Beyond Obsession © Frank Güthoff
Beyond Obsession © Frank Güthoff

Gute Laune gefällig? Dann am besten die aktuelle Platte von Beyond Obsession mit Namen „Moments Of Truth“ kaufen und lieb haben. Okay, Einstiegsschleichwerbung an dieser Stelle ist ein bisschen gemein und erscheint fast wie ein Überfall, hat man die beiden Jungs aber einmal live gesehen, möchte man sie auch im Wohnzimmer knuddeln und lieb haben. Es trug sich also zu, dass Nils und André im Oberhausener Kulttempel zu Gast waren und Stücke der ersten beiden Alben, sowie des neuen Scheibchens präsentierten.

Ich gebe zu, die Auswahl von Nils Oberteil sollte er noch einmal überdenken, aber man geht ja auch nicht auf ein Konzert um über die Kleiderwahl der Musizierenden zu diskutieren. Breit grinsend stand Keyboarder André auf der Bühne, drehte, schraubte und musste immer wieder selbst über die ansteckende Fröhlichkeit und den Mitgrinsfaktor seines Bandkollegen lachen. Wer bei Beyond Obsession keinen Launeschub nach oben bekommt ist selbst schuld. Ernsthaft. Man kann noch so grimmig sein, der Tag grau, die Katze wurde angefahren, der Chef lässt einen Überstunden schieben und von mir aus kann einen auch die eigene Freundin verlassen und mit dem besten Freund betrogen haben – sobald Nils Upahl anfängt zu singen  ( und so wirklich fröhlich sind die Liedchen im Text ja auch nicht immer), geht im Inneren die Sonne auf. Die doofe Freundin wird Nebensache und die Katze bekommt dann eben ein paar Streicheleinheiten extra, das Leben ist einfach nicht mehr ganz so schwer, wenn man den beiden Synthie-Experten lauschen darf!

Der Kulttempel war leider nicht übermäßig gefüllt, was nicht nur wegen Beyond Obsession schade war, sondern auch weil der aus Schweden angereiste Henric de la Cour eine absolute Konzertsensation ist. Halbvoller Kulttempel, Temperatur reichlich eisig – da half dann nur noch warm tanzen, was beim Opener „Dracula“ des Schweden auch super funktionierte. Blut beschmiert, düster geschminkt und musikalisch das, was es viel öfter auf dieser Erde geben sollte – nämlich mega talentiert – gab Henric de la Cour seine Songs zum Besten. Reichlich unbeeindruckt war seine am Saiteninstrument stehende, putzige Bandkollegin. Bei jedem Konzert fragt man sich, wie dieses hübsche Ding es schafft so absolut emotionslos zu blicken. Teil des Showkonzeptes, ganz bestimmt.

Wie immer viel zu kurz und mit lauten Applaus seitens des Publikums belohnt schlich die Band von der Bühne, um sich im Anschluss am Merchstand einzufinden. Henric ließ Fotos mit sich machen, unterzeichnete hier und da eine Platte und am Ende des Abends gingen wohl Bands und Anwesende mehr als zufrieden nach Hause. Es sollte viel mehr solcher Konzerte geben. Aber die gibt es nur, wenn ihr da draußen eure Hintern vom Sofa schwingt, auch nach der Arbeit mal auf ein Konzert geht und euch neuen, kleineres Bands öffnet. Sonst haben wir bald noch ein größeres Club- und Szenesterben als ohnehin schon.

Die wundervolle Galerie wurde von Frank erstellt, dem ihr auf Facebook gern einen Daumen nach oben geben könnt.
Wie immer der Hinweis, dass es uns auch als Wonderful Electric zum Lesen, Liken und lieb haben auf Facebook gibt.

Letzte Aktualisierung: 5.10.2016 (c) depechemode.de

 Josie Leopold
Ich bin die kleine Schnatterschnute vom Dienst: bunt, glitzernd, voller verrückter Ideen. Wenn ich nicht gerade Interviews führe, Beiträge verfasse oder versuche Wordpress davon zu überzeugen doch bitte nett mit mir zu sein, versuche ich die Welt ein bisschen besser und bunter zu machen.

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Kommentare

  1. 5.10.2016 - 22:18 Uhr

    Eiertanz

    Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei ?

    Hey, das war genau mein Empfinden und selbiges habe ich beiden Jungs auf deren beider FB-Sites eingetragen – mit meinen Worten.
    Hier lese ich das…, ja klar, andere Beispiele, jedoch treffen sie denselben Kern:

    „Man kann noch so grimmig sein, der Tag grau, die Katze wurde angefahren, der Chef lässt einen Überstunden schieben und von mir aus kann einen auch die eigene Freundin verlassen und mit dem besten Freund betrogen haben – sobald Nils Upahl anfängt zu singen…“

    Deine Beispiele sind gravierender, ok.

    Vergessen hat der Autor dieses Artikels die Ohrwurmwirkung der „wahren Momente“, die sich immer wieder unerwartet verlebendigt; was irgendwann nervig wird, aber am Ende aufgrund der brillanten Qualität eigentlich und … heimlich willkommen erscheint und
    bleibt.

    Moments Of Truth
    überholt im Gesamtpaket nach meinem Dafürhalten die jüngere Schaffensphase unserer heißgeliebten Elektronikmeister.

    Und ja, in Sachen Outfit und Bühnenverhalten findet der kommerzorientierte Laie Nachholebedarf.
    Das aber ist angesichts der Leistung so egal…

    Oder fasziniert uns das nicht gerade das ? Die Essens, das Aufrechte, die Ehrlichkeit, die Wahrheit ?

    Tom Meeloo

    • Tom Meeloo
      1.1
      5.10.2016 - 22:20 Uhr

      uns nicht gerade das…

      Essenz