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Die Probleme der Anderen. Die Anonymität der Großstadt. Dazu das herrlich hässliche Neubaublock-Plattencover. Da schaffen ein paar junge Künstler aber gleich mal Stimmung. Und da hat man dieses irrwitzige Album, das sich mit seinen außerirdischen Sounds nahezu jeglicher Kategorisierung entzieht, noch gar nicht gehört.

Doch von vorn. Fünf Jungs aus London traten ursprünglich mit dem Ziel an, Filme zu machen. Künstlerisch wertvolle Filme, mit Performances und selbst gebastelten Soundtracks. Irgendwann schlug die Begeisterung des Publikums, gerade für die musikalische Untermalung, jedoch Wellen und plötzlich war man auch noch eine Band.

Deren Klang sich wirklich kaum einordnen lässt. Breton legen Wert darauf, ihre Sounds selbst zu erfinden und neue Wege zu gehen. Dementsprechend unverbraucht klingt das dann auch. Industrielle Samples vermischen sich mit Streichern und ganz eigenartigen Beats und Electronica. Schon im ersten Stück („Pacemaker“) hört man im Hintergrund die Londoner Tube, abgehackte Streicher und trip-hoppende Beats kommen dazu. Der stets irgendwie verzerrte Gesang ist da nur weiteres Stilelement.

Da passt es auch, dass mit Querdenkern wie dem Düsseldorfer Hauschka oder Thomas Hein, dem Schlagzeuger von These New Puritans, zusammengearbeitet wurde und die Songs, aufgenommen in den Südlondoner BretonLabs, in Island in Sigur Ros‘ Studio abgemischt wurden. Doch jetzt erstmal ein Einblick in die visuellen Welten von Breton, mit dem Video zum unfassbar guten „Edward The Confessor“:

Wow! Und gleich darauf wechseln sie mit dem zurückhaltenden „2 Years“ wieder den Rhythmus. Der Stil umfasst Elemente von Trip Hop, Dubstep, Noise, Punk, Industrial, Hip Hop und vielem mehr. Viele Namen von Portishead bis hin zu SBTRKT könnte man nennen, aber dann sind plötzlich auch Indie-Helden wie Bloc Party („Wood And Plastic“) nicht fern.

Breton wollen übrigens weiterhin als audiovisuelles Künstlerkollektiv verstanden werden und sich keineswegs von ihrem filmischen Interesse abwenden. Daher gibt es auch reichlich Videomaterial, und wir wollen uns diesem nicht verschließen. Hier der Clip zu „Interference“, einem weiteren dieser eigenartig eingängigen Tracks:

Jedes der elf Stücke hier rotiert in seinem eigenen Sternensystem, immer wieder wird noch ein unerwarteter Haken geschlagen. „Oxides“ harft beispielsweise erst entspannt herum, bis plötzlich ein saftiger Synthesizer dazwischen fährt. „Jostle“ dagegen startet richtig dancelastig, nimmt dann aber doch lieber einen kurvigenUmweg.

Mit dem atmosphärischen Highlight „The Commission“ schließt dieses besondere Album, und damit – neben einer ausdrücklichen Kaufempfehlung – beenden wir auch unsere Videoschau:

P.S. Live gibt es das Ganze beim Introducing zu bestaunen – am 18.04. in Berlin. Außerdem: 14.04. Lausanne, 16.04. Zürich, 20.04. Hamburg, 16.06. Luzern, 30.06. Düsseldorf.

P.P.S. Und mit „Blanket Rule“ gibt es eine ganze EP (mit fünf Songs, die nicht auf dem Album sind!) zum Gratis-Download auf der Facebookseite der Band.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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