arcade_reflektorWir könnten das Ganze jetzt (mal wieder) abkürzen und ganz einfach behaupten: Viertes Meisterwerk in Folge! Aber diese Band macht es sich und dem Hörer niemals so einfach, also sollten wir diesem Anspruch auch gerecht zu werden versuchen. Reflektieren Sie mit uns!

Funeral“ trat das Ganze vor fast neun Jahren los. Es ging um todtraurige Themen, doch die Musik versprühte eine ganz eigene Euphorie und schlug derweil so spannende Haken, wie es nur ganz wenigen Debüts gelingt. Der Nachfolger „Neon Bible“ musste dagegen eigentlich klar verlieren, entzog sich dem Vergleich aber halbwegs clever durch die Flucht an die Kirchenorgel und zu dunkleren Sounds. Schließlich forschte man 2010 in den Randgebieten von „The Suburbs“ nach der eigenen Vergangenheit und erweiterte gleichzeitig erneut das Klangbild.

Nachdem man damit trotz stets kompromissloser Songs plötzlich zu aller Welt Lieblingsband geworden war, und das vor allem in den anglophilen Ländern auch noch äußerst erfolgreich, war die Spannung vor Werk Nummer Vier riesig. Beim Blick auf die nackten Zahlen ist man dann erst einmal geneigt auszurufen: Ja, sind die jetzt komplett wahnsinnig geworden und/oder haben ein Mammut-Prog-Rock-Sonstwas-Ding aufgenommen?! Ein Doppelalbum (ja, auch auf CD) bei 13 Tracks?!

Aber halt, bei „Reflektor“ ist wenig, wie es scheint. Das Doppelalbum ist vor allem dem ausufernden Hidden Track vor dem eigentlichen Beginn geschuldet, gibt dem Hörer – so er denn noch altmodisch physisch genießt – aber beim Wechseln der Tonträger Gelegenheit innezuhalten, durchzuatmen und zu verarbeiten. Und das tut Not, denn, wie gesagt, einfach ist was anderes. Neun der 13 Stücke überschreiten (zum Teil deutlich) die Fünf-Minuten-Grenze, kaum ein Song nimmt einen geraden Weg und klanglich wird ein dermaßen breites Spektrum zwischen Synthesizern, Streichern und Bläsern aufgefahren, das will erst einmal erfasst werden.

Doch James „LCD Soundsystem/DFA Records“ Murphy hat, zusammen mit Markus Dravs, dem Hausproduzenten des kanadischen Sechsers, den Überblick behalten. Da lässt man eben mal den großen David Bowie im umwerfend groovenden Titelsong (den der Altmeister gerüchteweise am liebsten für sich selbst gehabt hätte) ein bisschen markant im Background singen. Im Anschluss stampft „We Exist“ gleich weiter arschcool durch die Disco, bevor es kurz in die Karibik und dann bei „Here Comes The Night Time“ durch alle möglichen Stile und Tempi geht.

Donnerknispel! Gut, dass der Rest der ersten Hälfte dann eher herkömmliche Songs – also nach Arcade-Fire-Standards – bringt. Wobei auch da mit „Joan Of Arc“ noch mindestens ein großartiges Stückchen lauert, in dem Vorsänger Win Butler wieder einmal durch die charmante Stimme Régine Chassagnes ergänzt wird.

In Halbzeit Zwei lässt man die Enden gelegentlich etwas loser verlaufen, beschäftigt sich mit Dramen um Orpheus und Eurydike („Awful Sound“ und „It’s Never Over“) – dass die Inhalte nach wie vor gern düsterer Natur sind, sollte kaum noch betont werden – und landet mit dem eiskalten „Porno“ sogar noch einen versteckten Synthiehit, bevor schwungvoll ins „Afterlife“ geschritten und schließlich die „Supersymmetry“ ausgerufen wird.

Reflektor“ ist ein Album, das nicht jeden erreichen wird, schon gar nicht beim ersten Anlauf. Dafür wird es aber früher oder später wieder sehr vielen guten Menschen eng ans Herz wachsen – und darum lieben diese Menschen diese Band so innig.

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P.S. Übrigens wird eine kleine Band namens „The Reflektors“ am 19.11. im Berliner Astra ein Konzert geben. Wer das wohl sein mag? Tickets gibt es ab morgen, 10 Uhr nur hier.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. 9.11.2013 - 21:54 Uhr

    Hammer Album

    … absolut starkes Album!!!!