons. Dazu gesellen sich bei den Aufnahmen noch ein Häuflein Musiker, die die reichhaltige Instrumentierung ergänzen. So tummeln sich neben den jedoch eindeutig dominierenden Keyboards nun Gitarren, Bläser, Streicher, Drums und andere Perkussionsinstrumente. Das alles ergibt zusammen eine Platte, die auf der einen Seite vor Referenzen an goldene Zeiten von Disco und House strotzt, die aber andererseits einen eigenen und sehr einfallsreichen Stil hat. Warme elektronische Musik mit ganz viel Herz und Seele.

Was – neben den starken Songs – natürlich zu guten Teilen den tollen Vokalisten zu verdanken ist. Vor allem Antony, der vier Songs seine Stimme leiht (plus einmal Backgroundgesang), drückt den Stücken mit seiner beeindruckenden Stimme einen ungewöhnlichen Stempel auf. An erster Stelle muss da einfach „Blind“ genannt werden, die Single, die ich hiermit bereits für die Wahl der Songs des Jahres anmelde. Dieser Hit groovt auf einem fantastischen Bassfundament daher, Synthesizerfanfaren und gezielte Trompeteneinsätze setzen Farbtupfer und darüber thront dieses unnachahmlich vibrierende Stimmorgan. Donnerwetter! Aber auch auf dem ersten Stück „Time Will„, das sanft mit gefühlvollem Gesang, Akustikgitarre und Schnipsen in das Album gleitet, bevor nach 40 Sekunden die Synthies und Beats einsetzen, glänzt Antony, wie auch gegen Ende hin auf einem der nächsten Hitkandidaten, dem pumpenden „Raise Me Up„, mit seinem intensiven Refrain.

Doch auch die Damen setzen ihre markanten Zeichen. Nomi veredelt das bläsergetriebene „Hercules Theme“ und das housige „You Belong„, das direkt der Zeit um 1990 entsprungen zu sein scheint. Kim Ann lässt in „Athene“ griechische Göttinnen auferstehen und bestreitet mit Bandkopf Andrew Butler (der nur auf „This Is My Love“ die Leadvocals singt) den entspannten und doch tanzbaren Abschluss „True False/Fake Real„.

Am Ende hat man zehn Stücke gehört, alle toll, manche gar überragend. Ein stilistisch und musikalisch absolut eigenständiges und einzigartiges Album, das zu Recht ein mächtiges Rauschen im (musikalischen und feuilletonistischen) Blätterwald ausgelöst hat. Hören, Staunen, Kaufen, Weitersagen!

(Addison)

„Hercules And Love Affair – Hercules And Love Affair“ bestellen bei:

bestellen bei amazon

www.herculesandloveaffair.com
www.myspace.com/herculesandloveaffair

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

Zur Startseite

Der Kommentarbereich ist zurzeit geschlossen.