Ich weiß, Vergleiche, Vergleiche, Blindschleiche… aber was soll man machen, wenn doch nun auch Belgien unbedingt einen Vertreter in die Joy-Division-Interpol-Editors-Liga entsenden muss? Und wenn dieser auch noch mit so einer dreisten, aber auch unverschämt eingängigen Platte daherkommt?

Kristof Uitebroek und seine Mannen sind keine kleinen Jungs mehr, aber als Customs haben sie sich erst im Jahr 2008 zusammengefunden. Dann ging die Geschichte jedoch in Höchstgeschwindigkeit weiter. Wettbewerb bei belgischem Radiosender, Begeisterung bei den Hörern, Album allein aufgenommen, festgestellt, dass das so preiswert war, dass die Kasse ein teures Mastering in den legendären Abbey Road Studios hergibt, goldene Schallplatte (in Belgien). Und Holland wackelt auch bereits.

Puh, durchpusten. Nun der Rest der Welt! „Enter The Characters“ macht es leicht, die Musik zu beschreiben. Klassischer und äußerst flotter New Wave ist das. Allerdings unmöglich zu erklären ohne die obigen Kollegen zu nennen. Wobei man Joy Division natürlich immer aufzählt, auch wenn die jüngeren Bands nicht ansatzweise deren Düsternis und Rohheit bieten (wollen). Daher sind Interpol (in ihren simpleren Momenten), Editors (auf ihrem Debüt) oder auch die hier mal ausdrücklich zu empfehlenden Catpeople aus Spanien eher Anhaltspunkte. Spätestens, wenn man „Tonight We All Stand Out“gehört hat, ergänzt man auch noch The Cure.

Probleme damit? Nun ja, mehr Eigenständigkeit können sich die Belgier ja fürs zweite Album vornehmen. Vielleicht auch etwas mehr Abwechslung in Sound und vor allem Tempo, denn die meisten Stücke gehen doch sehr geradlinig 1-2-3-4-auf-den-Tanzflur.

Doch genug gemosert: Ansonsten gibt es hier glitzerglänzende Hitkandidaten en masse. Vom zackigen Single-Trio „The Matador“, „Justine“ und „Rex“ über das endlich mal etwas zurückgenommene und einfühlsame „Violence“ zurück zum tanzbaren „Talk More Nonsense“ bis hin zur Ballade „There’s Always Room For One More Poledance“, da sind ein Haufen Perlen für die gute Playlist drauf. Auf jeden Fall ein prima Debüt!

(Addison)

P.S. Customs live: 23.09. Köln – 24.09. Hamburg – 25.09. Berlin

Customs – The Matador from noisesome recordings on Vimeo.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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