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Best-Of-Alben erscheinen doch sonst immer vor Weihnachten, was ist da los? Wissen wir auch nicht. Was wir wissen, ist, dass solche Veröffentlichungen heutzutage gern als reine Geldmacherei verdammt werden. Aber wenn dann doch ein gewisser Mehrwert geliefert wird, lohnt sich das Ganze für den Hörer eben trotzdem. So wie hier.

Goldfrapp – The Singles

Zum Beispiel Goldfrapp. Hier musste noch ein Plattenvertrag erfüllt werden, und ein wenig schmucklos kommt die Platte auch daher. Schmales Booklet, keine Limited-Special-Sonstwas-Edition. Und eine Best Of ist es, wie der Titel schon sagt, eigentlich auch nicht.

Denn es ist tatsächlich – was die bekannten zwölf Stücke angeht – nur eine reine Singlessammlung, was zur Folge hat, dass natürlich Highlights fehlen, da sie eben nur auf den (bisher fünf) Alben erschienen. Gerade beim Debüt-Meisterwerk „Felt Mountain“ war das der Fall, von jenem gibt es nur das immer noch unschlagbare „Utopia“ und „Lovely Head“. Was für eine Best Of zu wenig wäre (während vom letzten Album „Head First“ zwei Songs mehr als genug sind, dort allerdings womöglich ganz andere Stücke gut waren als die Singles).

Egal, trotzdem macht dieses Album großen Spaß, denn man kann noch einmal geballt die Klasse dieses Duos nachvollziehen, vom frühen Cinemascope-Pop über die Electropop-Granaten („Strict Machine“, „Ooh La La“, „Train“ etc.) bis zu verträumten Kleinoden wie „Happiness“ oder eben zuletzt buntem Discoglitzer.

Was aber nun den wirklichen Mehrwert ausmacht, sind die beiden neuen Songs. Ob die nun auf das kommende Album – an dem wohl bereits gearbeitet wird – hinweisen, wissen wir nicht. Wenn ja, stünde wohl wieder ein ruhigeres Werk bevor, denn sowohl das melancholische „Yellow Halo“, das Alison ihrer vor zwei Jahren verstorbenen Mutter widmete und das erst gegen Ende mit ein paar Beats ein wenig Tempo bekommt, als auch „Melancholy Sky“, das sogar Streichersounds und richtiges Saxophon (von Will gespielt) bietet, erinnern stilistisch eher an das Debüt – und sind somit durchaus zu Recht hier drauf.

Underworld – A Collection

Hier gibt es nun durchaus einen konkreten Grund für das Album. Nämlich das 20-jährige Bestehen Underworlds. Okay, zumindest Underworlds in der musikalischen Ausrichtung, wie alle sie kennen. Denn aktiv waren Karl Hyde und Rick Stein schon früher, aber ihre frühen Rockband-Gehversuche klammern sie selbst ja konsequent aus.

Denn hier sind die elektronischen Underworld gemeint, und die bieten nun zwei recht unterschiedliche Pakete an. Das eine ist „A Collection“ und bietet einen kompakten Karriereüberblick. Leider nicht chronologisch geordnet, so dass man mit dem jüngsten Stück startet, „The First Note Is Silent“, einer Kooperation mit High Contrast und Tiesto, während die ältesten Stücke – die 1993er Single „Rez“ (immer noch famos bollernder Techno) und immerhin drei Tracks vom Albumdebüt „Dubnobasswithmyheadman“ weiter hinten platziert wurden.

So springt man zwischen den Zeiten und über die zahlreichen Highlights, die natürlich weit mehr umfassen als den selbstverständlich auch enthaltenen Hit vom „Trainspotting“-Soundtrack, „Born Slippy/Nuxx“. Man sieht, dass diese Band bei all ihren Auszeiten und Seitensprüngen (immer wieder Soundtracks, aber auch ganz andere Dinge, zu denen sich in diesem Jahr die musikalische Gestaltung der olympischen Eröffnungsfeier von London gesellen wird) immer wieder perfekte Tracks im weitesten Sinne von Techno geschrieben hat, von „Mmm Skyscraper I Love You“ oder „Moaner“ bis zu „Scribble“.


Auf „A Collection“ hat man übrigens größtenteils die kürzeren Single-Edits verwendet, was Einsteiger oder Freunde von kompakten Singles sicher freuen wird. Und für den tieferen Einblick gibt es „1992-2012 – The Anthology“, und dort bekommt man auf drei Discs das Rundum-Sorglospaket. Die besten Tracks in den langen und noch längeren Fassungen zum Sich-drin-Verlieren, seltene Versionen und obendrein unveröffentlichte Raritäten.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. MeshVic Fan
    2
    21.2.2012 - 17:02 Uhr

    die „Best of“ darf in meiner Sammlung nicht fehlen!

  2. GOSH
    1
    21.2.2012 - 3:28 Uhr

    Goldfrapp - The Singles

    … so ganz kann ich die Rezension über die CD nicht verstehen … wo bitte schön steht auf dem Cover „Best Of …“??? Die CD nennt sich „The Singles“ und nichts anderes ist sie. Eine Sammlung der Singles (jedoch keine vollständige!). Ausserdem ist es schwierig zu sagen was auf eine „Best Of …“-Sammlung drauf gehört hätte und was nicht! Da hat wohl jeder eine andere Meinung. Da es sich bei der Veröffentlichung warscheinlich eher um Strategie der Plattenfirma handelt, sollte man das auch so nüchtern betrachten … da sind 2 neue Stücke, wie vollkommen richtig bewertet, schon ein wahrer Mehrwert!!!