Neuvorstellung, Videopremiere und Interview

drangsal_jimrakete_SAM1139054Im Popmusikmutterland Großbritannien gibt es ja von der heiligen BBC jedes Jahr die Liste „Sound Of…“ mit den vielversprechendsten Newcomern. Das wäre doch auch mal was für die wenigen guten Radiosender hierzulande (Radio Eins, Flux FM…). Jedenfalls: Ein heißer Kandidat für den Spitzenplatz wäre Max Gruber alias Drangsal. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt und auch gleich noch die Premiere des ersten Videos für euch.

Die Tracks die wir aus dem am 22.04. erscheinenden Debütalbum „Harieschaim“ hören durften (fünf an der Zahl), lassen wirklich Großes erwarten. Da hat ein 22-Jähriger Morrissey und The Smiths mit der Muttermilch eingesogen, und auch andere große Namen kommen in den Sinn. Über seine Einflüsse berichtet Max uns gleich mehr, doch jetzt hört und seht euch doch bitte erst einmal das wunderbare „Allan Align“ an:

Und nun lassen wir den Künstler selbst zu Wort kommen:

dm.de: Ein sehr schönes Video zu „Allan Align“! Wer hatte die Idee zur Story?

Max: Vielen Dank. Die Idee ergab sich aus einigen Unterhaltungen und Telefongesprächen zwischen dem Regisseur Max Wiedenhofer und mir.

Besonders gefällt mir die Idee mit den Hostien…

Diese Szene wiederum ist ganz dem Regisseur geschuldet.

Und wie kommt man ausgerechnet auf Jenny Elvers?

Jenny war eine bewusste Wahl. Aus zuvor erwähnten Gesprächen zwischen Max, dem Regisseur, und Max, mir, kristallisierte sich relativ schnell heraus, wer diese Rolle tragen muss. Der Denkansatz war, jemanden zu casten, den man in solch einem Video von solch einem Künstler niemals erwarten würde und diese Person – ganz ohne Augenzwinkern – aus ihrem üblichen Umfeld loszulösen, zu „verkünsteln“. Natürlich ist Jenny medial vorbelastet, vielleicht scheint das unterbewusst in ihrem Charakter, den sie im Video spielt, durch. Alleine weil die Kombination so abstrus ist, musste ich es tun.

Das im Video zu sehende Tattoo „Viva Hate“ ist ein weiteres Indiz für die musikalische Orientierung, oder? Generell klingt das, was ich bisher hören durfte, ja – in einer spannenden Kombination mit der modernen Produktion – ordentlich nach alten Helden wie eben Morrissey/The Smiths, The Cure, Joy Division (ich hatte als ersten Eindruck – nur halb im Scherz – vom neuen Robert Curtis geschrieben). Sind das wesentliche Vorbilder/Einflüsse, und gibt es weitere Künstler, die besonders wichtig für dich sind?

Das haken wir mal unter Jugendsünden ab. Spaß beiseite, Morrissey und The Smiths waren für mich eine Zeit lang unfassbar wichtig, außerdem lass ich mir eh alles tätowieren. Eine Band zu entdecken ist auch immer ein Türöffner für weitere Acts und ich glaube, dass keine andere Gruppe in meinem Leben bis dato so einen Effekt auf meine weitere musikalische Entwicklung hatte, wie eben Morrissey oder The Smiths. Außer Prefab Sprout vielleicht. Oh, und Marilyn Manson.

Was die Leute stets schockiert, ist, dass ich weder The Cure noch Joy Division besonders viel oder besonders gerne gehört habe und höre. In der Zeit, in der die Songs für „Harieschaim“ entstanden, habe ich ausgiebig frühe Neue Deutsche Welle und klassischen New Wave, aber auch massig Metal gehört: Hans-a-plast, X-mal Deutschland, Östro 430, The Lotus Eaters, The House of Love, XTC, aber auch Bands wie Metallica, Megadeth, Primus, Tool und Pantera liefen rauf und runter.

Kannst du kurz den Sound deines Debütalbums beschreiben? Und wie groß ist die Aufregung, jetzt, so relativ kurz vor der Veröffentlichung?

Kurz und knapp: Brachialpop.

Ich bin nicht sonderlich aufgeregt. Ich freue mich natürlich immer noch sehr, dass ich überhaupt ein Album veröffentlichen darf, aber wichtig ist mir bloß, dass es mir und allen, die im Entstehungsprozess irgendwie involviert waren, gefällt. Wenn dann eben noch Leute dazu kommen, ist das das Größte. Und 100% zufrieden ist man als Künstler selbst natürlich eh nie. Mir gefällt immer das Neueste, an dem ich gerade arbeite, viel mehr.

Die Namen und Titel, von Drangsal über Harieschaim bis hin zu Wolpertinger oder Hinterkaifeck, sind ja allesamt recht eigenwillig. Woher stammt das alles?

Angefangen hat das eher zufällig und aus rein pragmatischen Gründen, dann verkam es aber schnell zu meinem persönlichen running gag. Wenn man seinen laufenden Arbeiten irgendwelche bürokratischen Titel wie beispielsweise „August_2015_Skizze_3“ gibt, kommt man irgendwann durcheinander, deshalb also die merkwürdigen Worte, die ich immer mal hier, mal da aufschnappe: Stadtteile, Straßennamen, Autobahnausfahrten, geschichtliche Ereignisse oder schlicht seltene Worte und Redewendungen – solche Dinge interessieren mich und stacheln die Zuhörer zudem zum Nachforschen an. Den Refrain oder ersten Satz im Song zum Titel zu machen, war mir oft etwas zu abgedroschen. Mittlerweile hab ich manchmal aber den Eindruck, ich zwinge mich fasst zu diesen komischen Titeln.

Wie kam es zum Tour-Support für die großartigen Kraftklub? Wie war es mit ihnen unterwegs zu sein, und wie kamen eure Auftritte bei deren Fans an?

Felix, seines Zeichens Sänger Kraftklubs, hat aus mir unerfindlichen Gründen schon sehr früh Lunte gerochen und andauernd gefragt, ob ich mit ihnen spielen wolle. Damals hatte ich bloß eine Hand voll fertige Songs und keine Band. Er hat dann immer mal wieder Konzerte von uns besucht und dieses Jahr hat irgendwie alles gepasst.

Die ganze Produktion drumherum ist natürlich unglaublich professionell und alleine schon deswegen war es interessant, dabei sein zu dürfen. Die Burschen samt ihrer Crew sind lieb und waren das auch zu uns. Ich bin bloß kleine Clubs gewohnt, deswegen tat ich mich anfangs bei der Kommunikation mit dem riesigen Publikum in solcher Ferne noch schwer. Ich glaube, ein paar Leuten hat es gut gefallen und ein paar eben nicht, wie das nunmal so ist. Die Erfahrung möchte ich nicht missen.

And finally, wie sind die weiteren Pläne für 2016? Gibt es bald ausführliche Tourdaten?

Spielen, spielen, spielen. Und das zweite Album fertig schreiben. Und überleben. Ausführliche Tourdaten folgen alsbald.

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www.soundcloud.com/diedrangsal

(Fotocredit: Jim Rakete)

Letzte Aktualisierung: 29.1.2016 (c) depechemode.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Berndl
    1
    1.2.2016 - 9:38 Uhr

    Das Outfit was er zum Beginn des Videos trägt hat mich doch gleich an Morrissey erinnert. Finde diese Jenny trotzdem ekelhaft und eine sehr schlechte Wahl für das Video.