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Auf Bpitch Control wird schon längst nicht mehr nur reiner Techno veröffentlicht. Davon zeugen zwei faszinierende Alben in diesem Herbst ganz besonders… äh, wem das bekannt vorkommt, der hat unsere Rezension zum Album von Aérea Negrot gelesen. Heute geht es nun um Dillon, die eine weitere dieser schwer kategorisierbaren Platten vorlegt, nach denen man süchtig werden kann.

Dominqiue Dillon De Byington, so lautet der komplette Name der 23-jährigen, die es irgendwann, irgendwie aus Brasilien nach Deutschland verschlagen hat und die seit über fünf Jahren an diesen Songs gearbeitet hat. Zunächst zu Hause, von wo aus ein paar YouTube-Videos um die Welt gingen und ihr erste Auftritte sowie Zusammenarbeiten mit so verschiedenen Künstlern wie Slut oder Coma verschafften.

Zwei Männer haben Dillon nun von Anfang 2010 bis kurz vor Mitte 2011 wesentlich unterstützt, indem sie mit ihr dieses Debütalbum aufgenommen haben: Thies Mynther (Stella, Phantom/Ghost, Das Bierbeben) und Tamer Fahri Özgönenc, seines Zeichens Mitglied der rundum empfehlenswerten MIT. Und dieser Produktion gelingt es, den zerbrechlichen, zurückhaltenden Charakter der Songs beizubehalten und gleichzeitig einen sehr vielschichtigen Sound hinzubekommen.

Was das für ein Sound ist? Hm, gute Frage. Nach dem ersten Stück, dem Titelsong, mag man minimalistische, fast dubsteppige Elektronik dazu sagen, doch schon das folgende, zauberhafte „Tip Tapping“ geht ganz woandershin. Hier klingt Dillons oft fast kindliche Stimme nach Lykke Li, dazu hört man Streicher, Tuba, Kinder und Geklappere. Im Folgenden dominiert dann oft das Klavier der Künstlerin, aber es werden immer wieder fremde Elemente in den melancholischen Kammerpop integriert (Marschtrommeln z.B., aber auch diverse Elektronika).

Und dann sind die Songs auch einfach richtig gut. „You Are My Winter“ hat z.B. fast etwas von Lamb. In der Mitte steht dann ein langes Instrumental („____________“), bei dem die Synthies immer bedrohlicher anschwellen. „From One To Six Hundred Kilometers“ ist eine hervorragende Elektroballade, „The Beau“ heitert die Stimmung mit seiner seltsamen Roboter-Kristall-Geschichte wieder auf. Erst ganz am Ende gibt es schließlich noch etwas Bpitch-Control-Style, wenn „Abrupt Clarity“ den Techno von der Leine lässt.

So erlebt man soundtechnisch und stimmungsmäßig ein Wechselbad der Gefühle und ist dabei fast durchgehend gebannt von diesem faszinierenden Debüt einer äußerst talentierten Künstlerin.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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