Decades - Secrecy Mit Secrecy legt das deutsche Synthiepop-Trio Decades, bestehend aus Sänger Stefan Leukert, Tastenmann Thomas Bleskin und Drummer Bert Paulikat sein zweites Album vor (Debüt-EP 2004, Debüt-Album 2005). Darauf ist zu hören, dass sich die Band, die schon Apoptygma Berzerk und Colony 5 supportete, weiterentwickelt hat. Der Liebhaber klassischen melodiösen Synthiepops (und weiter hinten nicht nur dieser) kann hier sicherlich fündig werden.

Die Sounds sind ausgefeilter, es steckt mehr Druck in der Produktion, die Songs sind abwechslungsreicher. Auch die englischen Texte sind erheblich besser geworden. Der Gesang ist wohl szenetypisch zu nennen, eine angenehm warme, tiefe Männerstimme, die allerdings in den Höhen manchmal so ihre Probleme bekommt.

Der erste Song „If„, eigentlich mehr ein Intro, beginnt mit einem Rauschen und Knistern, das Atmosphäre schafft. „Rat Star“ danach ist geradliniger Synthiepop. Die im Hintergrund des Refrains laufende Basslinie erinnert ein wenig an New Order (kein Wunder, ist die Band doch nach einem Song von Joy Division benannt). „Kite“ und „Motorcycle Ride“ bewegen sich in ähnlichen Bereichen, immer, wenn der Song zu sehr dahinplätschert, rettet ihn der Refrain gerade so. Das gelingt bei den „Summer Monkeys“ leider nicht. „Central Dazzling Starlight #2“ entwickelt dann mehr Tempo, verlässt aber auch die reichlich ausgetretenen Synthiepfade nicht.

An dieser Stelle hätte der Rezensent ein relativ vernichtendes oder zumindest gleichgültiges Fazit fassen können. Doch dann geht doch noch was, ja das Album kippt in eine ganz andere Richtung. „Chemicals“ fährt ein fettes Tanzflächenbrett auf, das richtig Spaß macht und ordentlich abgeht. Statt des Gesangs regiert hier der Vocoder, was an dieser Stelle sehr gut passt. Und danach folgt mit „100.000 Volts“ eine dunkle, stampfende Perle für die Clubs, deren Gesang schön dreckig verzerrt wurde. Hier könnte auch der Covenant-Fan mitwippen. Beim anschließenden „That Was Yesterday“ kehrt der klassische Gesang zurück, aber hier hält die anspruchsvollere Melodieführung die Spannung aufrecht. Bei „Undercover“ wird musikalisch und textlich eine düstere Stimmung aufgebaut. Schließlich folgt das finale „Black Humour„, das sich auf siebeneinhalb Minuten in verschiedenste elektronische Richtungen bewegt, anfangs druckvoll-temporeich, in der Mitte sphärisch und gegen Ende sogar noisig, fast industriallastig. Starkes Stück.

Was bleibt? Die erste Hälfte ist etwas für den Freund des Synthiepops ohne große Ansprüche, die zweite dagegen richtig interessante elektronische Musik. In dieser Richtung könnte es gern weitergehen.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Dannybsv
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    25.4.2007 - 23:42 Uhr

    Die Rezension hat mir genauso gut gefallen wie das Album. Allerdings bin ich wohl eher der Kategorie „Synthie-Pop-Fan ohne große Ansprüche“ zuzuordnen, da die erste Hälfte des Albums deutlich mehr meinen Geschmack trifft.

    Mit „Motorcycle Ride“ befindet sich aus meiner Sicht sogar ein echter Hit auf der CD – ein leichter, unbekümmerter Popsong mit Gute-Laune Faktor und einem Refrain, der sofort ins Ohr geht.

    Ab Track 7 wird die ganze Geschichte, wie vom Rezensenten bereits angemerkt, etwas experimenteller, wobei „100.000 Volts“ und „That was yesterday“ hervorstechen und selbst mir als „anspruchslosem Synthie-Pop-Fan“ ;-) gefallen.

    Gegenüber der ersten CD hat sich die Band weiterentwickelt und fährt nunmehr abwechslungsreichere Geschütze auf. Gut so ! 8 von 10 Punkten von mir.