Was, eine Hommage ans Automobil? Ja, haben wir denn schon wieder die Autobahn im Kraftwerk? Ob das ein Scherz ist oder nicht, bleibt egal, denn eines ist chromglänzend klar: Zwei Franzosen zaubern eine ganz hervorragende Elektronik aus ihren Maschinchen.

Julien Briffaz (Tekël) und Benjamin Boguet (Cosmo Vitelli) nennen sich zusammen also Bot’Ox, das Apostroph ist hoffentlich irgendwie sinnstiftend, jedenfalls hat der Sound glücklicherweise wenig mit gesichtslähmendem Modegift gemein. Stattdessen wissen die beiden ganz genau, was man so für Sounds aus Synthesizer und Computer kitzeln kann.

Bot’Ox gelingt hier das gar nicht so häufige Kunststück, überwiegend instrumentale elektronische Musik äußerst abwechslungsreich und spannend klingen zu lassen, was gleich der atmosphärische Opener „Motor City“ zeigt. Wenn dann (von verschiedenen Gästen) doch mal gesungen oder wenigstens gesprochen wird – was auf vier der elf Tracks der Fall ist – ist das nur das Tüpfelchen auf der Zündkerze.

Wie zum Beispiel beim infektiösen Elektropop von „Blue Steel“, dem Anna Jean ihre Stimme leiht. Man hat sich kaum in den Ohrwurm verknallt, da endet er jedoch abrupt mit saftigem Synthiegebrumme, das ins hektische „Overdrive“ überleitet. Ja, man überlistet den Hörer gern einmal, es käme wohl auch nicht jeder auf die Idee, ein Stück namens „Crashed Cadillac“ als langgezogenes und eher entspannt flächiges Instrumentalgewaber anzulegen.

Zwischen die moderne Elektronik gesellen sich auch immer wieder elektronikhistorienbewusste Elemente, die ebenso den wegbereitenden Herren aus den 70ern eingefallen sein könnten – gern auch alles zusammen in einem Stück wie dem faszinierenden „Tout Passe, Tout Lasse, Tout Casse“.

So freut man sich an einer intelligenten und doch auch eingängigen Platte für elektronische Feinschmecker, cruised lässig im neonbunten Cabrio durch die „Rue de l’Arsenal“, achtet darauf, dass niemand das „Car Jacked“, was ja sonst zu einer „Tragedy Symphony“ führen würde. Und das wäre nun wirklich babylonisch.

(Addison)


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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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