Mr. E ist schon wieder da. Nanu, das letzte Eels-Album „Hombre Lobo“ ist doch erst ein paar Monate her? Stimmt, aber den Meister plagt akuter Liebeskummer. Und der muss raus und bewältigt werden.

Mark Oliver Everett ist mit den Eels bereits bei Album Nummer Acht angelangt. Seit dem erfolgreichen Debüt „Beautiful Freak“ ist viel Zeit vergangen, in der man so manche stilistische Überraschung zu bieten hatte. Böse Texte, versteckt in bunten Popsongs mit (fast) Kinderliedcharakter – im Meisterwerk „Daisies Of The Galaxy“-, waldschratig-rabaukiger Rock als „Souljacker“ oder ein vor Ideen überbordendes Doppelalbum („Blinking Lights And Other Revelations“). Danach war längere Zeit Pause, vier Jahre genau, bevor auf „Hombre Lobo“ Liebe und Leidenschaft zu Beginn einer Beziehung das Thema waren.

Wenige Monate später ist die Beziehung nun schon am Ende. Auf wahrer Geschichte beruhend, heißt es. Dass Mr. E leidensfähig ist und auch familiär so einiges durch hat, wissen wir und empfehlen hierzu seine wundervolle Autobiografie („Things The Grandchildren Should Know“, dt. „Glückstage in der Hölle“). Dass er gelegentlich gern aufs Glatteis verführt, ist allerdings ebenfalls verbürgt. Daher lassen wir die Hintergründe offen und lauschen dem, was er da im Keller aufs Vierspurgerät gesungen hat.

Die Anhänger der flotteren, poppigeren Eels werden hier (wie schon auf dem Vorgänger) nicht allzu fündig werden. Die Songs sind rau und eckig, dazu meist recht einfach gehalten, oft nur ein trauriger Mann und seine Gitarre – wie exemplarisch das wunderschön-tieftraurige „End Times“ zeigt. Es kann auch mal statt der Klampfe das Klavier sein („A Line In The Dirt“), die Stimmung bleibt gedrückt. Nur selten wagt sich etwas mehr Power ins Gebälk, wie beim zackigen „Gone Man“ und beim zornig-schrägen „Unhinged“. Doch spätestens beim düsteren Albumhöhepunkt „Little Bird“ fließen dann fast die Tränen.

Als Album für Eels-Einsteiger ist „End Times“ nicht unbedingt zu empfehlen, schwelgen wir trotzdem mit Mr. E in der derzeitigen Melancholie und wünschen wir ihm und uns für die Zukunft (mehr) Glück und frohere Stunden.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. cade
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    26.1.2010 - 22:41 Uhr

    Auf Albumlänge ein doch sehr anstrengendes Trauerspiel. Man mag ihm nicht auf kompletter Distanz konzentriert folgen. Trotzdem natürlich wie immer klasse Songs