Die Spannung war groß. Lang hatte man nichts mehr von Florence + The Machine gehört. Ihr letztes Album Ceremonials erschien 2011 und danach wurde es still um Sängerin Florence Welch und ihre Band. Zumindest nach außen hin. Im Studio scheinen eine Menge kreativer Energien geflossen zu sein. Bester Beweis: Die gestern auf ihrer Facebookseite veröffentlichte erste Single samt Video „What Kind of Man“ aus dem im Juni folgenden dritten Album. Dessen Titel wurde ebenfalls bekanntgegeben: „How Big, How Blue, How Beautiful“.

"How Big, How Blue, How Beautiful" - 01.06.2015

„How Big, How Blue, How Beautiful“ – 29.05.2015

Regie für „What Kind of Man“ führte Vincent Haycock, dem es gelungen ist, dem klanglichen ein visuelles Bild hinzuzufügen. „What Kind of Man“ ist ein schmerzhaft wütender, verletzer und fast schon sakraler Abgesang auf einen Mann, der der Protagonistin das Herz geraubt, gequält und gebrochen wieder zurückgegeben hat. Florence Welch singt, faucht und zischt sich die Frustration mit trotziger Leidenschaft von der Seele. Wie sehr sie gekämpft hat und zeitgleich doch dem Untergang ihrer Liebe zuschauen konnte, hört man auch in den zerbrechlich gehauchten Textzeilen. Angetrieben wird der Song von einem prägnanten aufwühlenden Gitarrenriff, das den hymnenartigen Gesang perfekt unterstützt. Wie gewohnt setzen Florence and the Machine eine Vielzahl an Streichern sowie einen imposanten Chor ein.

Diese beinahe apokalyptische Dramatik setzt Regisseur Vincent Haycock gekonnt um, ohne den schmalen Grat hin zur Lächerlichkeit zu übertreten. Besonders beeindruckend ist die erste Szene. Florence sitzt mit ihrem Freund in einem schmucken Oldtimer während sie sich darüber unterhalten, dass sie in der vergangenen Nacht Schlimmes geträumt hat. Ihr Freund hatte sie nicht wecken wollen, was Florence – elfengleich ganz in weiße Spitze gekleidet – zu der Frage führt, ob er glaube, dass Menschen, die zusammen zufrieden sind weniger miteinander verbunden sein, ob gemeinsames Leiden tatsächlich die stärkere (bessere?) Verbindung zwischen zwei Liebenden sei: „So you think that people who suffer together would be more connected than people who are content?“. Dann bricht das Chaos über sie herein. Regen strömt am Autofenster hinab. Das Wetter gleicht mit seinen Regengüssen, grau getünchten Wolkenbergen und Stürmen einem Weltuntergang. Regisseur Haycock setzt das Gleichnis aus Florences Äußerung in die Tat um: „Suppose if you’ve been through something catastrophic, like a storm or an earthquake together, something horrendous… it’d bring you together. But what if they are creating disaster within themselves?“. Es geht um die Frage, ob sie dabei sind, das Disaster in sich selbst zu schaffen. Und eigentlich weiß sie, dass sie sich die Antwort damit schon gegeben hat.
Eine Gruppe männlicher Tänzer stellt zusammen mit Florence Welch die Zerrissenheit und hilflose, stumme Wut dar – es wirkt wie ein Exorzismus, ein Wunsch nach Befreiung. Florence + The Machine sind für ihre imposante Bildsprache bekannt. Man sieht unheimlich leere Hotelzimmer, in denen lediglich der Fernseher flimmert – ebenfalls apokalyptische Bilder von Erdrutschen zeigend; man sieht Ausschnitte von leidenschaftslosem Sex, einer beinahe ertrinkenden, nach Atem ringenden Florence Welch. Es ist ein Zeugnis puren Chaos.

Stilistisch ist die Single nicht weit entfernt vom letzten Album Ceremonials – dennoch besitzt sie etwas mehr Biss und Zorn. In der Pressemitteilung beschreibt Florence Welch es mit folgenden Worten: „I guess although I’ve always dealt in fantasy and metaphor when I came to writing, that meant the songs this time were dealing much more in reality. Ceremonials was so fixated on death and water, and the idea of escape or transcendence through death, but the new album became about trying to learn how live, and how to love in the world rather than trying to escape from it. Which is frightening because I’m not hiding behind anything but it felt like something I had to do.“
Für das kommende Album begleiten wir Florence + The Machine somit auf der Suche nach einem Weg, dass Leben zu leben und in der Welt zu lieben, anstatt zu versuchen, ihr zu enfliehen.

 Eleni Blum
"The only truth is music" (Jack Keruac) - mit diesem Satz ist alles gesagt. Eleni studiert zur Zeit im Master und begeistert sich für das Schreiben und Musik in all ihrer Vielfalt. Zusätzlich zur Uni arbeitet sie als freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung sowie - besonders gern natürlich - bei depechemode.de und kümmert sich um die Kommunikation verschiedener Musiker (Künstlerprofile, Liner Notes, Social Media u.v.m).

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Kommentar

  1. Dagamago
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    16.2.2015 - 19:25 Uhr

    Eine grandiose Sängerin, eine tolles, verstörendes Video! Ich freue mich , wieder etwas Neues von Florence and the Machine zu hören.