Ein Album, das nach dem ersten Durchlauf fast vergessen worden wäre. Zu viele Höreindrücke auf einmal, zu viel weitere CDs auf dem „To-Do“-Stapel. Wäre schade gewesen, denn das hier ist ein richtig gutes Werk voller Ideen und starker Songs.

Aus dem Künstlerstädtchen Raleigh in North Carolina kommt diese Sechserbande von Um-die-20-Jährigen, die auf ihrem zweiten Album (jedenfalls in Europa) nach dem 2006er „Be He Me“ wie übermütige Fohlen in alle Richtungen ausschlagen, die der moderne Indie-Pop so hergibt. Das bringt ihnen nun Vergleiche mit großen Namen von Arcade Fire über Beck bis zu den Flaming Lips ein, was natürlich noch zu viel des Guten sein mag, aber doch auch beweist, dass da enormes Talent vorhanden ist.

Die Herren (und eine Dame) um Songwriter, Sänger und Multiinstrumentalist Adam Barker springen dabei ohne Scheuklappen von einem Stil zum nächsten, ohne Atem zu holen, oft gar innerhalb eines Songs. Das Durcheinander kann auch daran liegen, dass „Count The Rings“ Lieblingsstücke der Band versammelt, die in Amerika auf verschiedenen Veröffentlichungen (Alben, Singles, B-Seiten) verteilt waren. So ist dieses Werk nun ziemlich heterogen, nach einer Weile passt alles aber doch irgendwie zusammen.

Als da wären: der leichte Pop nebst rhythmischem Getrommel von „Eyes In The Darkness“, die Chöre und die experimentellen Rockelemente auf „Hot Night Hounds“, der stetig lauter werdende Piano-Pop von „Springtime“, die Afro-Pop-Elemente von „Hardwood Floor“, die Synthie-meets-Gitarre-featuring-schräge-Töne-Hymne „Loxstep“ (wo irgendwie auch noch eine Spur Sting im Gesang drin ist, oder woran erinnert mich das? Tipps erwünscht!), der glockenhelle Pop und die Streicher von „The Giving Tree“ oder der bierselige Kneipenschunkler „Holler And Howl“. Und mehr.

Da ist so viel Klangreichtum, dass er für mehr als ein Album gereicht hätte. Wer sich davon nicht erschlagen lässt, könnte eine Band entdecken, die das Zeug hat, sich zu zukünftigen Lieblingen zu entwickeln.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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