Die große Tour-Analyse

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Ein Gastbeitrag von Bernd Oswald

Im März haben Depeche Mode die „Delta Machine Tour“ abgeschlossen, ihre nach eigener Zählung 17. Tour. Viele von Euch feierten wieder bei einem oder mehreren Konzerten mit und haben das auch in Fanreports festgehalten. Ich war selbst im Münchner Olympiastadion dabei – und fragte mich danach: Wo haben DM eigentlich schon überall gespielt – und welchen Stellenwert hat Deutschland über die Jahre im DM-Tourkalender gehabt?

Also habe ich mir von der DM-Tour-Archiv-Seite die Daten aller 1202 Mode-Konzerte seit 1980 in ein Excel-Dokument gezogen und ausgewertet. Das Resultat: 169 Mal spielten die Jungs hierzulande. Pro Tour sind das im Schnitt elf Auftritte in Deutschland. Mehr als jedes zehnte DM-Konzert hat in Deutschland stattgefunden. Insgesamt liegt Deutschland auf Platz 3 hinter den USA (341) und Großbritannien (223). Wenn man die beiden Anfangsjahre 1980 und 1981 ausklammert, also ab 1982 rechnet, sind DM sogar öfter in Deutschland aufgetreten als in ihrer britischen Heimat: Dann steht es 168:149.

Hier die grafische Auswertung nach Ländern. Ihr könnt einfach den Kartenausschnitte mit der Maus verschieben, das Zoomlevel verändern (links) oder ein Land in die Suchmaske oben rechts eingeben. Per Klick oder per Mouse-Over seht ihr, wie viele Konzerte Depeche Mode in dem betreffenden Land gespielt haben.

Unter den Städten rangiert Berlin mit 23 Konzerten auf Platz 1, das legendäre 88er Konzert im Ostteil der Stadt eingerechnet. Zweiter ist mit 19 Gigs Hamburg, darunter auch das erste Konzert in Deutschland am 25. September 1981 in der Markthalle. Dritter ist München mit 13 Shows. Im Münchner Olympiastadion fand am 13. Juni 2009 das insgesamt 1000. DM-Konzert statt.

Mit diesen Zahlen liegen die drei deutschen Metropolen auch im weltweiten Ranking gut im Rennen: Berlin ist 4., Hamburg 7. und München 13. Logisch, dass London mit 67 Konzerten auf Platz 1 liegt, allerdings fand auch hier fast die Hälfte davon in der Frühphase der Band 1980/81 statt. Auf den Plätzen folgen dann Los Angeles, Paris, Berlin und New York.
Es liegen also insgesamt die großen Metropolen vorne, hier gibt es den größten Markt und auch die größten Arenen. Im Laufe der Jahre wurden die Konzertsäle immer größer. Sehr schön lässt sich das am Beispiel München nachvollziehen:

  • 1982 Alabama-Halle, Fassungsvermögen: 1000 Personen (genaue Zuschauerzahlen sind noch zu recherchieren)
  • 1984 Deutsches Museum, Fassungsvermögen: ?
  • 1986 Rudi-Sedlmayr-Halle, 6000-7000 Plätze
  • 1987, 90, 93, 98, 2001, 06: Olympiahalle, 15.500 Plätze bei unbestuhlter Arena
  • 2009, 13: Olympiastadion, 62.976 Zuschauer (beim Konzert am 1.6.2013)

Gerade in der ersten Hälfte der Achtziger spieten DM auch in kleineren deutschen Städten wie Goslar, Minden, Sindelfingen, Borken oder Neu-Isenburg. Mittlerweile waren sie in allen Bundesländern bis auf Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Nicht nur in Deutschland gibt es dieses West-Ost-Gefälle, sondern auch in der Gesamtheit der Konzerte. Das liegt natürlich auch daran, dass DM bis zum Zusammenbruch des Ostblocks fast ausschließlich in Westeuropa und Nordamerika spielen konnten. Ausnahmen waren die Konzerte in Warschau 1985, in Budapest 1985 und 1988, Prag 1988 und eben in Ost-Berlin 1988.

Hier die Grafik zum DM-Städteranking:

Es dürfte nicht viele Bands geben, die auf allen Kontinenten live gespielt haben. DM wurden auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, rund um die World Violation Tour, die Devotional Tour und die anschließende Exotic Tour zum weltweiten (Livekonzert-)Phänomen. Hier die Reihenfolge der Kontinente:

  • Europa: 31. Mai 1980: 1. Konzert in der St. Nicholas School in der DM-Heimatstadt Basildon
  • Nordamerika: 22. Januar 1982, The Ritz, New York. Übrigens das zweite Konzert von Alan Wilder, der Vince Clarke ersetzt hatte.
  • Asien: 2. April 1983 im Tsubaki House in Tokio (Broken Frame Tour)
  • Australien: 31. August 1990 im Hordern Pavilion in Sydney (World Violation Tour)
  • Afrika: 9. Februar 1994 in der Standard Bank Arena von Johannesburg, Südafrika (The Exotic Tour)
  • Südamerika: 4. April 1994 im Olympia, Sao Paulo, Brasilien (The Exotic Tour)

Allerdings machen die auf der südlichen Halbkugel gespielten Konzerte gerade mal zwei Prozent der insgesamt 1202 Konzerte aus. Der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig in Europa und Nordamerika. Jetzt hoffen wir, dass DM ihre Konzertgeschichte fortschreiben.

Bernd Oswald
Über den Autor
Bernd Oswald, 40, ist Autor und Trainer für digitalen Journalismus und seit 1984 Depeche-Mode-Fan. Für die Auswertung der DM-Konzerte hat er Hobby und Beruf verknüpft und so viel über den Reiz, aber auch die Tücken des Datenjournalismus gelernt. Er bloggt unter www.journalisten-training.de, wo er auch einen Werkstattbericht zur DM-Konzertdatenrecherche verfasst hat. Auf Twitter ist er unter @berndoswald aktiv.

Letzte Aktualisierung: 3.9.2014 (c) depechemode.de

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Kommentare

  1. Aeneas
    31
    26.9.2014 - 10:20 Uhr

    *gähn*

    Hab‘ den Beitrag erst heute gesehen, daher der späte Kommentar.

    Erstmal Respekt für die Arbeit! ABER so ganz allgemein: Wir sind jetzt also beim Katalogisieren angelangt… nee nee da hau ich mir lieber zum 800. Mal ne dM-CD rein und les‘ das Booklet, obwohl ich’s schon auswendig kenne, bis es zerfleddert. Sing and dance and party with dM, alles super, aber der rechte Vorderreifen von Martins Karre oder eben Statistiken, wie oft Dave sich beim Dave-Dancing schon um sich selbst gedreht hat… *schnarch* Sorry nicht meiner Baustelle :-)