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Eine halbe Minute lang denkt man, nanu, ist die CD (oder das Vinyl, oder eben das MP3, ihr Hipster) kaputt? Doch dann schälen sich erste Synthesizersounds aus dem seltsamen Klacken, dann ertönt Katie Stelmanis‘ unverkennbare Stimme und von da an wird der Hörer in keinem Moment mehr zweifeln, mit wem er es zu tun hat. Zweites Album, zweiter Volltreffer.

„Feel It Break“ war vor zwei Jahren so etwas wie ein Sleeperhit. Erst wurde es von einigen wenigen in höchsten Tönen gelobt, dann erledigten die gute alte Mund-zu-Mund-, oder heutzutage vielleicht eher Blog-to-Blog-, oder gar Facebook-Profil-zu-Facebook-Profil-Propaganda den Rest, erheblich unterstützt vom Übersong „Lose It“. Am Jahresende 2011 stand das Album der Kanadier jedenfalls bei einigen ganz weit vorn in der Liste.

Jetzt, 2013, haben sich die Produktionsverhältnisse bei Austra deutlich verändert. War das Debüt noch quasi von Katie Stelmanis im Alleingang im Schlafzimmer aufgenommen worden, waren an „Olympia“ nun alle sechs Bandmitglieder – das sind außerdem Schlagzeugerin (und Co-Songwriterin) Maya Postepski, Bassist Dorian Wolf, Keyboarder Ryan Wonsiak sowie die Backgroundsingundtanzzwillinge Sari und Romy Lightman – beteiligt, dazu kam noch Personal im Studio.

Die Folge ist, dass das Album einen kraftvolleren Sound auffahren kann, dem neben vielen elektronischen Schichten auch zahlreiche Instrumente (verschiedenste Percussions, ein paar Streicher, aber auch Flöten) untergemischt wurden. Außerdem wurde das durchschnittliche Tempo erhöht, die Tanzbarkeit verstärkt. Aber, das alles beiseite, das charakteristische Songwriting, die düstere Grundatmosphäre und natürlich der dramatische Gesang lassen die Unterschiede zum Vorgänger dann doch gar nicht so groß erscheinen.

Auch „Olympia“ benötigt den einen oder anderen Durchlauf, eben weil die Songs abseits der eingängigen Beats durchaus keinen oberflächlichen Mustern folgen. Und irgendwann erzielen die Stücke ihre Aha-Effekte: Der nach über drei Minuten einsetzende Beat bei „What We Done?“, die Melodiosität von „Forgive Me“, die Eingängigkeit von „Painful Like“, die Depeche-Mode-80er-Sample-Elemente in „Sleep“ (kurz nach der Zweiminutenmarke), die Flötentöne und das Piano zwischen dem Electropop von „Home“… und das sind nur die ersten fünf Stücke.


Austra – Home (Official Video) von domino

Ach, wir haben noch etwas Zeit? Na gut, dann loben wir noch ein bisschen weiter. Die köstliche Melancholie von „We Become“, das majestätische „Reconcile“ (Bläser?!), die House-Grooves in „Annie (Oh Muse, You)“ und das orgelnd epische Finale „Hurt Me Now“. Und von den emotionalen Texten haben wir noch gar nicht gesprochen.

„Olympia“ = olympiareif! Ein „Lose It“ findet man hier nicht unbedingt nochmal, dafür vielleicht mehr Klasse in der Breite. Außerdem, der ausgiebige Hörgenuss in den letzten Wochen sowie die Erfahrungen mit dem Debüt deuten es an: Die Halbwertzeit eines Austra-Albums ist, gerade für heutige Verhältnisse, enorm hoch. See you in the Jahres-Top-10!

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P.S. Und hier die Tourdaten (Hingehen!): 19.07. Melt! Festival Gräfenhainichen, 01.08. Poolbar Festival, Feldkirch (A), 02.08. Stuck! Festival, Salzburg (A), 18.08. Dockville Festival, Hamburg, 23.10. Dresden, 28.10. Berlin, 30.10. Leipzig, 01.11 Linz (A), 02.11. München, 03.11. Köln

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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