crystal_iii

Was, die Welt ist gar nicht letzte Woche untergegangen?! Na ein Glück, dass wir vorsorglich doch ein paar Geschenke besorgt hatten! Obwohl – einen passenden Soundtrack zum Untergang hätten wir parat gehabt. Das dritte Album dieser verrückten Kanadier nämlich.

Nach ihrem Debüt von 2008 hatten wir Alice Glass und Ethan Kath ein wenig aus den Augen verloren. Damals hielt das Album dem Vorab-Hype zwar nicht ganz stand, hatte aber doch ein paar schicke Hits und einen herrlichen Sound zwischen alten C64-/Amiga-Spielesoundtracks á la Chris Hülsbeck und einer Mensch gewordenen Motorsäge. Das zweite Album verschob die Regler ein wenig in geordnetere Bahnen und ein schönes Duett mit Robert Smith gab es auch. Und nun: Sind die Kritiker hierzulande zum Teil überkritisch, während man „III“ im Ausland abfeiert.

Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Auf Albumlänge reicht es vielleicht immer noch nicht zum gaaanz großen Wurf, aber die Kristallburgen kommen der Sache immer näher. Glass schreit mittlerweile weniger wie angestochen herum (kommt aber noch vor, gegen Zuckerschock hilft „Insulin“), es gibt also mehr Gesang, wenn auch verhallt und gern im Mix versteckt. Die Attacken auf Trommelfelle und Hörgewohnheiten sind seltener geworden, was sich auf den Albumfluss positiv auswirkt. Andererseits werden manchem Fan Attacken wie „Alice Practice“ fehlen. Tja.

Dafür hat Kath hier wohl seine bisher beste Synthesizerarbeit geleistet. Schräge Sounds ziehen sich nach wie vor durch die Songs, aber es gibt mehr mitreißende Beats und Melodien als zuvor. Dabei können die Stücke sowohl hypnotisch durch den Cybernebel wabern wie bei „Plague“, Elemente des Witch House verdrehen („Kerosene“), aber auch fast wie gute, alte Wavestücke klingen („Wrath Of God“). Was nur der Anfang des Albums ist. Es geht sogar fast balladesk featuring 90’s Sounds („Affection“) oder gar rave-hymnenhaft – wodurch „Sad Eyes“ sogar so etwas wie ein Hit werden könnte. Und die Qualität hält sich bis zum Schluss, wie das starke „Telepath“ und der verträumte Schluss „Child I Will Hurt You“ beweisen.

Ja, manche halten die Beschreibung eines Albums als Grower für einen Euphemismus für Schönhörerei. Doch wir sehen das anders: „III“ ist ein Grower, nehmt euch ruhig mal die Zeit dafür! Bis zum nächsten Weltuntergang ist noch etwas Zeit.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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