Ein Fall von absolut zutreffendem Albumtitel. Das Electro-Produzenten-Duo aus Mailand versammelt auf seinem lange erwarteten Debütalbum eine stolze Menge von Gastauftritten, von Kelis über Roisin Murphy bis hin zu Soulwax. Heraus kommt ein Album des Monats, das weniger ein Album ist, als eine Ansammlung von Tanzflächenhits.

Phra und Bot nennen sich die beiden, die seit 2003 zusammen arbeiten und bereits damals entdeckten, dass sie sowohl House als auch Hip Hop und darüber hinaus verdrehten, bevorzugt bassdominierten Electro mögen. Also machte man sich daran, seinen eigenen Stilmix daraus zu schrauben. Erste Remixe entstanden, die ihre Auffassung von Rave untermauerten. U.a. ließen die Chemical Brothers ihren “Salmon Dance” bearbeiten, und dann gab es mit Kid Cudi einen Hit, der weltweit in den Danceclubs abräumte (“Day N Nite”, hier überraschend nur als A Cappella Version enthalten).

Nun also endlich das Albumdebüt. Doch, wie angedeutet, als Album funktioniert “Tons Of Friends” eigentlich gar nicht. Jede Kollaboration hat ihren eigenen Stil und zielt auf den Hit, nahezu alle 20 (!) Stücke gehen 4-to-the-floor bzw. voll-auf-die-12, und das hält man in seiner offensiven Heterogenität auf Albumlänge kaum aus und durch. Betrachten wir das Ganze also eher wie eine Best Of oder eine Auswahl an Tracks, die man in einem Club hören wollen würde.

Und da zeigt sich dann die Stärke der Crookers. Diese Stücke möchte man fast alle im Club hören und/oder dazu tanzen. Die Gäste bringen ihren eigenen Stil ein und die Crookers bauen saftige Beats dazu. So gibt es zahlreiche Höhepunkte. Zu denen muss man unbedingt die Zusammenarbeit mit der stets grandiosen Roisin Murphy zählen, die gleich für zwei Songs reichte – “Hold Up Your Hand” hätte mit seinen clever verschleppten Beats auch auf eines ihrer Soloalben gepasst, während der fantastische Tanzkracher “Royal T” gut zu ihrer damaligen Band Moloko gepasst hätte.

Wo wir gerade bei starken Frauen sind: Kelis (demnächst mit neuem Album am Start) überzeugt ebenfalls auf dem satten Stoßdämpferwackler “No Security”, während die Französin Yelle auf “Cooler Couleur” eines der poppigen Highlights setzt. Und wo wir beim Pop sind – die schwedischen Pop-Experten Miike Snow lassen mit “Remedy” einen weiteren Hit vom Stapel.

Ansonsten viel Futter für die Zeit, wenn die Tanzflächen rappelvoll sind und es bleiben sollen – Soulwax meinen “We Love Animals”, Major Lazer fordern in knallharter Eurodance-Manier “Jump Up” und auch der isländische Geheimtipp Steed Lord liefert Dance vom Feinsten (“Transilvania”). Weiterhin tangiert man Dancehall, Dubstep und mehr, und es gibt ein paar hip-hop-lastige Beiträge, gelungene mit Spank Rock oder Rye Rye , aber auch verzichtbare, wie der Track mit Will I Am. Kurz vor Schluss lässt Charlatans-Sänger Tim Burgess sogar noch den Blues-Wolf heraus.

Eine Platte voller zum Tanz zwingender Partykracher, die zwar kein richtiges Album ergibt, aber im Einzelnen irrsinnige Hitqualitäten beinhaltet. Muss man auch erst mal schaffen.

(Addison)

P.S. Live im Sommer u.a. auf dem Melt! Festival!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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