Interview

Faderhead eingefangen von Daniela Vordran ( www.black-cat-net.de)
Faderhead eingefangen von Daniela Vordran ( www.black-cat-net.de)

In den Clubs läuft vor allem der Track „TZDV“ hoch und runter. Auch nach so vielen Jahren nach der Veröffentlichung. Doch wer steckt dahinter? Richtig, Faderhead. Dass dieser es nicht immer einfach hat, gern aneckt und seine Meinung sagt, beweist er bei uns im Interview. Wir sind vom neuen Video zu „When the Freaks Come Out“, zu Bühnendeko und Erklärungen für die Meinung der anderen Menschen über ihn schließlich beim Thema Gerüchteküche gelandet. Lernt mehr über Faderheads Welt und schaut vielleicht auch mal in seinen Blog auf dem es allerlei zu entdecken gibt.

Hallo Faderhead, wie geht es dir so im Faderheadland?
Habe gerade die gefährliche Männergrippe. Also nicht so gut. Es ist unklar ob ich dieses Interview überlebe.

Gute Besserung von uns. Bevor du stirbst, wäre es echt nett, wenn du noch ein paar Fragen beantwortest. Fangen wir an: Wie sieht es denn mit einem neuen Album aus? Wann ist es denn soweit?
Ich mache gerade Pause und habe nicht vor 2015 ein Album zu veröffentlichen. Nach acht Alben in acht Jahren muss ich mal eine Auszeit nehmen. Ein neues Musikvideo zu „When The Freaks Come Out“ gab es aber schon im März.

Ein Video verzögert das Warten für die Fans ja schon ein bisschen.Wann und wo sieht man denn Faderhead mal wieder live?
Das nächste Mal beim Dark Munich Festival in München.

Und wo wir gerade bei Auftritten sind: Warum hattest du beim Amphi Gitarrenboxen auf der Bühne, wenn doch gar keine Gitarren zum Einsatz kamen? Bühnendeko?
Ja, Deko.

Es heißt ja manchmal, du seist eine sehr schwierige oder gar selbstverliebte Person, ist das denn so?
Es heißt auch sehr oft ich wäre eine der nettesten, professionellsten, höflichsten und großzügigsten Personen.

Ich glaube, das kommt immer auf den Standpunkt der jeweiligen Person an. Wie kommen die Leute überhaupt darauf, dass Du schwierig bist?
Weil 99% der Leute nur Scheiße im Kopf haben. Ich gebe dir mal ein paar Beispiele.
Beispiel 1: Am Abend treffe ich durchschnittlich in einem Club oder nach einem Konzert auf 10-30 wildfremde Leute, die zu mir kommen oder mit Leuten rumhängen mit denen ich rede. Zwanzig Prozent von denen – also zwei bis sechs Leute pro Abend- sind betrunken und benehmen sich daneben. Da ich weder an mangelndem Selbstbewusstsein leide, noch sonderlich klein und dünn geraten bin, weise ich diese zwanzig Prozent dann auch darauf hin, dass sie sich daneben benehmen. Sofort bin ich das „Arschloch“ der „seine Fans wie Dreck behandelt“. Diese Würstchen haben dann auch nichts Besseres zu tun als am nächsten Tag bei Facebook wild erfundene Stories zu posten und so kriegt man dann seinen Ruf. Das ist aber ok, denn ich will gar nicht wissen mit wie vielen Deppen ich es zu tun hätte, wenn alle denken würden ich wäre nett und kuschelig (lacht).

Gut, das war jetzt ein Beispiel. Ich weiß, weiß was du meinst und kenne die Situation nur zu gut. Aber gib mir ruhig noch ein Beispiel.
Beispiel 2: Wir spielen irgendwo ein Konzert in einer Kleinstadt im Ausland und es ist das 10. Konzert in Folge. Das heißt ich bin müde. Der lokale DJ will aber unbedingt über irgendwas reden und einen Haufen Selfies mit mir machen. Wenn ich dann sage „nee, jetzt nicht, ich hätte gern meine Ruhe“ bin ich „das Arschloch der sich zu schade ist Zeit für diejenigen aufzubringen, denen er alles verdankt“. Dass ich mich lieber ausruhe, um für die zahlenden Fans später eine gute Show hinzulegen als mir den ganzen Nachmittag Phrasengedresche von beliebigen Leuten, die ich nicht kenne anzuhören versteht er nicht. Also bin ich schwierig und selbstverliebt.

Und was ist das Fazit aus diesen Erlebnissen?
Ach, ich will mich darüber gar nicht beklagen, denn ich höre die gleichen „Vorwürfe“ über JEDEN Musiker der etwas über seine Heimatstadt hinaus bekannt geworden ist. Von daher ist das auch ok.

Wenn ich so über die Gerüchteküche nachdenke, gibt es da noch jemanden, dem du noch nicht auf den Schlips getreten bist?
Ich bin den meisten noch nicht auf den Schlips getreten. Gerüchte sind halt genau das: Gerüchte. Wenn es danach geht hab ich schon hunderte Frauen angegraben, bin abgeblitzt und dann von ihren Freunden verprügelt und aus dem Club geschmissen worden. Wirklich passiert ist das noch nie (lacht). Die Leute, denen ich vor den Karren gepisst habe, haben es zu größten Teilen sicherlich verdient. Bei den anderen habe ich mich schon lange entschuldigt.

Hast du dich mit einigen jetzt wieder versöhnt? Ronan Harris oder Thomas Rainer zum Beispiel, habt ihr euch wieder lieb?
Nein.

Bist du eigentlich jemand, der gut mit Kritik umgehen kann? Setzt du dich damit auseinander oder prallt alles an dir ab?
Ich bin extrem kritikfähig, allerdings suche ich mir aus, von wem ich Kritik haben will. Das sind meistens nicht die Leute, die denken dass sie befähigt sind an mir Kritik zu üben. In Zeiten von Social Media ist ja jeder Experte und logischerweise auch jeder Kritiker. Wenn man da jedem zuhören und Validität einräumen würde dann käme man zu nichts, weil jeder denkt er hätte was wertvolles zu sagen und die Leute, die etwas negatives sagen total in der Überzahl sind. Nicht, weil es so viel negatives gibt, sondern weil ein Haufen Leute einfach immer nur zu allem rumstänkern, während sie auf ihrem kleinen, armseligen Arsch sitzen und selbst nichts gebacken kriegen. Diesen Leuten höre ich schon lange nicht mehr zu und registriere das auch gar nicht mehr. Das hat mir Adrian Hates von Diary Of Dreams 2007 beigebracht und das war eine wichtige Lektion. Ich suche mir Leute aus von denen ich denke, dass sie Erfahrung und Kompetenz haben und frage konkret nach Kritik. Das höre ich mir dann auch sehr gewissenhaft an.

Gehen wir mal weg von der Gerücheküche und widmen uns anderen Themen. Ich hab gehört, dass du McGyver-Qualitäten beweist, wenn die Apple-Technik wieder streikt, der Laptop-Display nicht mehr funktioniert und du spielen musst. Was ist der beste Ratschlag, den du geben kannst, wenn du mitbekommst, dass kurz vor einem Auftritt, deine komplette Technik nicht mehr will?
Ganz viele Backups haben. Mehrere Laptops. Mehrere Soundkarten. Mehrere Ersatzkabel. iPods oder iPhones als „last resort“. Dazu hab ich auf www.faderhead.com mal einen Blog geschrieben(grinst).

Die liebe Technik, ohne sie geht oft gar nichts mehr.Und wenn gar nichts mehr geht, würdest du dann auch „unplugged“ spielen oder lieber einen Auftritt absagen?
Ich kann nicht einen einzigen Faderhead-Song auf der Gitarre spielen. Nicht, weil das so schwer wäre, sondern weil sich die Songs, die wir normalerweise live spielen einfach alle nicht für Akustikgitarren eignen. Also hab ich das noch nie probiert. Deswegen ist es ja so wichtig, dass immer 2-3 Backup Systeme vorhanden sind.

Ich hab mitgekriegt, dass du Wodka genauso sehr liebst wie ich. Hast du eine Lieblingssorte?
Wenn ich nur Wodka trinken will, dann Purity Vodka aus Schweden. Oder Smirnoff Black, der übrigens ganz anders als der fiese rote Smirnoff ist. Zum Mischen tut es aber auch Russian Standard.

Ich bevorzuge dann doch eher polnische Sorten. Wie viele Flaschen kannst du killen, bevor bei dir die Lichter ausgehen?
Auf Grund der Faderhead-Pause gehe ich sehr wenig weg und meine „Kondition“ ist richtig runter. Jetzt reichen mir 2 Gläser Vodka und 2-3 Bier am Abend und ich bin gut dabei. Früher war 1 Liter Vodka über einen Abend nicht selten.

Manche sagen ja, du bist gar kein richtiger Musiker und du würdest nur Techno machen, stimmt das?
Manche Leute sagen auch „die Asylanten nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“ – das heißt ja nicht dass das es stimmt… (Pause) Es sei denn, man ist so entbehrlich, dass ein schlecht ausgebildeter Flüchtling aus einem Dritte-Welt-Land einem die Arbeit wegnehmen kann. Jeder der jemals eine Faderhead-Platte von vorne bis hinten gehört hat, weiß dass zu 50% kein „Techno“ drauf ist. Die meisten Leute kennen nur „Dirtygrrrls/Dirtybois“ und „TZDV“. Das erste ist kommerzieller Elektrohouse, das zweite EBM. Das heißt, wer da von Techno spricht, hat nicht nur von Faderhead, sondern von Musik an sich keine Ahnung (lacht).

Ob es nun Techno, EBM oder Elektrohouse ist, ist für die nachfolgende Frage eher zweitranging: Sind deine Lieder jetzt besser als die deiner Musikerkollegen oder einfach nur besser produziert? Was macht einen Faderhead-Song besonders?
Ob meine Lieder besser sind als die von anderen kann nur der entscheiden, der sie hört. Wenn ein Song fantastisch produziert ist, aber niemanden emotional anspricht, dann ist der Song nichts wert. Ich höre privat auch lieber Songs, die mich von der Melodie und vom Inhalt her ansprechen und nicht irgendwelches Industrialgefrickel bei dem es um nichts anderes geht als noch mehr Krach zu machen als die Überkrachmacher-Band von 1987.

Wenn man anfängt Musik zu machen, was braucht man wirklich in seinem Heimstudio?
Laptop. Software. Soundkarte. Mikrofon. Kopfhörer. Das reicht. Die meisten Elektro-Acts schreiben heute so und schicken ihre Tracks dann zum Feinschliff an Produzenten mit Studio.

Und was braucht man überhaupt um ein guter – nicht zu verwechseln mit erfolgreicher, da liegen ja oft Welten dazwischen – Musiker zu werden?
Man muss etwas zu sagen haben. Wenn man den ganzen Tag zuhause sitzt und RTL2 guckt kann man mit großer Wahrscheinlichkeit nicht viele Songs schreiben mit denen sich Hörer identifizieren können.

Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass du nicht nur Musik machst und produzierst, sondern auch noch fotografisch unterwegs bist. Stimmt das und wenn ja, seit wann machst du das? Was reizt dich an der Fotografie?
Nichts. Ich mache Fotografie nur noch ab und zu beruflich und ohne künstlerischen Anspruch. Ich habe ein gutes Auge, aber weder Zeit noch Kreativität noch das Interesse das auf den Level zu pushen, den es aktuell im Top-Bereich gibt. Heute machen ja 16-jährige Mädels mit Instagram bessere Bilder als viele „Profi-Knipser“.

Was fordert dich denn mehr? Fotografie oder Musik machen?
Die Musik, weil die wirklich etwas bedeutet.

Bleibt da überhaupt noch Zeit für Hobbys?
Ich gehe 2-3 Mal die Woche Gewichte heben. Ansonsten bin ich schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem echten Hobby. Also einer Tätigkeit, die völlig ohne Ziel und Bedeutung ist, außer dass sie mich entspannt und Spaß macht. Für Ideenvorschläge bin ich immer zu haben … Zeit hätte ich definitiv.

Bist du aktuell zufrieden mit deinem Leben oder könnte es auf irgendeiner Ebene besser sein? Falls du zufrieden bist, verrat uns mal dein Geheimrezept!
Es kann immer besser laufen. 2015 ist bei mir ein Jahr der Umorientierung. Wer weiß ob es Faderhead danach noch gibt… (lacht).

Und weil zum Schluss jeder jemand Neuen „nominieren“ darf, der dann interviewt wird, darfst du jetzt auch! Such dir jemanden aus (lacht).
Rave The Reqviem.

Das Video zu „When the Freaks Come Out“ gibt es hier:

Weitere Informationen über Faderhead und auch den wirklich lustig gestalteten Blog findet ihr unter www.faderhead.com.

 Josie Leopold
Ich bin die kleine Schnatterschnute vom Dienst: bunt, glitzernd, voller verrückter Ideen. Wenn ich nicht gerade Interviews führe, Beiträge verfasse oder versuche Wordpress davon zu überzeugen doch bitte nett mit mir zu sein, versuche ich die Welt ein bisschen besser und bunter zu machen.

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