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Wenn persönliche Lieblingsbands neue Alben veröffentlichen, schwingt ja im Vorfeld mitunter etwas Angst mit. Was, wenn sie die hohen Erwartungen dieses Mal nicht erfüllen können? Wenn sie enttäuschen, sich in falsche Richtungen entwickeln? Bei Elbow hat man diese Sorge irgendwie nie. Die sind einfach so gut, musikalisch wie menschlich, das wird schon funktionieren. So ist es auch mit „Build A Rocket Boys!“.

Manchmal (aber nur manchmal) haben ja die ganz großen Plattenfirmen doch noch gute Ideen. Wie hier, wo man zum neuen Elbow-Album ihren Sänger Guy Garvey in einer Kneipe jeden Song als Lesung vortragen und ausführlich kommentieren ließ – die Videos dazu gibt es auf www.elbowmusic.de – und das parallel auch in ein reclam-artiges Promobüchlein packte. Wenn man also sieht, hört oder liest, wie dieser unfassbar sympathische Knuddelbär (man sollte im Leben übrigens unbedingt – mindestens – ein Konzert von Elbow besucht haben) voller Leidenschaft seine Kunst vorträgt und erklärt, bekommt man gleich noch einen tieferen Zugang zum fünften Studioalbum der Fünf aus Manchester. Zumal sich so auch die poetischen und durchaus vieldeutigen Texte besser erschließen lassen.

Vier Alben haben sie zuvor aufgenommen (u.a. produziert von Ben Hillier, den hier ja einige kennen dürften), und spätestens nach dem zweiten („Cast Of Thousands“, 2003) liebten die Menschen diese Band, die so brillant Melancholie und Euphorie in Melodien goss. Doch sie blieben lange Zeit ein allseits bekannter Geheimtipp, bis dann mit dem letzten Album „The Seldom Seen Kid“ (2008) die Dämme brachen und man in der Heimat alles abräumte, was abzuräumen war. Jetzt, wo man endlich gut von der Musik leben kann, erwartet die Welt die Coldplayisierung, aber Elbow sagen: Ach nö.

Stattdessen legen sie mit „The Birds„, einem achtminütigen Stück über Vögel, einen 85-jährigen Mann und die Vergänglichkeit los, das sich ganz gemächlich aufbaut, dann mit ein paar geschickten Synthesizermotiven aufhorchen lässt und zum Schluss doch noch die Streicher aus der Kammer holt. Kein Stadionrock in Sicht, stattdessen werden Melodien gesammelt, mit denen der Hörer sich langsam aber intensiv anfreunden soll, kann und wird.

In „Lippy Kids“ fällt dann die Zeile, die zum Albumtitel wurde. Es geht um Jugend, Aufbruch, Gelassenheit und darum, einfach zu tun, was einen antreibt. Elbow können aber auch mal ganz einfach und fröhlich dahinmusizieren, wie „With Love“ mit Unterstützung des grandiosen Jugendchores des Hallé-Orchesters, der auf einigen der Songs hier für Gänsehaut sorgt, beweist.

Es geht also immer um den richtigen Song mit der richtigen Haltung im richtigen Moment. Das kann eine minimalistisch von Keyboards getragene Perle wie „The Night Will Always Win“ sein oder ein überbordend orchestrierter Groover wie „High Ideals“. Alles stets zusammengehalten von der warmen Stimme Garveys.

Letztendlich ist Elbow mit „Build A Rocket Boys!“ ein weiterer Geniestreich gelungen, den wir schon mal weit vorn in der Jahresendabrechnung einplanen können. Und für das nächste Album machen wir uns auch keine Sorgen.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 8.5.2011 - 14:25 Uhr

    Über Musikgeschmack und -qualität lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Aber diese Band mit „Käse“ abzustrafen, lässt auf wenig musikalisches Verständnis und vor allem auf mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Toleranz schließen.
    Schaut euch Daves letzten Live-Gig an. Auch nicht grad viel „Electro“, oder? :-)
    Es ging hier für mich immer um Musik über den DM-Horizont hinaus. Und ich hab mir die Zeit zwischen den DM-Alben oft schon mit Bands, die ich hier entdecken durfte, versüßt. Auf keinen Fall werde ich hier ein Für und Wider bzgl. „Elbow“ hinkritzeln…jeder hat seinen Geschmack. Punkt. Ich freu mich auf Juni: Elbow live aufm „Southside-Festival“. YEAH! :)
    LG
    Micha

  2. rockgegner
    2
    6.5.2011 - 21:36 Uhr

    Das hat nichts mehr mit electro-news zu tun. Was soll das denn? Kann electromaniac nur beipflichten. „“Schuster bleib bei deinen Leisten““!!!! Oh wei ,oh wei, da ist jede Sekunde zu schade sich diesen Käse anzuhören. War auch schon bei anderen Electro-News genauso.

  3. Electromaniac
    1
    4.5.2011 - 20:50 Uhr

    Der persönliche Gechmack ist ja schön und gut, aber ich frage mich ernsthaft was das hier überhaupt noch mit den „Electro-News“ zu tun hat!? NICHTS!!!! Schuster bleib bei deinen Leisten!

    Abgesehen davon ist der Titel ja total langweilig.