Puppenspieler haben ja irgendwie oft den Hang zur Schizophrenie. Ach, Unsinn! Wer spricht da?… Äh, ja. Und die Puppen untendran an den Schnüren sind nur arme Erfüllungsgehilfen. Ob die neue Platte von Fujiya & Miyagi nun geteilte Persönlichkeiten widerspiegelt, mag jeder mit sich selbst und den anderen im Kopf ausmachen. Die Musik dazu ist jedenfalls sehr fein.

Das Quartett aus Brighton um Bandleader David Best hat sich für das Albumthema gleich mal vier Puppen mit dem Aussehen der Musiker anfertigen lassen, auch mit der Idee dahinter, diese für Bandfotos und Videos zu verwenden. Von da ist es gar nicht so weit bis zu Kraftwerks Robotern, oder?

Womit wir beim Sound wären, denn Kraftwerk sind gar nicht so weit weg. Jedenfalls das krautige Element vor allem der frühen Werke der Düsseldorfer. Ansonsten dürfen natürlich gern andere Vorreiter des Krautrock als Referenz herhalten – Can, Faust oder Neu!, aber auch Bands wie Clinic.

Fujiya & Miyagi sind auf „Ventriloquizzing“ düsterer unterwegs als zuvor und haben dafür viel analoge Synthesizersounds verwendet. Ihrem minimalistischen Stil, der neben erwähntem Kraut stets auch Spuren von Funk aufweist, sind sie treu geblieben. Und trotz der Düsternis bricht auch immer wieder Humor durch, speziell in den Texten. Erfreulich ist außerdem, dass man auch so einige poppige Momente eingefangen hat.

So ist gleich der Titelsong ein gelungener Elektroniktrack, dem mit dem groovigen „Sixteen Shades Of Black & Blue“ ein nahezu rockiges Highlight folgt. „Taiwanese Boots“ mit seinen markanten Sounds hat fast das Zeug zum Hit, „Yoyo“ und „Pills“ ebenso. Fast, denn immer biegt man irgendwie kurz vor der Radiotauglichkeit ab. Mit Absicht. Die Songs wirken dabei manchmal fast etwas gleichmütig, nur um dann mit einer latenten Aggressivität aufzuwarten.

Fujiya & Miyagi lassen für ihre Verhältnisse auf ihrem vierten Album die Puppen ganz schön tanzen. Einem Album, das man sowohl konzentriert am Stück als auch (scheinbar) harmlos nebenher hören kann, das aber clever versteckte Widerhaken beinhaltet, die sich hinterhältig in Ohr und Hirn bohren können.

(Addison)

P.S. Den Song zum folgenden Video gibt es auf der Bandhomepage (siehe Link weiter unten) zum freien Download!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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