Nicht nur das Exciter-Forum fragt sich: Was ist los mit Deutschland und Duran Duran? International werden sie gefeiert und geachtet, hier heißt es immer wieder: „Ach ja, ,Wild Boys‘ war schon nett damals. Gut, dass mein Dudelradio das so oft spielt.“ Ob sich das mit dem neuen Album ändert, mag fraglich sein. Musikalisch gelungen ist „All You Need Is Now“ in jedem Falle.

In Großbritannien verkauft man riesige Hallen an mehreren Abenden in Folge hintereinander aus, hier reichte es zunächst nur zu einem (immerhin auch ausverkauften) Gig im kleinen, aber feinen Berliner Admiralspalast (mittlerweile wurden zwei Termine für Leipzig und München ergänzt). Da ist über die Jahrzehnte irgendetwas schief gelaufen, doch das soll jetzt nicht weiter das Thema sein. Wichtiger ist letztendlich doch: Wie klingt das neue Album?

Der Rezensent ist ja einer derjenigen, die das höchst umstrittene Vorgängeralbum Red Carpet Massacre ziemlich stark fanden. Warum das mit Hipsterhilfe von Timbaland (als er noch in war) und Timberlake aufgenommene Dance-Pop-Album nicht so recht einschlug, darüber rätseln die Experten noch (Falsche Singleauswahl? Doofe Hörer?), dieses Mal hat man jedenfalls wieder einmal eine Kehrtwende in eine ganz andere Richtung vollzogen. Und sich mit Mark Ronson erneut einen angesagten Partner ins Boot geholt.

Und Ronson hat seine Sache erwartungsgemäß ausgezeichnet gemacht. Einerseits fängt er einen klassischen Duran Duran Retro-Sound wie in den 80ern ein, lässt die Altmeister Rhodes und Taylor an Keyboard und Gitarre glänzen und Simon LeBon seine markante Stimme darüber erheben. Andererseits weiß Ronson aber auch, wo man moderne Elemente einflechten kann und muss, um so eine Scheibe frisch und aktuell zu halten.

Dazu war das (Team-)Songwriting offensichtlich in Höchstform, und somit gibt es tatsächlich einige neue Kandidaten für die nächste Best Of. Ob das der dynamisch und druckvoll ins Album startende Titelsong ist, das mit cineastischer Bridge aufwartende „Being Followed“ oder der Ohrwurm „Leave A Light On“. Doch das war erst das erste Drittel, die Gaststars kommen noch. Zum Beispiel Scissor Sister Ana Matronic, die „Safe (in the heat of the moment)“ das gewisse Etwas verleiht. Oder Streichergott Owen Pallett, der auf drei Stücken das tut, was er am besten kann. Auf einem dieser Stücke kommt dann noch Frau Kelis hinzu – und jener Song ist wohl der größte Geniestreich der Band seit ca. 18 Jahren: „The Man Who Stole A Leopard“. Wer hier nicht Gänsehaut bekommt, der ist womöglich schon tot und bekommt dann auch nicht mit, dass bis zum Ende hin Höhepunkte („Mediterranea“, „Runway Runaway“) zu entdecken sind.

Mit Duran Duran kann man also auch Raubtiere stehlen. Die, hm, Altmeister beweisen auf „All You Need Is Now“ eindrucksvoll – deutsche Charterfolge hin oder her –, dass man sie noch lange nicht abzuschreiben braucht.

(Addison)

P.S. Live hier: 26.05. Berlin, 18.07. Leipzig, 19.07. München, 20.07. Wien

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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9
Kommentare

  1. Bane
    9
    10.5.2011 - 17:46 Uhr

    kann mir trotzdem jemand erklären, warum die neuen Lieder nicht im Radio gespielt werden?

  2. Kris B.
    8
    22.4.2011 - 14:35 Uhr

    Allerdings darf man sich fragen, was mit Deutschland dahingehend los ist…

    Das betrifft im übrigen nicht nur Duran Duran. Es gibt wirklich einige Jungs & Mädels, die es verstehen „mitzugehen“, sich zu entwickeln & dabei sich selbst treu zu bleiben.

    Das ist für nicht wenige Musikliebhaber def. ein Problem. Duran Duran haben mit Mark Ronson auch die absolut richtige Produzentenwahl getroffen, wofür die Jungs auch immer wieder ein gutes Händchen haben (vorsichtig nehme ich Timbaland aus der Gleichung, das war okay – aber nicht der Knaller).

    Aktuelle Albuminhalte sind sehr empfehlenswert..

  3. Norman
    7
    20.4.2011 - 20:18 Uhr

    grandioses Album….

  4. Max Graf
    6
    19.4.2011 - 19:37 Uhr

    Ich war sehr überrascht von dem Album. Läuft neben den Hurts Album „Happiness“ bei mir im Dauereinsatz – das soll schon was heissen. Leider werden die Helden meiner Jugend bei uns schon immer unterschätzt („Ex-Teenie Band“). Ich finde das Album echt beeindruckend.

  5. 18.4.2011 - 7:00 Uhr

    es ist das Beste, was von den Jungs seit RIO abgeliefert wurde und ich freu mich auf die Konzerte!!!

  6. testcase
    4
    16.4.2011 - 21:34 Uhr

    Duran Duran ist was 80ies-Bands angeht fast mit A-Ha zu vergleichen – einfach exzellente Musiker, die aber die Elektronik nicht so zum Zentrum ihres Schaffens erhoben haben wie das bei DM der Fall war.
    Beim Schreiben von Lyrics und Noten aber einfach unheimlich talentiert!

  7. testcase
    3
    16.4.2011 - 21:29 Uhr

    Echt klasse Album – imho das beste Duran Duran Album daß es je gab.
    Das Songwriting ist Klasse und die Produktion ist angenehm retro!
    Macht mir Laune beim Hören.
    Meine favourites sind:
    1) The man who stole a leopard
    2) All you need is now
    3) Girl Panic (jedenfalls die Strophe)
    Aber das Album ist insgesamt gut!

    Live sind Duran für meine Ohren nicht ganz so doll, ich finde bei diesem Album haben sie genau den richtigen Produzenten gefunden.

  8. cora schuhmacher
    2
    16.4.2011 - 19:22 Uhr

    DD ist durchaus ein respektables Album gelungen. ich höre es gerne. druckvoll und doch ausgewogen.

  9. caddy79
    1
    15.4.2011 - 17:33 Uhr

    ick find die single nicht schlecht!hab sie mir bei youtube auf meine seite geladen!

    Und die sehen endlich aus wie Männer…

    Anm. d. Red.: Kommentar musste leicht gekürzt werden. Bitte keine solche Ausdrucksweise hier!