hell_teufelswerk

Holla, die Waldfee, wie wir Nicht-Münchener sagen! Da hat der Meistergigolo aber weit ausgeholt für sein neues Werk. Ein Doppelalbum, unterteilt in „Night“ und „Day“, das gleichzeitig die Entwicklung der elektronischen Musik in den letzten fast vierzig Jahren widerspiegelt. Große Absichten, exzellent umgesetzt.

Helmut Geier ist wohl die meisten seiner 46 Jahre als DJ unterwegs gewesen. Einer der ersten, der House und amerikanischen Techno nach Deutschland brachte. Sein Label International Gigolo Records gilt seit langem als eines der führenden im elektronischen Bereich. Nach „Munich Machine“ (1998) und „NY Muscle“ (2004) ist „Teufelswerk“ jedoch erst sein drittes reguläres Studioalbum. Der Mann nimmt sich Zeit und ist gründlich. Das Konzept Doppelalbum, mit Nacht- und Taghälfte, ist nicht neu, wird hier aber konsequent umgesetzt. Wobei die Nachtseite eher „typisch Hell“ ist, während die Tagseite die eigentliche Sensation ist, doch dazu gleich mehr.

Auf „Night“ gibt es tanzbares Material für die Clubs, Chicago House und Detroit Techno sind dominant, die acht Stücke (zwischen sechs und zehneinhalb Minuten lang) sind beatlastig und pumpen kräftig vor sich hin. Highlight ist das fantastische „U Can Dance“, eine Kooperation mit Chefcharmeur Bryan Ferry, die dessen unnachahmlichen Gesang in einen satten Clubtrack bettet. Und auch „Electronic Germany“ sollte besonders erwähnt werden, so viel Kraftwerk war bisher nie bei Hell. Herrlich, diese Computerstimme: „Rhythmus, Klangbaustein, Elektronik… München, Frankfurt, Düsseldorf…“!

Doch nun zu „Day“ Hier hat Hell die Geschichte der elektronischen Musik im Auge, die sogenannte kosmische Musik. Unterstützt von Peter Kruder (ja, dem von Kruder & Dorfmeister) und den Multiinstrumentalisten Christian Prommer und Roberto Di Gioia, erstehen u.a. die 70er Jahre wieder auf. Elektronik im psychedelischen Stil, Can, Neu!, Tangerine Dream und immer wieder Kraftwerk. Schon die einleitenden neun Minuten von „Germania“ bescheren dem Elektronikfreund Gänsehaut pur. Keine Beats, ein pluckernder Synthesizer und außerirdische Flächen. Dem folgt mit „The Angst“ und „The Angst Pt. 2“ der nächste Höhepunkt, eine 13-minütige Soundreise, die mit akustischer Gitarre (!) beginnt, sanfte Moogs und Bass dazupackt und sich dann immer weiter steigert. Auch „Hell’s Kitchen“ überzeugt durch Einfallsreichtum, und am Schluss gibt es noch ein feines, ungewöhnliches Cover von Hawkwinds „Silver Machine“.

Ein höllisch (sorry) gutes Album vom Altmeister des „German Techno“, das neben aller musikalischen Freude sogar noch ein wenig musikhistorische Bildung vermittelt.

(Addison)

P.S. Übrigens: DJ Hell legt am 12.06. auf der Depeche Mode-Aftershowparty im Frankfurter Cocoon-Club auf!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. Lisa F.
    1
    9.6.2009 - 22:17 Uhr

    mensch .. da kriegt man ja richtig lust auf tangerine dream und co .. muss ich mal wieder rausholen .. yes you CAN ;-)