CovenantVier Jahre sind mittlerweile seit „Northern Light“ ins musikalische Land gezogen, in denen es recht ruhig um die drei Schweden von Covenant war. Am 03.03.2006 erscheint nun endlich das lang erwartete Album „Skyshaper“. Zuvor, am 20.01.2006, wird der auf 5000 Einheiten limitierte Vorbote, die „Ritual Noise E.P.“, veröffentlicht werden. Damit nicht genug, sind Covenant ab 02.02.06 zusammen mit Client und Rotersand auf ausgedehnter Deutschland- und Europatournee. Dies war für uns Anlaß, ein ausführliches Interview mit Covenant zu führen.

Zusammen mit dem Interview haben wir von der Band noch exklusive Studio-Fotos erhalten, die wir euch auf Grund der derzeitigen Zugriffszahlen auf dm.de und dem damit verbundenen Datenvolumen erst in wenigen Wochen nachreichen werden bzw. können.

Mittlerweile sind drei einhalb Jahre seit eurer letzten LP „Northern Light“ vergangen. Was habt ihr in der Zeit so gemacht?

Joakim: Was kann ich sagen… Die Zeit fliegt geradezu an einem vorbei. Sie ist ein Geschoss in deinem Rücken, weißt du. ;-) Wir waren sehr beschäftigt mit anderen, nicht musikalischen Projekten. Eskil hat sein Physik-Maschinenbau Studium beendet und sein Examen gemacht. Ich habe viel Zeit mit Schreiben und Reisen verbracht, und Clas hat einen sehr fordernden Job. Dennoch haben wir die gesamte Zeit auch Musik gemacht. Einiges davon ist auch auf „Skyshaper“ zu hören, andere Tracks werden vielleicht irgendwann mal veröffentlicht.

Wann habt ihr mit dem Schreiben neuer Songs begonnen? Welcher Song auf „Skyshaper“ war der erste Track, den ihr fertig hattet?

Joakim: Wie ich bereits sagte, haben wir die gesamte Zeit über neue Songs geschrieben. Die gezielten und intensiven Arbeiten an „Skyshaper“ haben aber vor ca. einem Jahr begonnen. Das Erste, was wir gemacht haben, war, alle unsere Ideen zu prüfen und dann zu sortieren. Letztendlich haben wir aus allen vorhandenen Songs diejenigen ausgesucht, an die wir am meisten geglaubt haben. Es hat viel Arbeit und Zeit gekostet, um den berühmten „Roten Faden“ für das Album zu finden. Wir hatten um die 50 Songs, als wir mit den konkreten Arbeiten an „Skyshaper“ begonnen hatten. Nach einer Weile hatten wir aber keinen einzigen Track mehr. Wir haben also ein paar neue Songs geschrieben, und plötzlich hatte sich die Richtung gänzlich geändert. Das ging eine ganze Weile so, und das Durcheinander war letztendlich komplett. Wir alle drei hatten verschiedene Ideen, wie unsere Musik klingen sollte.

Eben dieses Durcheinander konnte man zu jener Zeit in unserer Musik hören. Wir mussten letztendlich akzeptieren, dass sich Skyshaper von alleine entwickeln würde, also mussten wir uns auch darauf einlassen. Wir haben also alle unsere Egos außen vor gelassen und uns auf die Tracks konzentriert, die am meisten Potential inne hatten und bei denen man eine gewisse interessante Entwicklung im weiteren Verlauf der Produktion erwarten konnte. Das war eindeutig die beste Entscheidung, die wir für „Skyshaper“ treffen konnten.

Nachdem wir der Macht der Musik nachgegeben hatten, übernahmen wir einfach die Rolle von „Verkehrslotsen“; wir passten auf, dass sich keine größeren Unfälle ereigneten, während wir die Songs das werden ließen, was sie werden wollten. „Greater than the sun“ ist auf dem Album noch am ehesten ein Song, der wie seine ursprüngliche Idee klingt.

Kann man „Skyshaper“ als eine Art „Konzept-LP“ bezeichnen?

Joakim: Nein.

Ihr habt mittlerweile 5 Studio LP’S veröffentlicht. Skyshaper ist Nr. 6. Kannst du uns einen Einblick in den Arbeitsprozess bei eurer ersten LP „Dreams Of A Cryotank“ geben? Was hat sich seit dem hauptsächlich geändert? Benutzt ihr auch heute noch euer altes Equipment? Denkst Du selber, dass die Art und Weise, wie ihr heute Musik produziert wesentlich professioneller ist, als z.B. 1994?

Joakim: Natürlich haben sich unsere Arbeitsmethoden eine Menge verändert im Laufe der Jahre. Als wir „Dreams Of A Cryotank“ produzierten, hatten wir keine Ahnung, was wir da eigentlich machten. Heute, zwölf Jahre später, wissen wir was wir tun. Dennoch ist es immer noch entsetzlich schwer Musik zu machen. Es ist sogar noch härter, weil mit der Erfahrung wesentlich mehr Möglichkeiten hinzukommen.

Es sind unendlich viele Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen die nicht länger auf Notwendigkeiten basieren, sondern eher auf vagen Ideen, wie Musik sein sollte. Als wir damals „DoaC“ aufnahmen, hatten wir einen 8-Track Analogue Tape Recorder, einige eher schrottige Synths und Sampler, sowie einen Atari Computer. Heutzutage haben wir ein Stae-of-the-art-Studio, in dem wir alles Vorstellbare machen können. Was sowohl ein Segen, als auch ein Fluch ist. Damals mussten wir jedes Bisschen an gutem Sound aus den wenigen Dingen quetschen, die wir hatten. Ein Prozess, der frustrierend, aber sehr kreativ war. Heute können wir einfach die Maschine oder Software aussuchen, die am besten zur anstehenden Aufgabe passt und sie benutzen, wie sie ist. Aber was geschieht, wenn wir stattdessen eine andere verwenden? Oder beide zusammen? Oder etwas komplett Verschiedenes? All die Möglichkeiten lassen die Entscheidungsfindung zu einem langen und wichtigen Prozess werden.

Also: Ja, es ist unendlich professioneller geworden, aber ich bin nicht vollständig überzeugt, dass das besser ist. Es klingt natürlich viel besser, und es ist die pure Freude, in einem Studio zu arbeiten, das aussieht und sich anfühlt wie die Kommandobrücke eines Raumschiffs. Trotzdem ist da ein Teil von mir, der die Befriedigung vermisst, aus unserem billigen, alten Equipment etwas herauszukitzeln, das wie nichts anderes klingt. Ich erinnere mich, dass wir in dem kurzen Vokalpart in „Cryotank expansion“ einen „Darth Vader“-Effekt für Eskil einbauen wollten. Um das zu erreichen, nahmen wir seine Stimme auf Band auf, schickten sie durch einen Gitarreneffekt, der sich „Octaver“ nannte, dann durch einen Pitch-Shifter, einen Chorus und zurück aufs Band. Anschließend sampelten wir das Ganze durch eine Lärmreduktionseinheit und nahmen es in Echtzeit über die Musik darüber auf. Heute würde das gleiche Ergebnis nur ein paar Mausklicks erfordern. Das ist cool, aber es gibt dir nicht die Befriedigung, eine Arbeit gut erledigt zu haben.

Was war euer Hauptequipment während der Aufnahmen von „Skyshaper“? Ich habe die Snippets auf eurer Webpage gehört und den Eindruck bekommen, dass ihr einige Analogsynths benutzt habt.

Joakim: Aus verschiedenen Gründen werden analoge Synths derzeit unglaublich gehypt. Analoges Equipment generell. Und wir stimmen zu, dass analoge Geräte etwas Klassisches und „reales“ in ihrem Sound haben, das einem Großteil der Software und Digitalsynths fehlt. Aber nur alte Geräte zu benutzen, wird mit der Zeit sehr langweilig. Da sind so viele Dinge, die sie einfach nicht können.
Wir haben immer analoge Synths benutzt, ebenso wie digitale und virtuelle analoge. Jede Art von Technologie hat ihre Vor- und Nachteile. Unser Sound ist definitiv das Ergebnis aus einer Mischung von allem.

Wir benutzen außerdem eine große Auswahl an Software-Synths und Samplern.
Wir haben einen Moog Voyager, Korg MS-20, Sequential Circuits Pro-One, Waldorf Pulse und eine Handvoll alte Rolands für die analogen Parts. Sie haben alle den einzigartigen Charakter eines „Klassikes“. Wie alle analogen Synths sind sie ein wenig begrenzt in ihren Möglichkeiten, aber wenn du nach einem bestimmten Sound suchst, sind sie sehr nützlich. Wir benutzen auch moderne virtuelle Analogmaschinen, wie die Clavia Nord-Reihe (NordLead, Modular und Modular G2), Access Virus und Waldorf Q. Digitale wie Waldorf Microwave XT, Yamaha DX7 und die Workstations Korg Triton, Roland Fantom und JV-1080 erweisen sich ebenfalls immer als hilfreich.

Das Sampling und die besonders schrägen Sounds werden mit Software erzeugt: Reaktor, Kontakt, Absynth, Crystal, QuadraSID, Z3ta+ sowie eine Menge aufregender Freeware-Synths und –Effekte.

Woher bekommt ihr Inspirationen für neue Tracks? Gibt es bestimmte Ereignisse oder etwas ähnliches?

Joakim: Inspiration kann von überall kommen. Etwas, das passiert ist oder von dem wir gewünscht hätten, dass es passiert wäre. Träume. Musik. Clubbing. Mitternachtsschwimmen. Zweifel und Verzweiflung. Ein großartiges Buch oder ein toller Film. Leidenschaft. Frustration oder Glück. Alles, was eine emotionale Reaktion hervorruft und unsere Vorstellungskraft anregt, kann in Musik transformiert werden.

Abgesehen davon… warum wurde das Veröffentlichungsdatum nach 2006 verschoben? Gab es besondere Gründe dafür, oder ist das nur „Marketing“-Strategie?

JoakimEs ist keine Marketing-Stategie. Die schlichte Wahrheit ist, dass wir mehr Zeit gebraucht haben, als wir ursprünglich geplant hatten, um das Album fertig zu stellen. Und jetzt, da wir das Album endlich abgeliefert haben, brauchen unsere Labels eine bestimmte Zeit, um den Vertrieb und die ganzen logistischen Dinge zu erledigen.

Erinnert ihr euch, welche Art von Musik euch beeinflusst hat, von der Mitte der 90er Jahre bis jetzt? Gibt es da Unterschiede? Welche Musik (oder Band) bevorzugt ihr derzeit?

Joakim: Mitte der 90er waren wir schwer beeinflusst von Dance-Musik. Die ganze Zeit war die Untergrund-Club-Szene unglaublich dynamisch und entwicklungsfreudig. Eine Explosion von Kreativität. Sie ist immer noch sehr fortschrittlich, aber nicht mehr in dem Maße. Über die Jahre hinweg betrachtet, ist es wohl keine Übertreibung zu sagen, dass wir nahezu alle Arten von Musik gehört und uns davon inspirieren lassen haben. Tausende von Bands und Künstlern. Alles von Chart-Pop und R’n’B bis hin zu obskuren und experimentellen Künstlern. Von Bach bis Public Enemy, Johnny Cash bis Chicks On Speed, King Tubby und Britney Spears bis Bauhaus und Boyd Rice, Samba bis Grindcore und Doom Metal. Wir leben und atmen Musik ohne Vorurteile. Es ist unmöglich, irgendwelche bestimmten Favoriten herauszupicken. Da sind zu viele. Jetzt gerade höre ich „Pop Ambient 2006“, eine Compilation des deutschen Labels Kompakt. Exzellente Musik um 4.30 Uhr morgens.

Ich war sehr beeindruckt, als ich gelesen habe, dass Client und Rotersand euer Support auf der Tour sein werden. Beides sind ausgezeichnete Bands. Mögt ihr deren Musik? War es eure Entscheidung, sie mit auf Tour zu nehmen?

Joakim: Natürlich mögen wir ihre Musik. Ansonsten würden wir nicht mit ihnen auf Tour gehen. Wir wählen unsere Supportbands immer selbst aus. Diese Zusammensetzung bringt dem Publikum drei sehr unterschiedliche Bands, und wir denken, die Kombination wird eine großartige Erfahrung für den ganzen Abend.

Eine andere Frage: In den 90ern habt ihr mehr oder weniger zur gleichen Zeit mit elektrinischer Musik angefangen wie Apoptygma Berzerk. Diese haben nun ihren Stil verändert, habt ihr das letzte Album „You and me against the world“ gehört? Wenn ja, hat es euch gefallen?

Joakim: Die meisten der aktuell populären Bands aus der Szene haben ungefähr zur gleichen Zeit angefangen. Ich habe Apop’s neues Album gehört und war ein bisschen überrascht. Wie auch immer, als kreative Person muss man sich weiter entwickeln und neue Sachen ausprobieren. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob mir der Weg, den Stephan mit seiner Musik eingeschlagen hat, gefällt, aber meine Meinung ist unbedeutend. So lange er das macht, von dem er fühlt, dass es richtig ist, bin ich dafür. Er ist ein Freund und eine kreative Kraft, der ich eine Menge Respekt zolle. Ich hoffe, die „neuen“ Apoptygma Berzerk werden sich eines großen Erfolges erfreuen.

Letzte Frage: Welcher Song auf “Skyshaper” ist euer Favorit und warum?

Joakim: Ich sage immer, alle Songs von allen Alben sind meine Lieblingssongs. Das hängt von meiner Stimmung im jeweiligen Moment ab. Es macht mich stolz, sagen zu können, dass wir, meiner Meinung nach, niemals einen schlechten Song veröffentlicht haben. Wir geben uns sehr viel Mühe, stecken eine Menge Arbeit hinein und würden nie etwas herausbringen, was uns selbst nicht gefiele. Also ist der „Lieblingssong“ unmöglich auszuwählen. Im Moment würde ich sagen, „The world is growing loud“, der letzte Track auf „Skyshaper“ ist mein Favorit. Aber den Grund dafür behalte ich für mich.

Vielen Dank für das Interview und die besten Wünsche für „Skyshaper“!

Joakim: Danke und ich hoffe, man sieht sich auf der Tour!

Eine ausführliche Rezension zum Album und zur Single gibt es demnächst auf dm.de!

An dieser Stelle noch einmal DANKE an Stefan Herwig, Eric Burton und Addison. :-)

RITUAL NOISE limited E.P. bestellen.

Covenant – offizielle Seite.

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Kommentare

  1. andy bell
    4
    20.1.2006 - 12:36 Uhr

    Hört sich gut an das Album…

    Habt ihr gut gemacht, und ich freue mich aufs Album und die Tour…

  2. pretty boy
    3
    19.1.2006 - 13:06 Uhr

    COVENANT IST SOOOOOO GENIAL!!!
    erst Depeche Mode Live gesehen und nun folgt demnächst Teil 2. mit Covenant, Electroherz was will man mehr!!!

  3. 19.1.2006 - 8:24 Uhr

    fehler behoben… danke für den hinweis!

    ronny

  4. 18.1.2006 - 23:36 Uhr

    Sehr schönes Interview… nur lautet die Adresse des offizielles COVENANT-Seite http://www.covenant.se ;-)