Dämonische Motel-Szenerie

 

Die Odyssee der Florence Welch geht weiter. Zusammen mit Regisseur Vincent Haycock erschaffen Florence + The Machine seit Anfang des Jahres ein wahrhaft episches visuelles Gesamtwerk zu ihrem bisher reifsten Album „How Big, How Blue, How Beautiful“ (Amazon). Jedes Video führt ihre Geschichte aufs Neue fort. Die Odyssee, die sie durchlebt, und bei der niemand wirklich weiß, ob sie gut oder schlecht ausgeht. Dieses Mal wird es leicht gruselig. Die Atmosphäre: ein unheimliches Motel-Setting in stockfinsterer Nacht. Wir folgen Florence aus der Perspektive des Verfolgers in verschiedene Motelzimmer. Wir sehen intensive Choreographien, die mehr als das sind: richtiges Tanztheater, kraftvoll und beeindruckend. So singt sie „Now the sun is up and I’m going blind/ Holding on for your call/ Another drink just to pass the time/ I can never say no/ Cause I’m gonna be free and I’m gonna be fine/ Holding on for your call/ Cause I’m gonna be free and I’m gonna be fine/ But maybe not tonight“. Zugleich zerrissen und hoffnungsvoll. Wieder und wieder kämpft sie mit sich und damit, ihre in Trümmern liegende Beziehung loszulassen. Der Song greift eine alte Bibelgeschichte auf. Im Hebräischen bedeutet „Delilah“ so viel wie „Sie, deren Kräfte schwinden“/ „She who weakens“. Die biblische Geschichte von Samson und Delilah erzählt in ihrer Essenz von einem Paar, das seine Kraft verliert. Samson, dem von Gott große Stärke gegeben wurde, verliert sie jedoch aufgrund seiner Liebe zu Delilah, die ihn verrät. Der Song „Delilah“ ist in diesem Fall eine Metapher für Betrug. Florence erzählt im Interview: „[T]his was one of the first songs Isa [Summers] and I wrote for this record..while we were at Geejam studios in Jamaica. It’s based on a party we had just been to in Miami, the biblical tale of Samson and Delilah. And the agony of the mobile phone in modern relationships“. Florence wartete damals auf einen Anruf ihres damaligen Freundes. Manche Kameraeinstellungen sehen aus wie Gemälde, und verleihen dem Video eine dunkle Anmut. Besonders gruselig: Ein Kobold, der sich zu ihr ins Bett schleicht – eine Anspielung auf einen realen Albtraum, dass ein Kobold auf ihrer Brust sitzt und sie erstickt. Die Party wird übrigens im Interview mit Ellen DeGeneres ausführlicher besprochen und spart nicht an feuchtfröhlichen Details.

Was lernt Florence dieses Mal auf ihrer Odyssee? Sich wieder zu lieben, mit sich Frieden zu schließen und den stetigen Kampf mit ihren Gefühlen zu akzeptieren, um zu wachsen. Am Ende des Videos geschieht eine unerwartete Wende: Nach einigen Flashbacks werden wir zurück zu einer Szene aus „What Kind of Man“ geführt, in der sie von einem aufkommenden Beziehungsgewitter spricht. Eine spannende Idee, die anregt, sich alle vorangegangenen Videos einmal am Stück anzusehen. Vielleicht entdeckt man noch viel mehr!

 

Letzte Aktualisierung: 9.11.2015 (c) depechemode.de

 Eleni Blum
"The only truth is music" (Jack Keruac) - mit diesem Satz ist alles gesagt. Eleni studiert zur Zeit im Master und begeistert sich für das Schreiben und Musik in all ihrer Vielfalt. Zusätzlich zur Uni arbeitet sie als freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung sowie - besonders gern natürlich - bei depechemode.de und kümmert sich um die Kommunikation verschiedener Musiker (Künstlerprofile, Liner Notes, Social Media u.v.m).

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