Wenn einer der derzeit größten Acts der elektronischen Musik weltweit und einer der meisterwarteten Filme der letzten Zeit zusammenkommen, dann ist uns das nicht nur eine Nachricht, sondern aufgrund der außergewöhnlichen Klasse auch ein Album des Monats wert. Helmpflicht!

Zu den Herren Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo muss man nicht mehr viel erzählen. Ein frühes Meisterwerk mit „Homework“, später große Chartserfolge weltweit (auch wenn musikalisch zuletzt nicht alles sooo spannend war) – und dabei immer eine gewisse Anonymität gewahrt. Da kommt den beiden eine Neugestaltung ihrer charakteristischen Helme doch ganz recht, nämlich in der cyberblauen Tron-Optik.

Tron – ein revolutionärer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1982 (aus dem mit Blade Runner noch ein im Geiste verwandter Geniestreich stammt). Der vieles vorwegnahm, was in diesen computerbestimmten Zeiten unseren Alltag bestimmt. Der außerdem auch optisch Maßstäbe setzte. Dieser Film bekommt nun seine lange ersehnte Fortsetzung. Am 27.01. startet Tron: Legacy in unseren Kinos, natürlich in 3D und mit einem digital in die Jugend zurückversetzten Jeff Bridges. Die Trailer und Ausschnitte versprechen Großes – und der Soundtrack dazu ist schlicht genial.

Beim damaligen Tron sorgte keine Geringere als eine Pionierin der elektronischen Musik für die passende Untermalung, nämlich Wendy Carlos (vormals: Walter Carlos), die noch bei Meister Moog persönlich gelernt hatte. Die Latte lag also hoch für ein möglichst gleichwertiges musikalisches Äquivalent in 2011.

Doch Daft Punk erfüllen die in sie gesetzten Hoffnungen auf ganzer Länge. Der normale Daft-Punk-Fan sei gewarnt: Dies ist kein für die Band typisches Album, dies ist wirklich ein richtiger Filmsoundtrack. Keine Radiohits, keine Stimmen (von ein paar Sprachschnipseln mit Jeff Bridges abgesehen). Stattdessen wird mit Hilfe eines 100-köpfigen Sinfonieorchesters – und natürlich mit viel Elektronik – eine atmosphärische Filmmusik geschaffen, die im Kino perfekte Untermalung bieten wird, die aber auch für sich stehen kann.

Also: Kopfhörer auf, und ab geht’s in den Zentralcomputer. Es gibt unter den 22 perfekt abgestimmten Stücken dramatische Momente („Adagio For Tron“), elektronische Träumereien („The Son Of Flynn“, „Disc Wars„) und natürlich synthesizergetriebene Tempofahrten (v.a. das am ehesten nach klassischen Daft Punk klingende „Derezzed“, zusammen mit dem vorhergehenden „End Of Line“). Und absolut kein Datenmüll, also Füllmaterial, zu entdecken.

Wenn der Film so gut wird wie der Soundtrack, ist eines der Highlights des Kinojahres gesichert. Es sollte verwundern, wenn auf dieser Schiene nicht noch mehr von Daft Punk käme.

(Addison)

P.S. Auf der CD sind außerdem Filmtrailer, Fotos und ein Musikvideo. Gibt’s übrigens auch als Limited Edition mit Bonus-CD (weitere fünf Tracks, mehr Videos).

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www.tronlegacy.emiexperience.com
www.disney.de/tron

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. testcase
    2
    16.1.2011 - 19:58 Uhr

    p.s. sorry daß ich meinen Beitraq nochmal gepostet habe, der erste Versuch hatte unglaublich viele Rechtschreibprobleme *rotwerd*
    Vielleicht kann sich ja jemand erbarmen und ihn löschen *:) 8) :)

  2. testcase
    1
    16.1.2011 - 19:55 Uhr

    Der Soundtrack ist wirklich gut, eine Art Mischung aus Daft Punk/House und Anklängen an Philipp Glass mit den Posaunen von Hans Zimmer.

    Die Musik ist allerdings vergleichsweise glatt, die märchenhafte abgedrehte “Plastik-Klassik” mit der Herr/Frau(!) Carlos den Originalfilm untermalte ist und bleibt – ebenso wie der Film von 1982 – einzigartig.


    Der neue Tron ist schon unterhaltsam, wirkt aber so als hätte der SciFi-Fantasiegaul nicht genug Auslauf bekommen: Selbst das im Artikel verlinkte kurze Video zu Daft Punk’s “Derezzed” was eigenständige Vision betrifft mehr zu bieten als der ganze Film.
    
Plot und dramatischer Inhalt sind doch stark an bekannten Standards ausgerichtet (Matrix, Star Wars, etc.) und an Figuren/Szenen angelehnt, die man in anderer Optik alle schonmal (teilweise gefühlte 1000mal) gesehen hat – ob man da aus kommerziellen Gründen umkalkuliert hat?
    
Ein neuer Durchbruch wie das Original ist es jedenfalls nicht.
    Aber der Soundtrack (auch gerade die Kombination mit den elektronischen Effekten des Films) ist doch sehr gut gemacht, da gibt es nix zu meckern.
    Was mich am Film übrigens gestört hat ist daß alles was nach Camp aussieht, alle quasi-schwulen Beziehungen/Gefühle und tuntiges Benehmen zuverlässig zum ableben der betreffenden Figur führten, und sogar der Club in dem Daft Punk im Film auftreten wird am Ende “in die Luft gesprengt”. 
Da scheint sich in Hollywood in den letzten 28 Jahren doch einiges zum negativen/konservativen hin entwickelt zu haben.
 Es gab jedenfalls Momente in denen ich es schade fand, daß Daft Punk sich offensichtlich um die gesellschaftspolitischen Untertöne und die durchgehende Macho-Attitüde des Films wenig geschehrt haben.