Intelligenten Electropop aus Deutschland gibt es nicht? Doch, gibt es. Mitreißende, tanzbare Musik und komplexe, ja literarische Texte, das geht nicht? Doch, das geht. Ja, wo denn? Na hier, im Brockdorff Klang Labor! Willkommen zur „Fälschung der Welt“!

Anfang 2008 hatten wir dieses Trio – bestehend aus Nadja von Brockdorff, Sergej Klang und Ekki Labor – schon einmal vorgestellt. Mit ihrem Debüt „Mädchenmusik“ machten sie, von Leipzig aus, starken Eindruck mit ihrem frischen Ansatz im Bereich elektronischer Popmusik. Tanzbar, eingängig, dabei äußerst zitatfreudig, zwischen New Order, Depeche Mode, Client, Ladytron, The Smiths und vielen anderen, und mit Texten, die zahlreiche Zeilen fürs persönliche Merkheftchen lieferten.

Es hat eine Weile gedauert bis zum Nachfolger, aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Die Sounds sind noch ein bisschen ausgefeilter geworden, von der Band mit Unterstützung von Tobias Levin und Bob Humid satt produziert und fast durchweg tanzbar. Das ist ja auch nicht zu unterschätzen, man kann dieses Album einfach als eingängigen Electropop hören und im Club zu den vielen eingängigen Stücke hier tanzen, ohne sich groß mit den Hintergründen zu beschäftigen.

Das mag auch völlig okay sein, aber wer darüber hinaus ab und zu an Inhalten interessiert ist, kann hier so viel mehr entdecken. Da fallen Namen, die im Popkontext eher selten auftauchen, und da werden auch hochpolitische Themen mit sehr klugen Zeilen behandelt. Zum Auftakt wird beispielsweise der französische Künstler und Kapitalismuskritiker „Debord“ zum Namensgeber, und Zeilen wie „Feiert den Schein, das Klischee, die Kopie!… Zähl deine Freunde, bewerte mein Lied. Sing einen Text, der nichts sagt!“ kann man sich gleich einrahmen (wobei man da bei diesem Album viele Rahmen bräuchte).

Der „Sad-Eyed Punk“ (für das zugehörige 3D-Video – wenn es denn mal fertig wird – liegt dem Album übrigens, ebenso wie fürs Cover, eine 3D-Brille bei, man ist ja auch für spaßige Ideen offen) wird leicht desillusioniert und doch aufbruchsfroh zum (gemeinsamen?) Verlassen des Landes aufgefordert, während „1989“ mit einem der wohl wunderbarsten Texte zum Thema Mauerfall aufwartet. „Zwischen Hoffnung und Angst…“, wie wahr. Und das, wir wiederholen es gern, zu herrlichem Electropop.

Weiter gelingt es, die Welten von Dramatikern wie Jean Genet mit einem augenzwinkernden Verweis auf Tony Marshall oder auch Hunter S. Thompson und Christa Wolf unter einen Hut zu bekommen. Aber auch die puren Schwierigkeiten des modernen Alltags lassen sich mit pumpenden Bässen versehen („Wortdickicht“), und man kann es auch gebremst und melancholisch wie im Titelsong. Wer noch tiefer einsteigen möchte, dem sei das interessante EPK zum Album empfohlen.

Wir könnten jetzt endlos weiterloben, aber der Leser sollte sich stattdessen lieber auf den Weg zum Plattendealer seines Vertrauens machen um dieses zauberhafte Album zu erwerben. Nur eines noch, apropos endlos: Der finale Song (vor dem Bonusmaterial) stellt noch ein absolutes Highlight dar – „Festung Europa“, düsterer Inhalt – und ein geschickt verwobenes Kraftwerk-Zitat (genau, „Europa endlos“). So, nun aber los!

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P.S. Und hier noch die Livetermine: 09.11.12 Aachen – 24.11.12 Tübingen – 06.12.12 Erfurt – 07.12.12 Leipzig – 14.12.12 Halle – 15.12.12 Potsdam – 18.01.13 Stuttgart – 25.01.13 Dresden

www.brockdorff.com
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. 28.11.2012 - 9:59 Uhr

    Klaers

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