Schneeflocken fotografieren? Wie passend. Wenn die Landschaft draußen ganz still wird, sachte Schnee herabrieselt, dann kann man jetzt drinnen das passende musikalische Äquivalent auflegen. Dem Mann mit der Mütze ist ein watteweiches Winteralbum gelungen.

Dabei soll das erst Teil 1 einer Trilogie sein, denn bei Damon Gough herrscht (endlich) mal wieder Kreativitätsüberschuss. Der Mann, der schon vor zehn Jahren mit „The Hour Of The Bewilderbeast“ den Mercury Prize gewann, der der tollen Nick-Hornby-Verfilmung „About A Boy“ ihren wundervollen Soundtrack schenkte, dieser Mann hat jetzt nach ein paar ruhigeren Jahren wieder richtig Fahrt aufgenommen und ist mit eigenem Label im Rücken auf dem Weg an die Spitze der europäischen Singer/Songwriter-Liga.

Machen wir uns nichts vor: Das hier ist für manchen sicher zu sanft, zu ruhig, zu akustisch. Aber sei es drum. Wobei man hier keineswegs nur Mann plus Gitarre hört. Da sind ausgefuchste Arrangements mit Streichern und mehr dabei. Und auch Elektronik wird verwendet. Ob sie nur aus leicht schwebenden Hintergrundgeräuschen wie im Opener „In Safe Hands“ besteht oder doch mal mehr nach vorne drängt wie im poppigen „This Electric“, ist ja auch zweitrangig.

Im Zentrum steht eben schlicht der Song, mit der einnehmenden, warmen Stimme Goughs vorgetragen. Da braucht man keine anderen Interpreten wie Susan Boyle oder Andrea Bocelli – die er selbst sich nämlich für den klassischen Popsong „What Tomorrow Brings“ vorstellen könnte. Und tolle Songs schreibt er hier einige, von wegen ‚Birds in the sky stole my melodies‘ („The Order Of Things“). In wohlige Harmonien, wie bei „Too Many Miracles“, oder streichergetragene Großtaten wie „I Saw You Walk Away“ möchte man sich direkt einkuscheln.

Ausfälle gibt es nur einen, und über den zu langen und zu country-esken Titelsong kann man ja skippen. Ansonsten ein sehr schönes Album, und während wir auf die Fortsetzung hoffen, fällt draußen der erste Schnee des Winters. Ganz leise.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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