blackaffairLange keine richtig gute Electro-Pop-Platte gehört? Mit klassischem Oldschool-Sound und trotzdem modernem Klang? Wenn es geht, mit einem Touch ins Dunkle? Mit einer gehörigen Prise Sex in Gesang und Text? Nein? Dann aber rasch hier zugegriffen, dieses feine Album hat all dies zu bieten.

Steve Mason war einmal der Frontmann der Beta Band, die im Indie-Lager so manchen Stein im Brett hat (und wohl den Begriff Folktronic erfunden hat). Doch weder mit deren Musik noch mit der seines späteren Projektes King Biscuit Time haben sein neuestes Baby Black Affair und dessen Debütalbum „Pleasure Pressure Point“ viel gemein. Nein, hier gibt es tatsächlich klassischen Synthie-Pop, der eher Querverweise zu Namen wie Human League, New Order und hier und da auch Depeche Mode (alle in ihren Phasen so ca. erste Hälfte der 80er) auslöst. Weitere große Namen des Genres bitte selbst dazudenken.

Die facettenreiche Stimme Steve Masons schafft es dabei, sowohl warm, als auch kühl, ja mitunter gar arrogant zu klingen. Und eben sexy, passend zu den in dunklen Beziehungsebenen wühlenden Texten. Dazu sorgt der Mix von Jimmy Edgar für die eine oder andere spannende Prise Detroit Techno. Dem Intro „P.P.P.“ folgen zwölf abwechslungsreiche Songs, die – zumeist sehr tanzbar – weite Bereiche des Electro-Pop abdecken. Die Melodien sind ohrwurmtauglich, die typischen 80er-Handclaps zaubern ein wiedererkennendes Lächeln ins Gesicht, die Beats sind zwingend, die Sounds mitreißend.

Höhepunkte? Das knackige „Just Keep Walking“ (der Rezensent erahnt in der Strophe irgendwo „Fade To Grey“, ohne dass die Ähnlichkeiten allzu auffällig sind), das düster-melodische „Japanese Happening„, „You And Me“ mit kühl-roboterartigem weiblichem Gegenpart. Oder das romantisch schlurfende „Will She Come„, in dem die Stimme fast nach Erlend Oye klingt und die Soundflächen sanft dahinschweben. Oder auch „Tak! Attack!„, das Vince Clarke heutzutage nicht mehr in dieser Güte hinbekommen würde. Und der über sechsminütige Abschluss „Pills„, dessen düstere Sounds sich zu einem Gewitter steigern und am Schluss komplett zerhackt werden.

Hm, komisch, beim letzten Hören waren es noch andere Highlights. Und beim nächsten Durchlauf? Spricht wohl für ein Album, das voller Perlen steckt und unter den Freunden des Electro-Pops normalerweise zahlreiche Anhänger finden müsste.

(Addison)

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www.myspace.com/blackaffair

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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