Das elektronische Experiment trifft den Pop. Bristol trifft Berlin. TripHop trifft Techno auf dem Bett des Dubstep. Sie merken schon, verehrter Hörer und Leser, ein Album, auf dem vieles zusammentrifft. Es ist dies das Debüt von Emika. Und es ist ein hochverdientes Album des Monats.

Emika stammt aus dem englischen Milton Keynes, Mutter Tschechin, Vater Engländer. Sie wurde in klassischer Musik ausgebildet und zog irgendwann nach Bristol, Wiege des TripHop a la Massive Attack, zu jener Zeit aber bereits vom Dubstep-Virus infiziert. Schließlich landete auch Emika – wie scheinbar mittlerweile die meisten Künstler – in Berlin, wo sie für einen Musiksoftwarefabrikanten arbeitet(e) und sich im Berghain austoben konnte.

All das findet man auf ihrem fabelhaften Debütalbum „Emika“ wieder. Die wummernden Bässe des Dubstep, das verschleppte Tempo und die Abgehangenheit des TripHop, ein bisschen Drum’n’Bass spielt auch noch mit hinein, in den schnelleren Passagen wird es fast technoid – und all das, ohne die klassischen Wurzeln zu vernachlässigen und mit genügend Melodie, um nicht nur im Underground gehört werden zu wollen.

Da die Künstlerin den Beruf der Sounddesignerin beherrscht, klingt das alles unglaublich kräftig, dynamisch und satt – die Kopfhörerfetischisten werden begeistert sein. Schon das erste Stück „3 Hours“ mit seinen kühlen Vocals zu etwas flotteren Beats und einem magenpeitschenden Bass setzt Zeichen, ist aber nur die Einleitung. Das anschließende „Common Exchange“ verbreitet Massive-Attack-Atmosphäre und drückt noch mächtiger aus den Boxen.

Die folgende Single „Professional Loving“ wartet – neben erneut fantastischer Soundarbeit – mit melancholischen Klavierspuren auf, bevor das instrumentale „Be My Guest“ sich in irgendeiner düsteren Zukunftsmaschinenwelt abzuspielen scheint. Das verzerrte „Count Backwards“ mit seinen verloren wirkenden Vocals erinnert an Portishead, ähnlich wie später noch „The Long Goodbye“.

Pretend“ steigert sich von klaustrophobischer Abwesenheit zu fast industrial-artiger Tanzbarkeit, durch „FM Attention“ wummert die Seele des Drum’n’Bass und kurz vor dem Ende knattert „Come Catch Me“ sogar noch fast geradlinig vorwärts, bevor klassische Klaviertöne den Schlusspunkt setzen. Von vorne bis hinten ein beeindruckendes Debüt, Album des Monats!

(Addison)

P.S. Wer sich auf der Homepage der Künstlerin (s.u.) für den Newsletter einträgt, bekommt einen schicken Gratisremix!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. MasterDave
    3
    27.10.2011 - 18:33 Uhr

    Update

    Hab mir jetzt das Album durchgehört. Muss meine Aussage zur Single noch unterstreichen. Das Album ist genial hoch 3. Kann auch sein, dass ich sonst nicht so viel independend bands im electro Bereich höre, aber solch feine Klänge kamen selten an mein Ohr. Schön düster und trotzdem heavy. Klingt wie Klaus Kinskis Vermächtnis eines kranken , genialen Verstandes:-)

  2. MasterDave
    2
    26.10.2011 - 21:11 Uhr

    Geil.

    Hammer Song. Sehr düster. Genau diese Musik ist meiner Meinung nach das Erbe von Depeche Mode. Erinnert mich ein wenig an Surrender von Depeche Mode. Geiler Sound, sehr gute düstere Stimmung. Ich hoffe der Rest des Albums ist auch so.

  3. ralle
    1
    26.10.2011 - 14:19 Uhr

    livevideo "pretend"

    unbedingt anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=qqlRhlU0lAI