Album-Kritik

Mord und Totschlag. Liebe und Leiden. Klingt nach Nick Cave und seinen „Murder Ballads“. Und vielleicht ist man mit diesem Vergleich gar nicht so weit weg von der Wahrheit über das sechste Album von Goldfrapp. Wunderbares Kino für den Kopf.

Es gibt ja unter den Anhängern von Alison Goldfrapp und Will Gregory so’ne und solche. Fans der atmosphärischeren Seite der Band, beginnend mit dem grandiosen Debüt „Felt Mountain“ (2001), fortgesetzt später mit dem folkigen „Seventh Tree“ (2008). Auf der anderen Seite diejenigen, die die elektronischen, tanzbareren Goldfrapp verehren, von den kristallinen Beats auf „Black Cherry“ (2003) und „Supernature“ (2005) bis zum (streckenweise etwas platten) Discopop auf „Head First“ (2010).

Der Rezensent träumt ja neben der Weltherrschaft gelegentlich von einer perfekten Mischung aus „Felt Mountain“ und „Black Cherry“ (oder „Supernature“). Darauf muss er erst einmal weiter warten, denn „Tales Of Us“ ordnet sich ganz klar als drittes Album auf der akustischen Seite ein und erreicht dabei tatsächlich wieder eine Gänsehautstimmung wie auf dem Debüt – und das ganz klar ohne sich zu wiederholen.

Denn der Ansatz ist hier vor allem inhaltlich neu für die Band. Alison Goldfrapp hat sich in die Perspektive fiktiver Figuren begeben, hat viel Patricia Highsmith (u.a. bekannt für „Der talentierte Mr. Ripley“) gelesen und zehn Geschichten geschrieben, über „Jo“, „Ulla“, „Simone“ und wie sie alle heißen. Darin wird vieles zwar oft nur angedeutet und eine Menge auch gewollt zweideutig angelegt (siehe: „Annabel“), aber das macht es ja gerade so spannend.

Und musikalisch hat man es entsprechend mit einer zurückhaltenden, geradezu scheu anmutenden Platte zu tun. Beats? Höchstens in Zeitlupe und Ansatz, wie im kleinen Ausbruch (und Highlight) „Thea“. Ansonsten viel Akustisches, Gitarre, ein paar Streicher und sanfte Drums mit sachte darauf getupfter Elektronik – und natürlich dieser ewiglich magischen Stimme.

Das Album kommt gleichzeitig leicht und düster daher und wirkt am besten in seiner Gänze, so dass man einzelne Stücke kaum herausheben möchte. Neben „Thea“ lassen sich sicher die vorab mit Videos bedachten „Drew“ und Annabel“ nennen, aber auch der rätselhafte „Stranger“ oder der tragische „Laurel“ sind starke Kompositionen. Letztendlich sollte man sich vom Gesamtkunstwerk (es wird noch mehr Videos/Kurzfilme der Regisseurin Lisa Gunning geben, im November folgt ein Box Set des Albums mit Bonus-CD und DVD) berauschen lassen, denn berauschend sind sie geworden, diese „Tales Of Us“.

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P.S. Goldfrapp spielen live im Berliner Heimathafen (23.10.).

Goldfrapp – Drew from Mute on Vimeo.

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4
Kommentare

  1. testcase
    4
    20.9.2013 - 0:55 Uhr

    <3 <3 <3

  2. testcase
    3
    20.9.2013 - 0:54 Uhr

    <3

  3. sträwkcür
    2
    14.9.2013 - 1:10 Uhr

    nicht schlecht

    HEUTE AUF 12 bei Saturn gelistet

    wohl eine gewisse Schwarmintelligenz, emotionale Schwarmintelligenz;-)

  4. 10.9.2013 - 0:35 Uhr

    ein

    album, welches man nicht gleich nach dem ersten hören abcheckt, ich find´s klasse, wie guter alk
    (ca. wie 83 DM, .. )